Sie haben vor einem Jahr die Online-Versicherungsplattform Calingo gegründet. Wie kamen Sie auf die Idee? 
Wir Gründer sind seit vielen Jahren in der Versicherungsindustrie tätig, wobei wir festgestellt haben, dass wirkliche, revolutionäre Veränderungen in der Art und Weise, wie Versicherungen gedacht werden, nur in extrem agilen und kundenorientierten, unabhängigen Konstellationen möglich sind. Da bietet sich die Gründung eines eigenen Startups an. 

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Ist der Markt denn nicht bereits gesättigt?
Das Potenzial in der Versicherungsbranche ist enorm, vor allem auf Kundenseite kann die Experience noch stark optimiert werden. Versicherungen sind und bleiben Push-Produkte und ein mühsames Thema für die Kunden. Dies bleibt auch in der digitalen Welt so. Wir akzeptieren diese grundlegende Charakteristik von Versicherungsprodukten, machen es aber dem Kunden so einfach und bequem wie möglich, diese im für ihn richtigen Zeitpunkt abzuschliessen. Dabei sind uns Transparenz und Fairness sehr wichtig. Der Kunde sollte verstehen, was er kauft. 

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Wem gehört das Startup, wer hält wesentliche Beteiligungen?
Bis zur Equity-Runde, der Seed-Finanzierungsrunde, die Anfang nächsten Jahres geplant ist, halten wir Gründer zu gleichen Anteilen die Beteiligung an Calingo. Nach der zweiten Runde (Seed-Runde) ist das Ziel, dass die Gründer weiterhin mehr als die Hälfte der Anteile halten.

Was ist Ihr persönlicher Background, kommen Sie aus der Versicherungsindustrie?
Mein Background ist Versicherung, ich habe in der Schweiz und in Italien in verschieden Funktionen und Abteilungen in der Versicherungsbranche gearbeitet, von CRM über Produktentwicklung bis zuletzt im Bereich Data & Analytics, wo ich eine Team- und Projektleitungsposition innehatte.

«Mir ist es ein grosses Anliegen, dass in Zukunft mehr Frauen ihre grossartigen Ideen und Visionen realisieren.»

Sind Frauen noch immer unterrepräsentiert in der Startup-Szene? Ihr Co-Founder ist ein Mann ...
In meinen Augen ist die Startup-Szene stark männerdominiert, aufseiten der Gründer sowie auf der Investorenseite. Für uns stellt ein diverses Team (nicht nur in Bezug auf Geschlecht, sondern auch in Bezug auf Hintergrund, Alter, Herkunft usw.) ein enormes Asset für eine Firma dar. Mir ist es ein grosses Anliegen, dass in Zukunft mehr Frauen ihre grossartigen Ideen und Visionen realisieren. Denn nicht nur die Unternehmen profitieren durch diverse Teams, auch für die persönliche Weiterentwicklung ist diese Aufgabe, so oft sie einen auch überfordert, unbezahlbar.

Spielt die Pandemie Ihnen als Online-Broker in die Hände? 
Für uns als reine Digital-Versicherung sind der derzeitige Trend der Digitalisierung und der Sprung, welcher durch die Pandemie diesbezüglich passierte, tatsächlich förderlich. Natürlich war es eine Herausforderung, auf Investorensuche zu gehen, gerade als der erste Lockdown anfing; solche Gespräche führt man gerne von Angesicht zu Angesicht. Umso stolzer bin ich, dass wir eine grosse Zahl unglaublich wertvoller Investoren von unserer Idee überzeugen und an Bord holen konnten. Und in der Zwischenzeit haben wir uns ja alle etwas an die Teams- und Zoom-Meetings gewöhnt.

Wie haben sich die Geschäfte nach ihrem Markteintritt vor wenigen Wochen entwickelt? Der Markt ist eigentlich ja schon gut besetzt …
Wir sind seit Montag, 23. August 2021, am Markt, zur Entwicklung können wir in den nächsten Wochen mehr sagen. Wir freuen uns auf das Feedback vom Markt, denn nur so können wir uns Schritt für Schritt dem Product-Maket-Fit annähern und den Versicherungsmarkt nachhaltig verändern.

«Mittelfristig ist eine Expansion in den DACH-Raum und weitere europäische Länder geplant.»

Welche Ziele haben Sie sich im Schweizer Markt gesetzt? 
Wir wollen in den nächsten fünf Jahren die grösste digitale Versicherung der Schweiz werden. Unser Ziel ist es, Versicherungen mit positiven Emotionen zu versehen und einen Versicherer aufzubauen, bei dem sich der Kunde gut aufgehoben fühlt und so wenig Aufwand wie möglich hat. Ausserdem liegen uns Umweltschutz und Social Responsibility enorm am Herzen und wir wollen dazu auch als Firma unseren Beitrag leisten – auf Papier verzichten wir als reiner Online-Versicherer ja schon. Unsere Ziele enden jedoch nicht in der Schweiz. Mittelfristig ist eine Expansion in den DACH-Raum und weitere europäische Länder geplant. 

Welche Marketingmassnahmen ergreifen Sie, um den Bekanntheitsgrad von Calingo zu steigern?
Einerseits wollen wir den Bekanntheitsgrad von Calingo im Markt erhöhen. Dafür werden wir unter anderem Online-Ads auf bekannten Immobilienportalen sowie auf Social Media schalten. Anderseits geht es für uns auch darum, weitere Vertriebspartner zu gewinnen. Und hier liegt dann bezüglich Marketingmassnahmen in der nächsten Zeit unser Hauptfokus. Dazu veröffentlichen wir Werbung, Blog-Beiträge und Artikel im Bereich Immobilien und Wohnen.

«Wir denken, dass das Alter heute nur noch eine Zahl ist und zu kurz greift, um eine Zielgruppe zu definieren.»

Der Internetauftritt von Calingo lässt vermuten, dass Sie eine eher jüngere Kundschaft anpeilen?
Wir denken, dass das Alter heute nur noch eine Zahl ist und zu kurz greift, um eine Zielgruppe zu definieren. Unsere Kundinnen und Kunden sind digitalaffine, neugierige Menschen, die gerne Produktneuheiten ausprobieren und vor allem lieber ihre Freizeit geniessen, statt sich mit Versicherungen auseinanderzusetzen und Papierpolicen abzulegen. Wir glauben, dies trifft auf Menschen jeglichen Alters zu.

Was soll der Name Calingo bedeuten?
Der Name hat keine Bedeutung, soll sich aber abgrenzen zu bekannten etablierten Versicherungsplayern, gut im Kopf bleiben sowie einen positiven Klang haben.

Sie vermitteln Versicherungen der Uniqa, deren Rechtssitz in Liechtenstein ist. Das dürfte bei Schweizer Kunden nicht unbedingt gut ankommen, heisst es doch, dass im Streitfall die dortigen Rechtsvorschriften zur Anwendung kämen. Sind sich die Schweizer Kunden darüber im Klaren oder werden sie entsprechend von Ihnen darauf hingewiesen?
Unsere Kunden werden beim Kauf selbstverständlich auf diese Situation hingewiesen, da wir als Versicherungsagent agieren und der Versicherungsvertrag mit Uniqa Liechtenstein abgeschlossen wird. Calingo übernimmt die ganze Kundenbetreuung, Schadenabwicklung sowie die Produktentwicklung. Da die FMA und die Finma sehr nah beieinanderliegen bezüglich Regulatorien, sind wir überzeugt, mit einer Lizenz, die in ganz Europa gültig ist, einen starken Risikoträger an der Seite zu haben, der in keinster Weise negative Auswirkungen auf unsere Kunden haben wird. Mit Swiss Re im Bunde haben wir zudem eine sehr stabile Grundlage, mit der wir sicherstellen, dass die Schadenzahlungen unserer Kunden jederzeit gesichert sind. Ausserdem sind wir Mitglied der Unabhängigen Ombudsstelle Schweiz (UOS), an die sich Kunden im Streitfall immer wenden können.

Wird Uniqa der einzige Vertragspartner bleiben?
Wir sind ein unabhängiger Managing General Agent (MGA) und können bei Bedarf mit weiteren Risikoträgern zusammenarbeiten. Auf unsere Unabhängigkeit legen wir grossen Wert, damit wir unsere Kundenzentriertheit jederzeit sicherstellen können.