An den amerikanischen Börsen herrschen Höchststände. Aber auch in der Schweiz fühlt sich der SMI in den letzten Tagen über der Rekordmarke von 10'000 zwischendurch ganz wohl.

Die lustvoll steigenden Börsenkurse stehen allerdings im Gegensatz zu einer wesentlichen wirtschaftlichen Grundlage des Aktienhandels, dass die Konjunktur im Gleichschritt mit der Börse anzieht. Allerdings: In Europa, China und Japan ist die Konjunkturleistung schwächer geworden.

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Ob auch die US-Wirtschaft lahmt, ist umstritten. Die Ankündigung einer erneuten geldpolitischen Lockerung durch die Notenbank Federal Reserve vor zwei Wochen wurde jedenfalls mit eingetrübten Konjunkturaussichten begründet.

«Megacap»-Aktien performen gut

Wie Analyst Andrew Lapthorne von der französischen Bank Société Générale sagte, erklärt sich dieser scheinbare Widerspruch, wenn man beispielsweise den MSCI World betrachtet. Dieser Index enthält 1700 Titel aus Europa, Nordamerika, Australien, traditionellen Industriestaaten in Asien sowie Israel. Darin würden nur die so genannten «Megacap»-Aktien wirklich stark performen.

Gemeint sind Firmen, deren Börsenwert bei mindestens 100 Milliarden Dollar liegt. Das sind im MSCI World Index nur 77 Firmen, die allerdings auch 23 Prozent der globalen Marktkapitalisierung ausmachen.

Die Liste der wichtigsten Aktien im MSCI World ist ein Who-is-Who der grössten Konzerne der Welt. Das am stärksten gewichtete Unternehmen ist Apple, gefolgt von MicrosoftAmazonFacebook und Johnson & Johnson. Auch der Nahrungsmittelkonzern Nestlé sowie die Basler Pharmariesen Novartis und Roche gehören zu den 77 grössten Firmen in diesem Index. Der Versicherer Zurich und die Grossbank UBS rangieren einige Plätze dahinter.

Börsenbarometer laufen gleich – wie lange noch? 

Die Performance kleinerer Unternehmen ist um einiges schwächer als jene der Weltkonzerne. Firmen, die unter 5 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung aufweisen, hätten immer noch Mühe am Aktienmarkt, schrieb Analyst Lapthorne seinem Researchbericht weiter, der vom Onlineportal MarketWatch.com zitiert wurde.

Lapthorne rechnet weiter vor: Wenn man bei insgesamt 11'000 kotierten Unternehmen mit weniger als einer Milliarde Dollar Börsenwert zwei gleich grosse Gruppen bilde, also den Median festlege, habe der schwächere Teil dieses Jahr zehn Prozent an Wert verloren.

Ein verzerrtes Bild

Das gute Abschneiden der Grossen vermittle ein falsches Bild, denn viele weniger grosse Unternehmen hätten Probleme, vor allem in den USA. Von dort wird berichtet, dass kleinere Unternehmen wegen steigender Material- und Arbeitskosten unter Margendruck stünden, während sich das Wachstum verlangsame. 

An den traditionellen Börsenbarometern gemessen ist das Bild indessen noch intakt. Der amerikanische Index S&P Small Cap 600 hat allerdings dieses Jahr um 15,5 Prozent zugelegt und liegt damit etwa gleichauf mit dem Schwergewichteindex Dow Jones. Am Schweizer Aktienmarkt ist die Lage vergleichbar: Der SMI hat um 19,4 Prozent zugelegt, während der SPI unter Ausklammerung von 30 Large Caps auf eine Performance seit Anfang Jahr von 18,2 Prozent kommt. Wenn, dann wird sich eine eingetrübte Konjunktur dort erst noch zeigen. 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei «cash.ch» unter dem Titel «Nur 77 Aktien befeuern die momentane Börsen-Hausse».

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