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Anleger setzen jetzt auf Kursgewinne an der Börse Moskau

Moskau
Bauboom in Moskau: Mit dem Index RTS liegt für Anleger einiges drin.Quelle: Keystone .

Der Rubel ist im Keller und der RTS hat seit Mai deutlich an Wert verloren. Jetzt sind in Moskau ganz schnell 10 Prozent Gewinn möglich.

Von Georg Pröbstl
am 22.06.2018

Das war ein fulminanter Auftakt. Im Eröffnungsspiel der Fussball-WM vor einer Woche besiegt die russische Nationalmannschaft die Gegner aus Saudi Arabien mit 5:0. Und obwohl die Russen in der Fussball-Rangliste derzeit nur den 70. Platz belegen und damit statistisch betrachtet die schlechteste Mannschaft des Turniers haben, fegten sie wenige Tage später auch noch die Elf Ägyptens mit einem 3:1 vom Platz. Damit ziehen die Russen erstmals in der Geschichte auch in ein Achtelfinale bei einer  Fussball-WM ein.

Weniger gut lief es zuletzt dagegen an der Börse Moskau. Zumindest auf den ersten Blick. Denn die Indices RTS und RTX, welche die derzeit 46 und 12 grössten Titel des russischen Aktienmarktes enthalten, zeigen in den letzten Wochen deutliche Kursverluste. Seit Mitte Mai haben sie jeweils knapp 10 Prozent an Wert verloren und seit dem Jahreshoch im Februar beträgt das Minus bereits je rund 15 Prozent.

Der Rubel fällt und reisst Aktien mit nach unten

Allerdings: RTS und RTX lauten auf Dollar und wenn Russlands Rubel zum Greenback schwächelt, dann fallen auch die beiden Börsenbarometer. Tatsächlich hat der Rubel seit Anfang Juni schon 3 Prozent zum Dollar verloren und seit Mitte Februar sind es sogar rund 12 Prozent.

Blendet man diese Entwicklung aus, zeigt sich ein ganz anderes Bild. So enthält der MOEX Russia Index zwar die gleichen Mitglieder wie der RTS, aber er ist in Rubel denominiert und in der heimischen Währung zeigt sich die Börse Moskau von ihrer starken Seite: Der MOEX Russia notiert derzeit bei 2255 Punkten und damit nur knapp unter seinem Allzeithoch von 2376 Indexzählern von Ende Februar. Seit Start im September 1997 ist der Index übrigens auf das 22fache explodiert.

Es gibt wieder Wirtschaftswachstum

Die Schwäche des RTS, der 60 Prozent unter seinem Allzeithoch aus 2008 notiert, ist damit insbesondere Folge eines schwachen Rubel. Seit 2014 lasten die Sanktionen gegen das Land wegen des Ukraine-Konflikts auf der Währung und auch der Preisverfall bei Rohöl war nicht besonders förderlich für die russische Devise.

Aber gab es infolge der Strafmassnahmen der westlichen Industrienationen in 2015 und 2016 und auch wegen des tiefen Ölpreises und der damit verbunden geringeren Staatseinnahmen noch eine Rezession im Riesenreich mit einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 2,5 und 0,2 Prozent, so wächst Russland seit 2017 wieder.

Im vergangenen Jahr konnte Präsident Wladimir Putin seinen Landsleuten ein Wachstumsplus von 1,6 Prozent melden. Für dieses Jahr wird von Ökonomen sogar eine leichte Beschleunigung auf 1,7 Prozent Wachstum erwartet.

Wichtigster Grund dafür ist die Renaissance von Rohöl. Hatte sich der Rohölpreis zwischen Mitte 2014 und Anfang 2016 fast geviertelt, so hat sich der Preis für schwarzes Gold seit den Tiefs schon wieder annähernd verdreifacht.

Der Ölpreis ist ein wichtiger Wachstumstreiber

Der Ölpreis ist nach wie vor hoch und ob es da eine schnelle Gegenbewegung nach unten geben wird, ist eher fraglich. Heute und morgen tagt die Opec in Wien. Und da geht es um die Fördermengen der Organisation der Ölexportierenden Länder und als wichtiges nicht Opec-Land sitzt auch Russland am Verhandlungstisch. Zwar wollen Saudi Arabien und Russland ihre Förderung möglicherweise ausbauen würden damit sogar einen Rückgang beim Ölpreis riskieren.

Aber Putin etwa hat wohl schon signalisiert, dass er mit einem Ölpreis von 60 Dollar je Barrel auch zufrieden sei. Immerhin würde ein tieferer Ölpreis auch der Fracking-Industrie in den USA das Leben etwas erschweren und damit könnte ein zu grosses Ölangebot aus den Staaten wie noch vor einigen Jahren abgemildert werden.

Die OPEC tagt und der Ölpreis dürfte hoch bleiben

Auf der anderen Seite ist die Ölversorgung aus Iran und Venezuela derzeit bedroht. USA könnten jetzt wieder eine Sanktionsspirale gegen Teheran in Gang setzen. Das würde Ölexporte von dort drosseln. Und in Venezuela ist die politische Lage mehr als gespannt und die Ölproduktion des südamerikanischen Staates bricht immer mehr zusammen. Experten halten es für möglich, dass Lieferabkommen wegen des schwierigen Umfelds aufgekündigt werden könnten. Das verknappt die Produktion und selbst eine Ausweitung der Förderung durch Russland und die Saudis würde wahrscheinlich keine Ölschwemme und ganz tiefe Preise bringen.

In der Summe bedeutet das für Russland: Wegen des wahrscheinlich nach wie vor relativ hohen Ölpreises dürften die Staatseinnahmen weiter sprudeln und der Wirtschaft im Land den Rücken stärken. Damit scheinen – zumindest auf Rubelbasis – an der Börse Moskau weitere Kursgewinne möglich.

Jetzt bröckelt auch noch die Sanktionsfront

Und der Rubel? Der schwächelt nach wie vor wegen der Sanktionen gegen Russland. Aber diese Front scheint zu bröckeln. Zwar verhängten die USA erst vor zwei Monaten weitere Strafmassnahmen gegen Russland wegen der vermuteten Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf 2016. Doch jetzt hatte US-Präsident Trump erst auf dem G7-Gipfel im kanadischen La Malbaie vor zwei Wochen dafür plädiert, die Russen wieder in die Gruppe – dann die alte G8 – aufzunehmen.

Zudem hat auch der neue italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte Anfang des Monats bei der Vorstellung seines Regierungsprogramms erläutert, dass er die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland will. Möglicherweise hat der Präsident nun sogar einen Trumpf in der Hand bei bevorstehenden Verhandlungen der EU wegen Migration und Flüchtlingen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ist eine entschiedene Befürworterin der Sanktionen gegen Russland und möglicherweise kann Conte aber im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsthema – das sich für Merkel zusehends zur politischen Überlebensfrage zu entwickeln scheint – einen Deal erzielen.

Kursphantasie für russische Aktien

Die jüngste Rubelschwäche seit März mit einem Anstieg des Dollars zum Rubel von 57 auf 64 könnte sich schnell umkehren. Immerhin hielt sich der Rubel fast das gesamte Jahr 2017 im Bereich eines 57er-Umtauschverhälnisses zum Greenback. Insgesamt betrachtet scheint derzeit eher ein Rubel-Tief erreicht zu sein als ein weiterer Verfall der Währung möglich. Allein darin steckt schöne Kursphantasie für den auf Dollar lautenden RTS-Index.

Dazu kommt: Der MOEX Russia läuft seit Januar in einer Trading-Range zwischen rund 2200 und 2350 Punkten und ist schon je zweimal von der unteren zur oberen Begrenzung hochgelaufen und dann wieder nach unten weggetaucht. Derzeit notiert der Index nicht weit über der unteren Begrenzung dieser Handelsspanne. Nimmt man die Charttechnik mit der relativ kurzfristigen Chance auf mögliche Kurssteigerungen von rund fünf Prozent und dann noch das Dollar-Potential des Rubel wieder in Richtung 57, dann bieten RTS und RTX schon auf Sicht von wenigen Monaten schöne Phantasie auf Kurssteigerungen von zehn bis 15 Prozent. Mit einem Tracker-Zertifikat auf den RTX (ISIN: CH0016144203, Laufzeit endlos) setzen Anleger genau auf dieses Szenario und profitieren von möglichen Kursgewinnen an der Börse Moskau und einem starken Rubel.

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