Das Szenario des Schreckens: Die Einigung über ein griechisches Hilfspaket scheitert endgültig und Griechenland scheidet aus dem Euro aus. Doch damit nicht genug, die Erschütterung der Gemeinschaftswährung ist so stark, dass das Vertrauen in den Erholungskurs anderer europäischer Sorgenkinder schwindet. Italien, Spanien und Portugal werden vom Strudel erfasst und geraten ebenfalls ins Wanken, die Griechenland-Krise weitet sich erneut zur Euro-Krise aus – so, wie es 2011 bereits geschah.

Solche Gedanken haben die Anleger am Montag offenbar bewegt: Die Rendite für zehnjährige Anleihen Spaniens stieg deutlich auf 2,72 Prozent nach 2,15 Prozent am Freitag. Für Italien kletterte sie auf 2,598 Prozent nach 2,11 Prozent. Der Juni wird Investoren lange in Erinnerung bleiben, fasst die Privatbank Bantleon in einer Analyse, die Renditen von Staatsanleihen schossen innerhalb weniger Tage in die Höhe.

«Renditeanstieg noch nicht zu Ende»

Die Entwicklung gilt nicht nur für Obligationen der vormaligen Krisenländer, auch deutsche Bundesanleihen rentierten deutlich höher. Treiber war hier nicht die Griechenland-Krise, sondern das ansteigende Wirtschaftswachstum. «Der Renditeanstieg in den vergangenen Wochen mag übertrieben sein, ist aber noch nicht zu Ende», äussert sich Bantleon-Chefökonom Harald Preissler.

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Das Problem: Steigen die Zinsen, wird es für die Länder teurer, sich zu refinanzieren. Das war für die Euro-Krisenländer lange ein Problem. Doch trotz der Zunahme im Juni und besonders in den letzten Tagen ist eine solche Entwicklung derzeit nicht zu befürchten. Denn zum einen prägten zuvor Rekordtiefstände den Handel mit Staatsanleihen. Für deutsche Zehn-Jahres-Bonds mussten Käufer zeitweise sogar zahlen, um dem Staat Geld zu leihen. Das galt auch für Schweizer Obligationen.

Der Schlüssel ist die EZB

Noch entscheidender sei aber die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank, einzugreifen, sagt Bantleon-Chefökonom Preissler. Die EZB sei der Schlüssel für die mittelfristige Entwicklung bei Obligationen. «Sie wird nicht zulassen, dass die Arbeit der vergangenen Jahre vergebens war. Darum würde sie bei anhaltender Tendenz einschreiten.» Die EZB sieht Topökonom Charles Wyplosz auch als Richter Griechenland, wie er im Interview mit «Handelszeitung.ch» erklärte.

Das bedeutet: Die Rendite von Bundesanleihen wird gemässigt zulegen. Bei italienischen und spanischen Obligationen rechnet Bantleon mit einer starken Einengung, die eine Explosion der Zinsen verhindert. Preissler sagt: «Am Niedrigzinsumfeld wird sich in überschaubarer Zukunft nichts ändern.»

Das gilt für gefragte Bonds wie Schweizer Anleihen sowieso: Die Rendite der zehnjährigen Referenzanleihen sank von 0,16 Prozent am Freitag auf 0,11 Prozent am Dienstag.