Ein amerikanischer Komiker hat die Politik seines Landes jüngst in einem schrägen Vergleich beschrieben: «Es ist, wie wenn ein entlaufenes Pferd in einem Spital steht», meinte John Mulaney. «Wahrscheinlich kommt das schon gut. Aber wir haben keine Ahnung, was als Nächstes passiert.»

Das Bild vom absurden Ross passt auch auf die wirtschaftliche Lage. Auch da ahnen wir: Irgendwas stimmt nicht. Irgendetwas ist anders. Aber irgendwie vertrauen wir einfach darauf, dass die Sache schon gut ausgeht.

Denn keine Erfahrung hilft uns weiter. Die Zinsen sind so tief im Keller wie noch nie in der Geschichte, ein Land wie die Schweiz kann auf Jahrzehnte hinaus zu Minuszinsen Geld aufnehmen. Die Schuldengebirge sind monströser denn je; die Aktienkurse ziehen seit zehn Jahren aufwärts. Und immer wenn man glaubte, dass jetzt dann die Rezession kommt, blieb sie doch aus. 

This time it's different. Im Ernst?

Jetzt auch? Bislang fanden die Experten noch immer Erklärungen für die sonderlichen Phänomene. Da wäre – je nach Perspektive – die Notenbankpolitik, da wäre China, da wäre der Effizienzgewinn durch die Digitalisierung. Oder da wäre die Globalisierung, welche dazu beiträgt, die Inflation unter Kontrolle zu halten. Doch je länger wir uns weiterhangeln mit einem Leitzins von minus 0,75 Prozent oder mit einem globalen Schuldenstand von knapp 200'000 Milliarden Franken, desto drängender wird die Frage, an welchem Punkt wir eigentlich stehen.

Entweder: «This time it’s different» – wir leben in einer New Economy. Oder aber etwas läuft dramatisch schief.

Was denken Sie? Glauben Sie wirklich, dass die Menschheit in den 2010er Jahren Regeln ausser Kraft gesetzt hat, die sich zurückverfolgen lassen bis zu König Hammurabi von Babylon?

Gewiss, es gab auch schon Phasen realer Negativzinsen, in der Schweiz zum Beispiel 1950, 1961 oder 1973. Aber die waren extrem kurz. Natürlich, es gab schon ausgedehnte Konjunkturperioden – so erlebt Australien seit 27 Jahren einen steten Aufschwung. Und immer neue Rekordverschuldungen sind genau besehen ein ganz logischer Nebeneffekt des Wachstums.

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Warren Buffett versus Ray Dalio

Dennoch: Der momentane Mix ist beispiellos. Was wiederum heisst, dass wir beispiellose Risiken befürchten müssen. Keiner kennt den Weg, auf dem wir zurückkehren werden zu einer Welt mit Zinsen, Inflation, nachhaltig bedienbaren Schulden, vielleicht auch einer etwas höheren Arbeitslosigkeit. Aber eine Prognose sei gewagt: Es wird nicht geschehen, ohne dass viele Gläubiger, Unternehmen, Hausbesitzer und Anlagespekulanten einen hohen Preis dafür bezahlen.

Was also tun? Wie sich wappnen?

Warren Buffett, das Investmentgenie, sagt: Kauft Aktien von soliden Unternehmen. Mit guten Aktien und viel Geduld konnte man noch jeden Weltkrieg, jede Depression und jeden Präsidenten überstehen. Allerdings hält er sich derzeit selber ziemlich zurück, da ihm die Märkte überreizt scheinen.

Ray Dalio, der Hedgefonds-Krösus, sagt: Kauft Gold. Die Kapitalschwemme der letzten Jahre habe alle anderen Anlageklassen sinnlos aufgeblasen. Und bei jeder Korrektur würden zwangsläufig Währungen verwässert, Gelder entwertet, Vermögen zerstört. Wenn das geschieht, funktioniere Gold ganz gut, um sich etwas zu bewahren. Das zeige die Geschichte.

Die Ratschläge der Gurus sind sehr widersprüchlich. Auch das zeigt, wie ausserordentlich die Lage geworden ist. Die Rezession, vor der sich mehr und mehr Menschen sorgen, wäre nur Teil einer schwierigen Rückkehr zur Normalität.

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