Vor zehn Jahren veröffentlichte ein unbekannter Autor unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto ein «White Paper» namens «Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System». Das war die Geburtsstunde der Kryptowährung. Die Idee war: Bitcoin sollte eine dezentrales Zahlungssystem werden, über das digitales Geld sicher und ohne Kontrolle durch staatliche Behörden oder Banken gehandelt werden kann. Direkt von Nutzer zu Nutzer also, ohne Intermediär.

Die ersten Schritte waren langsam. Bis Nakamoto den ersten Bitcoin schürfte, dauerte es noch ein paar Monate. Die Blockchain-Technologie ging im Januar 2009 live. Die erste Bitcoin-Börse eröffnete ein Jahr später, Anfang 2010. Ein Bitcoin war damals nur 6 Cent wert. Nochmal ein Jahr später war ein Bitcoin so viel wert wie ein Dollar. Langsam sprach sich die Idee herum, der Kurs nahm an Fahrt auf, Bitcoin und Krypto wurden das nächste heisse Ding.

Dann kam der Boom: 2017 überschlug sich der Bitcoin-Kurs, stieg innerhalb von drei Monaten von 3000 Dollar auf einen Wert von knapp 19'000 Dollar im Dezember. Nichts schien unmöglich, ein regelrechter Rausch entstand, Analysten überboten sich gegenseitig mit wahnwitzigen Prognosen von bis zu 100'000 Dollar für einen Bitcoin. 

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Seither ging es wieder bergab: Heute kostet ein Bitcoin 6566 Dollar. Investoren der ersten Stunde können sich daher glücklich schätzen, sie haben markante Gewinne erzielt. Wer allerdings Ende vergangenen Jahres einstieg, schaut in die Röhre. 

Kursentwicklung Bitcoin
Quelle: Finanzen.net

Anfang Jahr war Bitcoin in der Schweiz immer noch beliebt. Laut einer Umfrage des Vergleichsportals Comparis hatten 9 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer bereits Bitcoin oder andere Kryptowährungen gekauft. 11 Prozent wollten dieses Jahr investieren. Allerdings rechnen von denen, die noch nicht in Bitcoin und Co. investiert haben, nur wenige mit Kursgewinnen. Die grosse Mehrheit ist einfach neugierig: 92 Prozent wollen das Kryptogeld einmal ausprobieren.

Umfrage Bitcoin
Quelle: Statista
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Erfolg des Bitcoin ist umstritten

Doch hält der Bitcoin, was er versprach? Der als Satoshi Nakamoto bekannte Bitcoin-Erfinder wollte ein Zahlungssystem schaffen, das nicht der Kontrolle von Staaten und Zentralbanken unterliegt. Aus dem Digitalgeld sollte eine richtige Währung werden. Das ist auch nach zehn Jahren nicht der Fall

Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen akzeptieren nach wie vor wenige Händler Bitcoin als Zahlungsmittel. Die meisten gebrauchen die Digitalwährung als Anlagemöglichkeit – allerdings sind die Preise von Bitcoin und anderen Währungen stark volatil. Lucas Betschart, Präsident der Bitcoin Association Switzerland, sieht zwar einen positiven Trend: «Prozentual hat die Volatilität von Bitcoin wieder abgenommen. Vor allem kommt es darauf an, womit man es vergleicht. Viele Aktien sind auch sehr volatil.» Für Betschart ist Bitcoin vor allem eine Alternative zu staatlichem Geld – in einem Land wie der Schweiz mit einer stabilen Währung sei das nicht so relevant wie in Ländern mit grossen Währungsschwankungen etwa der Türkei, Argentinien, Venezuela oder Simbabwe. Für Anleger bedeuten die starken Kursschwankungen dennoch ein beachtliches Risiko, vor allem, weil bei Kryptowährungen anders als beim Aktienmarkt wenig kalkulierbar ist, ob die Langzeitentwicklung aufwärts zeigen wird.

Blockchain als die eigentliche Neuerung

Dass die Bitcoin-Idee just bei Ausbruch der globalen Finanzkrise startete, ist wohl eher ein Zufall, passt aber: Als Projekt von Technologie-Spezialisten, um Individuen zu stärken und zu schützen, die ein tiefes Misstrauen gegenüber Regierungen und grossen Unternehmen haben. Ziel war es, eine Währung für die Menschen und eine Alternative zum globalen Finanzsystem unabhängig von staatlichen Behörden und Banken zu schaffen. 

Für Adriano Lucatelli, Gründer und CEO von Descartes Finance, ist dieser Versuch missglückt: «Die Grundidee des Bitcoin war ein neues Zahlungssystem aus einem dezentralen Peer-to-Peer-Netzwerk zu bauen. Das ist eine schöne Idee, aber der Bitcoin hat nicht geliefert, was er versprochen hat, denn es finden kaum Zahlungen statt.»

Ein reines Spekulationsobjekt sei daraus geworden, das keine Vorteile für Anleger biete, sagt Lucatelli. Der Bitcoin-Kritiker der ersten Stunde bilanziert: Das Vertrauen in die neue Technologie müsse nach wie vor geschaffen werden, zudem sei Bitcoin zu langsam, die Handelsplätze zu unsicher und der Kryptotaler eben keine Fiat-Währung, das heisst als Währung nicht staatlich anerkannt wie Dollar, Euro oder Franken. Dennoch hat die Erfindung für ihn Potenzial: «Die Technologie hinter Bitcoin kann man durchaus als Erfolg bezeichnen: Die Blockchain hat andere Kryptowährungen wie Ethereum oder Ripple ermöglicht. Was sich durchsetzt, wird sich zeigen.» Er fällt ein deutliches Urteil: «Bitcoin hat in seiner jetzigen Form keinen Wert und wird daher nicht überleben. Anders sieht es mit der Blockchain-Technologie oder anderen dezentralen Zahlungssystemen aus.»

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«Leitwährung der Kryptowährungen»

Ganz anders sieht das Lucas Betschart: Der Bitcoin erfülle sehr wohl das, was er versprochen hat, nämlich ein vom Staat unabhängiges Zahlungssystem, über das jeder jedem Geld schicken könne. Allerdings sieht er noch viel Verbesserungspotenzial, vor allem was die Skalierbarkeit und die Benutzerfreundlichkeit für die Endnutzer angeht. «Der nächste Schritt ist die Einführung des Lightning-Netzwerks, an dem derzeit viele Start-ups arbeiten.» Überhaupt wachse die Szene sehr schnell.

Von allen Kryptowährungen habe Bitcoin mit Abstand am meisten Investoren, Start-ups, Softwareentwickler und Researchers. «Dank der grossen Verbreitung dient Bitcoin als Leitwährung der Kryptowährungen», sagt er. Und auch in Zukunft werden sich immer mehr Firmen dafür interessieren, ist er sich sicher –  wie die gerade gestartete erste Schweizer Krypto-Bank zeige. 

Zukunftschancen von Bitcoin und Co.

Wie sich Bitcoin in Zukunft weiter entwickeln wird, ist also schwer abzusehen.Trotz all der Probleme hat Bitcoin zweifelsohne eine grosse Wirkung entfaltet. Dafür spricht vor allem, dass in den vergangenen Jahren Tausende von Kryptowährungen entstanden sind – manche sind zwar schon wieder verschwunden, andere aber recht erfolgreich. Der bekannteste Bitcoin-Konkurrent ist Ethereum, dessen Kurs aktuell bei 224 Dollar liegt. 2015 gründete Vitalik Buterin die Ethereum-Stiftung mit Sitz in Zug. Einige dieser Digitalwährungen versprechen bessere technologische Lösungen als Bitcoin. Den Wert von Bitcoin hat jedoch bisher längst keine erreicht. Die nächsten zehn Jahre dürften also spannend werden.

Kryptowährungen
Quelle: Statista
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