Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der palästinensischen Gebiete ist 2016 leicht gestiegen. Doch die israelische Besatzung wirkt sich nach wie vor stark auf die palästinensische Wirtschaft aus. So ist jeder vierte Palästinenser arbeitslos.

Die Konsequenzen der israelischen Besatzung auf die Wirtschaftsleistung der palästinensischen Gebiete hätten sich verschärft, teilte die UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) am Dienstag in einem entsprechenden Bericht mit. Die Kapazitäten der palästinensischen Wirtschaft seien weiterhin am schrumpfen.

Der Anstieg des BIP von etwas mehr als 4 Prozent erklärt sich die UNCTAD vor allem mit der Binnennachfrage. Der private Konsum habe dabei gegenüber der Nachfrage der Administration an Gewicht gewonnen.

Enorme Arbeitslosigkeit

Im Westjordanland stieg das BIP um 3 Prozent, während es im Gazastreifen um fast 8 Prozent stieg. Dort betrug die Arbeitslosigkeit mit mehr als 40 Prozent aber deutlich mehr als der Durchschnitt in den palästinensischen Gebieten. Dieser liegt bei 26,9 Prozent und ist damit 2016 um 1 Prozentpunkt gestiegen.

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Würden jene Palästinenser, die in Israel arbeiten, nicht gezählt, wäre die Arbeitslosigkeit in den Palästinensergebieten noch höher: Sie läge bei 40 Prozent.

Bei den jungen Palästinensern liegt die Arbeitslosenquote bei 28 Prozent - im Gazastreifen ist sogar mehr als die Hälfte aller jungen Menschen arbeitslos gemeldet. Tatsächlich dürften aber noch viel mehr ohne Arbeit sein; 60 Prozent aller Jugendlichen werden nämlich nicht in der Statistik erfasst.

Besetzung lähmt Wirtschaft

In allen Branchen sei die Wirtschaft gelähmt von der seit rund 50 Jahren andauernden israelischen Besetzung, schreibt die UNCTAD in ihrem Bericht. Die landwirtschaftliche Produktion sei 2016 um mehr als 10 Prozent gesunken; der Anteil am BIP sei von 3,5 Prozent auf 2,9 Prozent zurückgegangen.

Zu schaffen macht den Palästinensern auch, dass Geldgeber ihre Hilfe für die Region in zwei Jahren um rund 40 Prozent zurückgefahren haben.

Der israelische Staat hat zwar 300 Millionen Dollar an die palästinensischen Autonomiebehörden gezahlt und damit einen Teil der verlorenen Steuereinnahmen zurückerstattet. Die UNCTAD ruft aber dazu auf, einen Mechanismus zu etablieren, um zu verhindern, dass öffentliche Einnahmen für die Palästinensergebiete nach Israel abfliessen.

(sda/gku)