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Welthandel
China verliert als Wachstumsmotor an Bedeutung

CHINA ECONOMY

Textilarbeiterin in China: Niedrigverdiener leiden unter dem Handelsstreit.

Quelle: Keystone

Chinas Industriedaten lagen im April weit unter den Erwartungen. Das nährt Spekulationen über staatliche Konjunkturhilfen.

Veröffentlicht am 15.05.2019

Die vom Zollkonflikt mit den USA geschwächte Industrie Chinas hat im April weniger produziert als erwartet. Die Produktion wuchs um 5,4 Prozent, wie die Statistikbehörde am Mittwoch mitteilte. Experten hatten jedoch ein Plus von 6,5 Prozent auf dem Zettel - nach einem überraschend starken Wachstum von 8,5 Prozent im März. Auch die Einzelhandelsumsätze stiegen im vergangenen Monat mit 7,2 Prozent nicht so deutlich wie erwartet. Im März hatte der Zuwachs noch 8,7 Prozent betragen. Die Daten schüren Erwartungen, dass die Regierung in Peking angesichts des sich zuspitzenden Handelsstreits mit den USA wohl nicht um weitere Schritte zur Ankurbelung der Wirtschaft herumkommt.

«China könnte mit Steuersenkungen oder gezielten Beihilfen für die Mittelschicht und Niedrigverdiener reagieren», sagte Ökonom Nie Wen von Finanzhaus Hwabao Trust. Denn die schwächeren Einzelhandelszahlen liessen sich zumindest zum Teil darauf zurückführen, dass diese Bevölkerungsgruppen zuletzt mit Einkommenseinbussen und einer Eintrübung auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert gewesen seien.

Langsamstes Wachstum seit rund drei Jahrzehnten

Nach Ansicht des deutschen Wirtschaftsweisen Lars Feld sind die Wachstumsaussichten der Volksrepublik getrübt. «China ist in den vergangenen Jahren ein wesentlicher Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft gewesen und wird diese Funktion derzeit nicht wahrnehmen können, unter anderem wegen des Handelskonflikts», sagte der Freiburger Forscher im Deutschlandfunk.

Die Regierung in Peking strebt für 2019 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 6,0 bis 6,5 Prozent an. Was für die meisten Industriestaaten ein traumhafter Wert wäre, markiert für China das langsamste Wachstum seit rund drei Jahrzehnten. Der Zollkonflikt mit den USA schlägt bereits auf die Konjunktur durch.

Neue Zölle auf chinesische Importe

Die USA und China überziehen sich gegenseitig mit Zöllen, so dass sich der Handelskonflikt immer weiter hochschaukelt. Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump neue Zölle auf chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar verhängt. Er lässt angesichts der stockenden Verhandlungen zudem höhere Abgaben auf alle übrigen Einfuhren aus der Volksrepublik vorbereiten. Dabei geht es um Waren im Wert von etwa 300 Milliarden Dollar. China konterte am Montag und kündigte an, ab Juni zusätzliche Abgaben auf US-Waren im Volumen von 60 Milliarden Dollar zu erheben.

(reuters/gku)

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