Während Europa und den USA die Arbeitskräfte fehlen, hat China ganz andere Sorgen. Die Arbeitslosigkeit ist höher als vor der Pandemie und liegt bei 5,3 Prozent. Besonders dramatisch ist die Situation bei den Jungen. Die Jugendarbeitslosenquote ist seit 2018 von 10 auf ein Rekordhoch von 21,7 Prozent gestiegen.

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Das heisst: Mehr als jede fünfte Person im Alter zwischen 16 und 24 Jahren ist arbeitslos. Das ist ähnlich hoch wie in Ländern wie Italien oder Griechenland, wo die Eingliederung der Jungen in den Arbeitsmarkt seit längerem nicht gut funktioniert und die Jugendarbeitslosenquote nach der Euro-Schuldenkrise zeitweise 40 Prozent und mehr betrug.

Bisher spielte die Regierung in Peking das Problem herunter. Sie ermahnt die gut ausgebildeten Jobsuchenden, die Ansprüche herunterzufahren. «Esst Bitterkeit», waren die Worte von Premier Xi Jinping.

Daten werden nicht mehr publiziert 

Doch nun scheinen die schlechten Zahlen den Verantwortlichen doch zu unangenehm zu werden. Mit der Begründung, man wolle die Arbeitskräfteerhebung weiter verbessern und optimieren, hat Peking die Publikation der Arbeitslosenzahlen nach Altersstufen per sofort eingestellt.

Gewiss gibt es bei solchen Statistiken viel Spielraum bei der Definition, und Vergleiche mit anderen Ländern sind mit Vorsicht zu geniessen. Die Kernaussage aber bleibt die gleiche: In China ist die Arbeitlosenquote in den letzten Jahren kräftig gestiegen, während sich die Lage in den von der Euro-Schuldenkrise 2011/12 gezeichneten Ländern im Süden der Währungsunion deutlich aufgehellt hat.

Wirtschaftsflaute erschwert Eingliederung

Doch für das Reich der Mitte sei eine hohe Jugendarbeitslosigkeit eine noch grössere Herausforderung als für Südeuropa, finden die Experten von BCA Research, einem Anbieter für Anlageforschung und Marktanalysen. 

Erstens hätten die Jugendlichen in China kein Ventil und könnten ihren Frust weder an der Urne noch auf der Strasse bei Demonstrationen abreagieren. Und während Italien und Griechenland Teil der EU sind und die Jungen ihre Chancen in boomenden EU-Ländern mit ausgetrockneten Arbeitsmärkten versuchen könnten, bestünden angesichts der Wirtschaftsflaute in China erhebliche Zweifel, ob die grossen chinesischen Städte weiter so stark wachsen und die riesigen Mengen an Schul- und Universitätsabsolventen absorbieren können.

Indem man aber einfach die Zahlen gar nicht mehr publiziert, ist das Problem der Jugendarbeitslosigkeit sicher nicht gelöst.

 

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rop
Peter Rohnerist Chefökonom der Handelszeitung.Mehr erfahren