Die deutsche Industrie verzeichnete im März den dritten Monat in Folge mehr Aufträge. Die Bestellungen wuchsen vor allem wegen der stark verbesserten Inlandsnachfrage um 3,0 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg von 1,7 Prozent gerechnet. Im Februar hatte es ein Plus von 1,4 Prozent gegeben. Gemessen am Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie, liegen die Bestellungen nun um 9,1 Prozent höher.

Die Aufträge aus dem Inland legten diesmal um 4,9 Prozent zu. Das Auslandsgeschäft wuchs um 1,6 Prozent. Dabei nahmen die Bestellungen aus der Euro-Zone um 0,7 Prozent zu, während die aus dem restlichen Ausland um 2,2 Prozent. Gefragt waren beispielsweise Investitionsgüter wie Maschinen und Fahrzeuge: Hier zog die Nachfrage um insgesamt 2,5 Prozent an, die nach Konsumgütern sogar um 8,5 Prozent. Hersteller von Vorleistungen meldeten ein Plus von 2,8 Prozent.

6 Prozent Wachstum in diesem Jahr

Die exportabhängige deutsche Industrie kann in den kommenden Monaten von der Erholung des Welthandels von der Corona-Krise profitieren. Nach dem historischen Einbruch 2020 dürfte die Weltwirtschaft dieses Jahr um 6,0 Prozent zulegen und damit so stark wie seit 1976 nicht mehr, sagt der Internationale Währungsfonds (IWF) voraus. Treiber sollen die beiden wichtigsten Abnehmer von Waren «Made in Germany» sein: die USA und China.

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So reagieren die Experten auf das Auftragsplus:

«Die Nachfrage nach deutschen Industriegütern ist ungebrochen. Dieses Mal haben allerdings auch Grossaufträge kräftig mitgeholfen. Erfreulich ist auch der höhere Auftragseingang aus dem Inland. Es bleibt aber das Dilemma, dass Aufträge schneller verteilt als abgearbeitet werden. Produktion wird dadurch nicht verhindert, eine beständig höhere Dynamik allerdings schon. Dies zeigt sich auch an den Lieferengpässen bei Autobauern und deren angekündigten Produktionskürzungen. Da die Kontrolle über die Corona-Pandemie so rasch nicht gewonnen werden dürfte, bleibt es produktionsseitig trotz voller Auftragsbücher vorerst ruckelig», sagt Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.

«Erfreuliche gesamtwirtschaftliche Erholung»

«Das sind die inzwischen wieder gewohnt guten Zahlen aus der Industrie. Besonders erfreulich, dass die Zuwachs aus dem Inland überdurchschnittlich war. Gesamtwirtschaftlich waren Aufträge indes zuletzt gar nicht so sehr das Problem. Viel mehr kam die Produktion nicht nach. Vor dem Hintergrund der zuletzt zunehmenden Diskussionen über eine mögliche Überhitzung der US-Konjunktur und damit verbundene Inflationsrisiken sind diese Zahlen also durchaus ambivalent. Bald werden wir vielleicht sogar schon sagen: Weniger wäre mehr. Aber noch verbuchen wir die Daten auf der Habenseite», schätzt Jens-Oliver Niklasch von der LBBW.

Thomas Gitzel von der VP Bank meint: «Der fortgesetzt gute Trend bei den Auftragseingängen legt das Fundament für eine erfreuliche gesamtwirtschaftliche Erholung. Der Materialmangel bremst zwar vorerst die Produktion aus, doch sind die Materialien erst einmal wieder in ausreichender Menge verfügbar, werden kräftige Nachholeffekte zu verzeichnen sein. Einzelne Firmen schicken Mitarbeiter aufgrund von fehlenden Teilen und Zubehör derzeit in Kurzarbeit. Ist der Materialmangel behoben, dürften Sonderschichten fällig werden, um den Auftragsrückstand abzuarbeiten. Der Aufschwung wird nach Beendigung des Mangels umso stärker sein. Das deutsche BIP ist also auf ein kräftiges Wachstum programmiert.»

(awp/reuters/mlo)

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