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Duell
Schweiz gegen Frankreich: Der Wirtschaftsvergleich

Zum Abschluss der Vorrunde trifft die Schweiz auf Gastgeber Frankreich. Wir lassen die Länder vor dem Spiel in der Wirtschaft gegeneinander antreten. Kann der Gruppenleader auch hier überzeugen?

Von Gabriel Knupfer
am 17.06.2016

Die Franzosen stehen dank zwei Last-Minute-Siegen schon vor dem letzten Spieltag in der nächsten Runde. Auch für die Schweiz sieht es bezüglich Achtelfinals gut aus. Mit drei Punkten gegen Frankreich wäre man sogar Gruppensieger. Doch das wird ein hartes Stück Arbeit.

Wirtschaftlich schreibt Frankreich seit Jahren Negativschlagzeilen. La Grande Nation steckt in einer tiefen Krise. Dennoch gehört das Land zu den grössten Volkswirtschaften der Welt. Man darf also gespannt sein, wie sich die Franzosen in unserem Vergleich mit der Schweiz schlagen werden.

Bruttoinlandprodukt pro Kopf
Frankreich gehört nicht zu den reichsten Ländern der EU. Im IWF-Ranking 2015 kommen die Franzosen mit einem Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf von etwa 40'000 Franken nur auf den 20. Platz. Das ist halb so viel wie in der Schweiz und auch schlechter als die EU-Schwergewichte Grossbritannien und Deutschland.
Fazit: Tor zum 1:0 für die Schweiz

Wirtschaftswachstum
Die französische Wirtschaft ist zuletzt nur unbefriedigend gewachsen. Die 1,14 Prozent im letzten Jahr waren der beste Wert seit 2011. Ob es nun weiter aufwärts geht, ist umstritten. Experten sind sich aber einig, dass die Veranstalterrolle bei der Europameisterschaft kein nachhaltiges Wachstum bringen wird. Weil die Schweizer Wirtschaft infolge des Frankenschocks ein schwaches 2015 einzog und nur 0,9 Prozent zulegte, geht der Punkt dennoch an Frankreich.
Fazit: Tor zum 1:1 für Frankreich

Wirtschaftliche Ungleichheit
In beiden Ländern ist die wirtschaftliche Ungleichheit relativ gering. Geht man nach dem international anerkannten Gini-Koeffizienten, steht die Schweiz aber besser da als Frankreich. Das zeigt ein Vergleich der Weltbank aus dem Jahr 2012. Auch das World-Factbook der CIA sieht die Schweiz vorne. Die Zahlen decken sich gut mit der subjektiven Wahrnehmung. So ist die Armut in Frankreich vor allem in den Banlieues der Grosstädte viel offensichtlicher als in der Schweiz.
Fazit: Tor zum 2:1 für die Schweiz

Demografie
In allen Ländern Mitteleuropas ist die Überalterung ein Problem. Im zweit-bevölkerungsreichsten Land der EU ist die Situation unter dem Strich ähnlich wie in der Schweiz. Rund 19 Prozent der Einwohner sind älter als 65 Jahre (Schweiz gut 17 Prozent). Dafür lag das Medianalter 2014 bei 41 Jahren, ein Jahr jünger als in der Schweiz. Und die Geburtenrate ist eine der höchsten Europas, auch wenn sie zuletzt stark abgenommen hat.
Fazit: Keine Tore

Arbeitslosigkeit
Die Arbeitslosigkeit in Frankreich ist vergleichsweise hoch. Im ersten Quartal 2016 lag sie bei knapp 10 Prozent. Besonders beunruhigend ist die Jugendarbeitslosigkeit von über 23 Prozent (Stand: April 2016). Die Schweiz dagegen kämpft zwar mit einer erhöhten Arbeitslosigkeit infolge der Frankenstärke. Trotzdem reicht es zum klaren Sieg in dieser Kategorie. Das Seco gab im März die – leicht anders berechnete – Schweizer Arbeitslosenquote mit 3,6 Prozent an.
Fazit: Tor zum 3:1 für die Schweiz

Happiness
Der World Happiness Report der Uno misst anhand von wirtschaftlichen und sozialen Faktoren, wie glücklich die Bevölkerung eines Landes sein kann. Zwar geht es Frankreich zur Zeit wirklich nicht besonders gut. Dass das Land aber nur auf dem 32. Platz landet, ist dennoch eine negative Überraschung. Die Schweiz muss sich in diesem Ranking aber ohnehin keine Sorgen machen. Nur Dänemark ist im diesjährigen Bericht besser klassiert – und die Dänen sind an der Euro nicht dabei.
Fazit: Tor zum 4:1 für die Schweiz

Internetnutzer
In Frankreich nutzten Ende 2014 etwa 84 Prozent der Bevölkerung das Internet. In der Schweiz gingen zur gleichen Zeit über 87 Prozent online. Zwar lag die Schweiz damit knapp vorne. Trotzdem ist die Zahl von 55 Millionen französischen Internetnutzern eindrücklich. 32 Millionen von ihnen nutzen zudem Facebook.
Tor zum 5:1 für die Schweiz

Marktwert der Fussballspieler
Laut Transfermarkt ist die Sache mehr als klar. Das Schweizer EM-Kader ist 175 Millionen Euro wert. Die 23 EM-Spieler der Franzosen würden dagegen 487 Millionen Euro kosten. Teuerster Spieler ist Paul Pogba von Juventus Turin. Der 23-jährige Mittelfeldspieler ist 70 Millionen Euro wert – mehr als die gesamten Kader der bisherigen Schweiz-Gegner Rumänien und Albanien.
Tor zum 5:2 für Frankreich

Nach unserem Vergleich müsste die Schweiz heute gewinnen. Tatsächlich endete das letzte Spiel der beiden Nationen an der WM in Brasilien mit 5:2 – allerdings für Frankreich. «Elf Petits Suisses werden vom französischen Hochgeschwindigkeits-Zug TGV überfahren», schrieb damals der «Blick».

In bisher 37 Länderspielen konnte die Schweiz 12 Mal gegen Frankreich gewinnen. Den Erfolgen stehen 16 Niederlagen und 9 Unentschieden gegenüber. Das ist keine schlechte Bilanz gegen einen ehemaligen Welt- und Europameister.

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