Die Weltwirtschaft wird sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds schneller von der Coronavirus-Krise erholen als noch im Januar gedacht. Der IWF erhöhte zu Beginn seiner Frühjahrestagung die Prognosen für die Weltwirtschaft. Konkret dürfte das globale Wachstum dieses Jahr um 6 Prozent erreichen – und 2022 noch 4,4 Prozent. Das sind 0,5 beziehungsweise 0,2 Prozentpunkte mehr als noch im Januar erwartet.

Der Schub kommt laut dem neuen «Outlook» vor allem aus den USA (+6,4 Prozent) und China. Auch die Schätzungen für Europa wurden nach oben gesetzt, allerdings nur leicht. Das Impfen sei der Weg aus der Krise, sagte IWF-Chefökonomin Gita Gopinath. Eine noch stärkere Erholung sei bei schnelleren Fortschritten denkbar – allerdings auch eine längere Krise, sollten sich Virusvarianten herausbilden, gegen die die Vakzine nicht wirkten.

95 Millionen Menschen rutschten in extreme Armut

Im neuen Report warnt der Währungsfonds vor einer verschärften Spaltung zwischen armen und reichen Ländern. Grundsätzlich hätten ärmere Länder weniger Impfstoffe und könnten auch der Wirtschaft nur begrenzt Hilfen zur Verfügung stellen, so Gopinath. Auf internationaler Ebene gehe es deswegen nun vor allem um eine faire Verteilung der Impfstoffe. «Während einige Länder bis zum Sommer grosse Teile der Bevölkerung geimpft haben werden, werden die meisten, vor allem arme Länder, wahrscheinlich bis Ende 2022 warten müssen.»

Auch die wirtschaftliche Spaltung sei deswegen gross. China dürfte 2021 um 8,4 Prozent wachsen und 2022 noch einmal um 5,6 Prozent, erwartet der IWF. Die Volksrepublik habe bereits 2020 das Vorkrisenniveau wieder erreicht, in den USA werde dies im ersten Halbjahr 2021 gelingen, in vielen anderen Staaten aber nicht vor 2023.

Gegenüber Schätzungen vor der Krise dürften vergangenes Jahr 95 Millionen Menschen zusätzlich unter die Schwelle für extreme Armut gerutscht sein. Der jahrzehntelange Trend hin zu weniger Armut sei damit wieder gestoppt worden.

16'000'000'000'000 Dollar Staatshilfen

Der IWF betont die Bedeutung der staatlichen Hilfen bei den Lockdowns: 2020 hätte der Konjunktureinbruch in etwa drei Mal so heftig ausfallen können, so die Berechnungen. Wegen Staatsgeldern in Höhe von etwa 16 Billionen Dollar dürften die Wunden nicht so schlimm sein wie nach der globalen Finanzkrise von 2008.

Aber das gelte allerdings nicht für jedes Land. Die Ungleichheit nehme zu. Besonders negativ seien davon Frauen, Junge und Menschen mit geringer Bildung betroffen.

Mittelfristig rechnet der IWF mit einem moderaten Wachstum der Weltwirtschaft von 3,3 Prozent. Für Deutschland rechnet der IWF 2021 mit einem Wachstum von 3,6 Prozent und 2022 dann von 3,4 Prozent. Das sind 0,1 beziehungsweise 0,3 Punkte mehr als noch im Januar vorausgesagt. 

Reuters» – rap)