Die Schweizer Wirtschaft werde sich von der Covid-Krise rascher erholen als erwartet, sagen die Ökonomen der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (Kof). Dementsprechend hat sie ihre BIP-Prognose deutlich auf 3 Prozent angehoben.

Noch leidet die Wirtschaft zwar unter dem Lockdown, doch die zweite Pandemiewelle wirkt sich weniger heftig aus als die erste. 

Erst vor einem Monat hatte die Kof noch rund 2 Prozent Wirtschaftswachstum prognostiziert – damals rechneten die Experten offenbar noch mit weitaus schwerwiegenderen Folgen des Lockdowns. Nun sind sie zuversichtlich, dass das Niveau von vor der Krise bereits im Herbst erreicht werden kann.

Dafür sorgen vor allem die Industrie und gewisse Dienstleistungsbrachen. Auch eine starke Erholung des Konsums ab dem zweiten Quartal wird erwartet. Werden die Corona-Massnahmen einmal zurückgefahren, werden auch Unternehmen wieder investieren und die Wirtschaft ankurbeln.

Positivszenario: Erholung ab April

Bei aller Zuversicht weist die Kof dennoch auf die hohe Unsicherheit angesichts des Verlaufs der Pandemie sowie der Impfungen. Entsprechend malen die Ökonomen zwei Szenarien: 

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Läuft alles gut, werden die Corona-Einschränkungen ab Mitte April gelockert. In diesem Szenario käme es den Experten zufolge zu einer raschen Erholung wie im Sommer 2020. Konkret bedeute das für die hiesige Wirtschaft 900 Millionen Franken an zusätzlicher Wertschöpfung. 

Je schneller der Corona-Impfstoff produziert und verteilt werden kann, desto schneller wird sich die Wirtschaft erholen. Nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit – was sich wiederum auch hierzulande stark bemerkbar machen wird. Denn Industrie und Aussenhandel können nur mit einer starken Nachfrage aus dem Ausland zulegen.

Negativszenario: 2,2 Milliarden Verlust

Auch das Gegenszenario ist möglich, nämlich dass es zu weiteren Lockdowns kommt, weil zu früh gelockert wurde und beispielsweise im Juni wieder starke Einschränkungen erforderlich werden, weil die Infektionszahlen wieder steigen. Eine solche «Jo-Jo-Welt», wie sie Kof-Direktor Jan-Egbert Sturm nennt, würde die Schweizer Wirtschaft 2,2 Milliarden Franken kosten. 

Kommt es zu einem solchen Negativszenario mit stark ansteigenden Infektionen, könnte das BIP im Gesamtjahr 2021 dennoch um 2,7 Prozent wachsen.

Ein noch grösseres Risiko seien neue Virusvarianten, die noch ansteckender seien als die bisher bekannten, so die Kof. Auf der anderen Seite könnte sich die Lage bei einer schnelleren und effizienteren Produktion und Verteilung des Impfstoffes laut den Ökonomen noch rascher aufhellen.

(mlo)