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Wachstum
Die zwei grössten Probleme der Schweiz – laut OECD

Luzern: Die Schweizer Wirtschaft kam Anfang 2016 kaum vom Fleck. Keystone

Die Schweizer Wirtschaft kommt Anfang 2016 kaum vom Fleck. Nach Ansicht der Industrieländerorganisation ist das jedoch nicht die grösste Herausforderung. Die Probleme liegen tiefer.

Von Mathias Ohanian
am 02.06.2016

Die Schweizer Wirtschaft ist zu Jahresstart kaum vom Fleck gekommen. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) legte in den ersten drei Monaten von Januar bis März gerade mal um 0,1 Prozent zu. Der Lagerabbau und die schwachen Investitionen deuten darauf hin, dass vor allem die Unternehmen weiterhin sehr vorsichtig agieren, analysierte Martin Eichler, Chefökonom des Researchhauses Bak Basel.

Und doch ist das schwache BIP-Wachstum offenbar nicht das grösste Problem der Schweizer Wirtschaft. Zumindest, wenn es nach der Analyse der OECD geht. Zweimal im Jahr ergründet die Industrieländerorganisation die wichtigsten wirtschaftlichen Trends ihrer 34 Mitgliedsländer. Für die Schweiz gibt sie in ihrer heute publizierten Ausgabe eine leicht positive Prognose ab – betont dabei jedoch vor allem zwei Missstände.

Langsames Produktivitätswachstum «besorgniserregend»

Zwar sei die Arbeitsproduktivität in der Schweiz vergleichsweise hoch, schreiben die Forscher. «Die Verlangsamung des Produktivitätswachstums während der letzten Jahre ist jedoch besorgniserregend.» Um die Situation zu verbessern, empfiehlt die Pariser Organisation eine Stärkung des Wettbewerbs, namentlich in den Bereichen Energie und Telekommunikation. Zudem solle Bern die Direktzahlungen an die Bauern senken.

Auch würde die Wirtschaft profitieren, wenn die Schweizerinnen und Schweizer Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren könnten. Durch geringere Kinderbetreuungskosten und eine reformierte Besteuerung von Zweitverdienern etwa: Dann könnten gemäss OECD Menschen leichter einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen. «Die Wachstumssaussichten würden sich auch verbessern, wenn mehr Frauen, die derzeit häufig in Teilzeit arbeiten, voll am Arbeitsmarkt und am Erwerbsleben teilnähmen.»

«Die Hypothekenschulden sind sehr gross»

Neben der schwachen Arbeitsproduktivität scheint man bei der OECD vor allem auch die Lage am Schweizer Immobilienmarkt mit Argwohn zu betrachten. «Die Hypothekenschulden sind sehr gross», schreiben die Analysten. Mittlerweile erreicht der Umfang der Kredite rund 120 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung – das ist mit Abstand der höchste Wert aller 34 OECD-Länder.

In Ländern wie Australien und Dänemark, wo der Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren ebenfalls heiss gelaufen ist, erreichen die Immobilienkredite lediglich das Niveau des Bruttoinlandprodukts. Selbst wenn die Kreditkosten auf absehbare Zeit sehr niedrig bleiben, sieht die OECD Handlungsbedarf – die sogenannten makroprudenziellen Massnahmen müssten unter Umständen verstärkt werden. «In Bezug auf den Wohnimmobilienmarkt ist weiterhin Wachsamkreit geboten.»

2017 könnte Schweizer BIP wieder kräftiger wachsen

Grundsätzlich zeichnen die Forscher jedoch kein allzu schlechtes Bild der Schweizer Wirtschaft: Nach einem schwachen Jahr 2015 seien nun die Zeichen einer Wachstumsbelebung zu erkennen. Die Binnennachfrage werde durch steigende Reallöhne und die negativen Zinsen angekurbelt. Trotz der Lage am Häusermarkt gibt es Lob für die Politik der Nationalbank: Der Kurs der Geldpolitik sei angemessen angesichts der heute noch negativen Inflation und des mittelfristigen Ziels, eine Frankenaufwertung zu verhindern.

So könnte die Schweizer Wirtschaft in diesem Jahr um 1,2 Prozent wachsen, bevor sie 2017 um 1,7 zulegen dürfte – dies wäre wieder fast so viel wie in den Jahren vor der Frankenaufwertung Anfang 2015.

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