O’zapft is! Hiess es vorletzten Sonntag wieder. Mit diesem Ausruf wird traditionell das Münchner Oktoberfest durch den Oberbürgermeister eröffnet. Etwas getrübt wird die feuchtfröhliche Wiesn-Stimmung dieses Jahr durch die hohen Bierpreise. Laut Fest-Website beträgt der offizielle Bierpreis dieses Jahr zwischen 12,60 und 14,90 Euro für die Mass beziehungsweise einen Liter. Das sind durchschnittlich 6,1 Prozent mehr als letztes Jahr.

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Damit kostet das Bier auf der Wiesn ein Viertel mehr als vor der Pandemie. Seit 2006 hat sich der Mass-Preis verdoppelt.

Löhne halten nicht Schritt

Das Wiesn-Bier ist teurer geworden, aber die Deutschen verdienen auch deutlich mehr als früher. Zuletzt betrug die durchschnittliche Lohnsteigerung über 6 Prozent. Aber über längere Zeit betrachtet könnten die Löhne bei weitem nicht mit dem Bierpreis mithalten. 

Aus Schweizer Perspektive relativiert sich das Bild der happigen Oktoberfestpreise etwas, weil sich der Franken in den letzten zwanzig Jahren kräftig aufgewertet hat. In Franken haben sich die Wiesn-Bierpreise seit 1999 deshalb «nur» um 50 Prozent erhöht.

Preissteigerung in Euro

Noch etwas günstiger sieht die Entwicklung aus, wenn man seine Wiesn-Bierkasse mit Goldvreneli gefüttert hat. Das zeigt die heutige Grafik mit der Gold-Wiesn-Bier-Ratio, dem Verhältnis von Gold- und Bierpreis.

Mit fünf 20-Franken-Goldvreneli, das entspricht etwa einer Feinunze mit einem Wert von 1780 Euro, kann man auf der Wiesn immer noch 119 Mass Bier kaufen. Das ist zwar eins weniger als letztes Jahr, aber reicht immer noch für eine grosse Runde.

Und vor allem ist es deutlich mehr als im Durchschnitt der letzten siebzig Jahre, der knapp unter 90 Mass liegt. Nur Anfang der Achtzigerjahre war Bier aus Goldwarte wesentlich billiger, als sich der Goldpreis wegen der Inflation und geopolitischer Krisen vervielfacht hatte.

So veranschaulicht das Gold-Wiesn-Bier-Ratio, wie Gold – auch wenn dessen Preis enorm schwankt – über lange Zeit betrachtet seine Kaufkraft bewahrt.

rop
Peter Rohnerist Chefökonom der Handelszeitung.Mehr erfahren