Die Signale hätten sich verschlechtert, insbesondere aus dem Ausland kommen Warnsignale: Deshalb erwartet das Institut Kof, dass die Schweizer Wirtschaft im kommenden Jahr nur noch um 1,9 Prozent wachsen wird und im Jahr 2021 noch um 1,5 Prozent. Die Frühjahrs-Prognose wurde damit etwas nach unten revidiert. Als Gründe nennen die ETH-Prognostiker

  • die schwächere Konjunktur im Euroraum;
  • den schrumpfenden Welthandel
  • den Handelsstreit zwischen den USA und China;
  • das Risiko von protektionistische Massnahmen der USA gegen die EU.

Akut sei dabei insbesondere die Gefahr, dass die Regierung Trump Zölle auf europäische Automobile erhebt – wovon auch helvetische Zulieferer betroffen sein könnten. 

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Insgesamt müsse sich die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie auf weitere Rückgänge gefasst machen – schliesslich fällt der Bestellungseingang dort schon länger schwach aus.

Die Aufwertung des Frankens werde für den Tourismussektor in den kommenden Jahren eine Belastung sein.

Die Pharma-Industrie ist zwar eher immun gegen Konjunkturschwankungen, doch laut der Kof dürften Novartis, Roche & Co. vorübergehend eine Margeneinbusse erleiden, da die Verkaufspreise von Medikamenten in vielen Ländern staatlich festgelegt werden. Das heisst auch: Kurzfristige Preisanpassungen als Reaktion auf höhere Frankenkurse sind für die Pharmafirmen nicht möglich.

Der Bau bleibe ein wichtiger Stabilisator – insbesondere der Tiefbau und der Wirtschaftsbau. Beim Wohnbau rechnet die Kof indes mit einem Rückgang. Begründung: «Die Zahl neu erstellter Wohnungen ist seit einigen Jahren höher als die Zunahme der Zahl der Haushalte.»

Im Handel könnte der stärkere Franken vielleicht den Einkaufstourismus wieder etwas anheizen, ein deutlicher Anstieg sei jedoch nicht zu erwarten. Auf der anderen Seite könnte der Transithandel – Stichwort: die Rohstoffhändler in Genf und Zug – von den schwankungen bei den Rohstoffpreisen profitieren. Denn dadurch steigen die Anzahl der Trandaktionen wie auch die Marge. Und wie die Kof erinnert, generiert diese Branche inzwischen 5 Proeznt der schweizerischen Wertschöpfung.

Etwas höhere Lohnabschlüsse

Angesichts all dieser Trends rechnet die KOF mit einem «verhaltenen Anstieg» der Arbeitslosenquote. Konkret erwartet das Institut in diesem Jahr einen Wert von 4,4 Prozent, gefolgt von 4,3 Prozent im Jahr 2020 und 4,5 Prozent im 2021 (nach der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation ILO; die Seco-Bemessungen sind tiefer, zwischen 2,3 und 2,6 Prozent).

Die Lohnentwicklung bleibt verhalten, so eine weitere Schlussfolgerung. Immerhin seien nun etwas höhere Lohnabschlüsse als in den letzten Jahren zu erwarten. Und angesichts der sehr tiefen Inflation könnten sich die Arbeitnehmer über bescheidene Reallohnzuwächse freuen.

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(rap)