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Studie
Gesundheit der Mitarbeiter ist auch Chefsache

Massage für den Mitarbeiter: Wie weit sollen Chefs gehen?  Keystone

Wie sehr muss sich der Chef um die Gesundheit der Mitarbeiter kümmern? Eine Studie zeigt die Unsicherheiten, die Manager bei diesem Thema haben.

Von Stefan Mair
am 04.03.2015

Darf ein Chef einen Mitarbeiter auf seine häufigen Fehlzeiten ansprechen? Wie geht er damit um, wenn er eine Krankheit bei einem Angestellten vermutet? Ist Gesundheitsförderung, grundsätzlicher gedacht, eine der zentralsten Managementaufgaben oder eine Nebentätigkeit?

Führungskräfte sehen sich beim Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) mit einer Vielzahl von Fragen konfrontiert, die für grosse Unsicherheit sorgen.

Die Schweizerische Gesellschaft für Organisation und Management (SGO) sowie die Hochschule Luzern haben deshalb die Studie «BGM ist Chefsache!?» durchgeführt, die sich mit der Rolle der Führungskraft in der Gesundheitsförderung beschäftigt. Die Forscher interviewten Dutzende Führungspersonen und haben daraus vier Managementprofile im Umgang mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement identifiziert.

Unterschiedliche vier Managementprofile im Umgang mit BGM

Das erste Modell sei jenes des «Patrons», erklärt Stu­dienleiter Gian-Claudio Gentile von der Hochschule Luzern. Der Patron gehe davon aus, dass ein wirtschaftlich gesunder und gut geführter Betrieb automatisch zufriedene und gesunde Mitarbeiter habe.

«Ist die Gesundheit von Mitarbeitern dennoch gefährdet, garantiert seiner Ansicht nach eine offene Unternehmenskultur die Früherkennung und ermöglicht adäquate Interventionen», so Gentile. Für die «Risikomanager» dagegen werde Gesundheit nur relevant als Abwesenheit von Krankheit. Gesundheitsmanagement fassen sie als Vermeidung von Risiken auf.

Im Gegensatz dazu hat für den Manager, der sich als «Gesundheitsförderer» versteht, Gesundheit einen Wert an sich, der durch Gesundheitsangebote im Betrieb gefördert wird. Die «Gesundheitsmanager» als viertes Modell erlebten Gesundheit als betriebliches Querschnittsthema, das analog zu anderen Themen systematisch in Strukturen und Prozesse integriert werde, erklärt Gentile.

Eines der grössten Probleme im Umgang mit Gesundheitsmanagement, das allen vier Typen gemeinsam sei, sei die Unsicherheit, ob sie Gesundheitsprobleme überhaupt ansprechen dürften und wie sie die Privatsphäre der Mitarbeiter dabei nicht verletzten.

Kommunikationsfähigkeit wichtiger als Statistiken

Heinz Roth, der beim Schweizerischen Versicherungsverband für Prävention und Gesundheitsförderung zuständig ist, bestätigt dieses Phänomen: «Wie spreche ich Mitarbeiter beispielsweise auf Fehlzeiten an? Wie gehe ich mit dieser Unsicherheitszone um?»

«Statistiken ersetzen nicht die viel wichtigere Fähigkeit zur Kommunika­tion», so Roth, der sich skeptisch gegenüber permanenten Datenanalysen im Gesundheitsmanagement zeigt, die die Unsicherheit der Manager reduzieren sollen. «Es liegt beim einzelnen Mitarbeiter und der Kommunikationsfähigkeit der Führungskraft, diese zwischenmenschliche Seite des Führungsalltags zu lösen.»

«Es braucht Handlungsempfehlungen für Manager»

Markus Sulzberger, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Organisation und Management, erklärt, dass dieser Graubereich, das heisst die Abgrenzung von Privatsphäre und Führungsaufgabe, noch weiter durchleuchtet werden müsse.

Es brauche Handlungsempfehlungen für Manager, damit sie diese Unsicherheits­zone überwinden könnten und ihre Vorurteile gegenüber dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement abbauten: «Das erste Vorurteil ist, dass Manager das Thema in die Schublade der weichen Faktoren schieben», erklärt der SGO-Präsident.

Zusätzlich sei es nicht immer klar, wo das Thema in der Organisation zuzuordnen sei. «Das dritte Vorurteil ist, dass wir immer noch unter dem Managermythos leiden, dass das, was nicht messbar ist, auch nicht führbar sei.»

Vorurteile überwinden

Eine Führungskraft, die diese Vorurteile längst überwunden hat, ist der Chef der Obwaldner Kantonalbank Bruno Thürig, der ebenfalls für die Studie befragt wurde. Er glaubt, dass Führungskräfte die Schlüsselpersonen sind, wenn es um Massnahmen zu Betrieblichem Gesundheitsmanagement geht.

«Führungskräfte sollten sich bewusst sein, wie gross ihr Einfluss auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter ist», so Thürig. In seiner Bank setzt er daher auf einen ganzen Strauss von gesundheitsfördernden Massnahmen wie kostenloses Mineralwasser und Äpfel, Ruheräume, Stehpulte für alle Mitarbeitenden, Fitnessangebote für Mitarbeiter, kostenlose Grippeschutzimpfungen sowie Seminare zum Thema Selbstreflexion, Selbstmanagement und Entspannungstechniken.

Die Angst als «Gesundheitsfanatiker» zu gelten

Kadermitglieder erhalten zudem Schulungen zum Thema Ernährung und Schlaf. Die Sorge mancher Führungskraft, als notorischer Gesundheitsapostel zu gelten, wie einige Teilnehmer in der Studie zu Protokoll gaben, sei jedenfalls zu kurz gedacht.

«Bei den Interviewten zeigt sich immer wieder das Bemühen, als rational-sachliche Führungskraft aufzutreten, welche sich dem Thema Gesundheit nicht als ‹Gesundheitsfanatiker› nähert. Diese Sorge scheint ein grosses Hemmnis für ein proaktives Gesundheitsmanagement zu sein», resümiert Studienmitautorin Claudia Meier Magistretti von der Hochschule Luzern.

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