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Konflikt
Rauswurf im Job: Was bei einer Kündigung zählt

Mitarbeiter versinkt im Alkohol: Eine Kündigung kann sehr belasten. Pexels

«Wir müssen uns leider von Ihnen trennen.» Wenn diese Worte fallen, ist der Schock gross. Doch selbst bei der Kündigung können Chefs gut mit ihren Ex-Mitarbeitern umgehen - im eigenen Interesse.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 18.05.2017

Wenn ein Mitarbeiter die Kündigung erhält, ist das für die Betroffenen meistens ein Schock. Auch wenn das Arbeitsverhältnis vorher angespannt war: Jetzt ist es endgültig. Ein solches Gespräch und das Ausscheiden des Mitarbeiters aus der Firma zu meistern, ist für Arbeitgeber und Betroffenen eine Herausforderung. Die Emotionen kochen hoch, gleichzeitig hängt von einem glimpflichen Ablauf für beide Seiten viel ab.

Wie gehen Schweizer Arbeitgeber mit einer Kündigung um? Wie haben Arbeitnehmer die Trennung empfunden? Das untersucht eine Studie des Beratungsunternehmens NeumannZanetti & Partner in Kooperation mit der Pyschologin Beatrice Höhn von der Krisenintervention Schweiz.

Gegenteilige Sichtweisen

Die Studie ist nicht repräsentativ, erlaubt aber einen qualitativen Einblick in die Bedürfnisse und Hürden bei Kündigungen. Knapp 600 Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben die Fragebögen beantwortet. Die Mehrheit der Rückmeldungen kam von Arbeitnehmern, die selbst gekündigt haben. Fast gleich auf liegen zusammengenommen die Rückmeldungen von Arbeitgebern, die kündigt haben und Arbeitnehmern, die eine Kündigung erhalten haben. 

Hier sind die Sichtweisen erwartungsgemäss konträr. Während ein Grossteil der Arbeitgeber der Ansicht ist, gut vorbereitet in das Kündigungsgespräch zu gehen, bemängeln viele Betroffenen, dass ihnen die Wertschätzung im Kündigungsgespräch fehlte. Mehr als jeder zweite der Umfrage-Teilnehmer hat das Kündigungsgespräch als wenig bis gar nicht wertschätzend empfunden. 

«Verarbeitung einer Kündigung kann sehr schmerzhaft sein»

«Eine Kündigung ist heute ‚normaler’ in einer Erwerbsbiografie», sagt Psychologin Beatrice Höhn. «Die Verarbeitung einer Kündigung kann aber weiterhin sehr schmerzhaft sein.»

Beatrice Höhn wird von Unternehmen zu schwierigen Kündigungen gerufen, um die Betroffenen im Anschluss an das Gespräch aufzufangen. «Viele sagen zu Beginn, sie brauchten kein solches Gespräch. Dann tut es ihnen aber doch gut», sagt Höhn. «Oft geht es einfach darum, den ersten Schock aufzufangen.»

Plan für die kommenden drei Tage

Ihr Ziel ist es, am Schluss des Gesprächs mit den Betroffenen einen Plan für die kommenden drei Tage zu erarbeiten. Das Konkrete ist wichtig, weil mit der Arbeit ein wichtiger Teil der Tagesstruktur wegfällt.

In raren Fällen muss Beatrice Höhn bei solchen Gesprächen die Notbremse ziehen. «Eingreifen muss ich dann, wenn ich feststelle, dass jemand akut andere gefährden möchte oder suizidgefährdet ist», sagt sie. Dann ruft sie einen Notfallpsychiater hinzu, der eine Medikation oder eine Einweisung anordnen kann. «Das ist aber der Extremfall und äusserst selten.»

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern können Arbeitgeber hierzulande flexibel die Kündigung aussprechen. Problematisch wird das dann, wenn Unternehmer Bevölkerungsgruppen herausgreifen, die sie kündigen.

Höherer Kündigungsschutz für Ältere diskutiert

«Ich kenne Unternehmen, bei denen es zur policy gehört, ältere Arbeitnehmer zu entlassen», sagt Beatrice Höhn. «Die Firmen fürchten eben auch ein höheres Risiko aufgrund von Krankheitsausfällen und steigenden Lohnansprüchen und Lohnnebenkosten.»

Um Mitarbeiter, die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters schwerer eine Anstellung finden, vor Jobverlusten zu bewahren, hat Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann einen höheren Kündigungsschutz für Ältere eruieren lassen. Eine Gesetzesänderung strebt er allerdings nicht an.

Unternehmen zögern teils bei Frauen bis 40

Auch bei den Jüngeren gibt es eine Zielgruppe, die im Falle von Jobverlust lange suchen kann: Frauen bis 40 Jahren. Jüngst hatten die Fälle mehrerer Mütter für Aufsehen gesorgt, die nach der Rückkehr aus dem Mutterschutz gekündigt wurden.

Eine Kündigung aus solchen Gründen wird nicht ohne Bitterkeit ablaufen und ist per se fragwürdig. Anders aber Kündigungen von Firmen aus wirtschaftlichen Gründen oder weil die Leistung des Mitarbeiters schwächelt.

Wertschätzung ändert viel für Mitarbeiter und Arbeitgeber

Der Arbeitgeber kann dabei durch die Gestaltung der Kündigung viel beitragen. ««Auch eine Kündigung kann mit Wertschätzung geschehen. Die Art und Weise der Kündigung trägt erheblich dazu bei, wie belastend die Situation ist – für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Eine Kündigung mit Wertschätzung hinterlässt viel weniger einen bitteren Nachgeschmack und ermöglicht beiden Seiten, schneller damit fertig zu werden.»

Wertschätzung bedeutet, so Höhn, eine gute Vorbereitung. Und eine Unterscheidung zwischen dem Mensch und dem Mitarbeiter. Dann kann eine Kündigung in der Sache klar, aber im Tonfall respektvoll ausgesprochen werden.
 

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