Unverkennbar: Europas Banken sind zurück. Der Startschuss für die Erholung des Sektors fiel, als Biontech und Pfizer am 9. November 2020 die hohe Wirksamkeit ihres Corona-Impfstoffes veröffentlichten. Es wuchs die Hoffnung, dass sich die Pandemie eingrenzen lässt und sich die Wirtschaft entsprechend in absehbarer Zeit erholt.  

Davon profitierte die Bankenbranche. Die Sorge, dass es bei den Geldhäusern als Konsequenz der anhaltenden Pandemie zu Kreditausfällen und grossen Verlusten kommen könnte, nahm ab. Zusätzliche Unterstützung bekamen die Institute von einem ganzen Bündel an Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Folgen. Nationale Regierungen, Zentralbanken und die EU stabilisierten die europäischen Volkswirtschaften durch fiskal- und geldpolitische Programme. Diese verringerten wesentliche Risikofaktoren für die Bankbilanzen. So stützte etwa die Einführung der Kurzarbeit den Arbeitsmarkt. Die Anleihekäufe der EZB stabilisierten die Preise von Risikoanlagen.  

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Geringere Risiken, höhere Gewinne  

Die Wirtschaft erholte sich, die Banken verzeichneten weniger Kreditausfälle als befürchtet. Viele Firmen versorgten sich zu günstigen Finanzierungskonditionen mit Kapital und das Kapitalmarktgeschäft verzeichnete eine Sonderkonjunktur.
 

Über den Autor

Seit 2015 leitet Benjardin Gärtner das Aktien-Portfoliomanagement von Union Investment. Darüber hinaus ist er Mitglied des Union Investment Committee, das monatlich die Kapitalmarktstrategie des Assetmanagers formuliert und damit die Leitplanken für die taktische Steuerung der Fonds durch die einzelnen Portfoliomanager setzt. Vor seiner Tätigkeit für Union Investment war Gärtner fünf Jahre für die Deutsche Bank tätig, zuletzt als Co-Head des deutschen Aktienteams. Von 2004 bis 2010 arbeitete er im Aktienvertrieb von Goldman Sachs. Seine Karriere startete er im Allianz-Konzern.      

Darüber hinaus hatten die meisten Banken angesichts der ungewissen Corona-Lage vor allem im ersten Halbjahr 2020 ihre Risikovorsorge stark ausgebaut. Aufgrund der schnellen Normalisierung konnten viele ihre Vorsorge unerwartet schnell wieder deutlich zurückfahren. Entsprechend entwickelten sich die Gewinne vieler Finanzinstitute ab Ende des vergangenen Jahres zunehmend besser als erwartet.  

Weiteres Potenzial vorhanden  

Und aktuell? Die oben aufgezählten Faktoren zählen immer noch. Die Bewertung des Sektors ist zwar nicht mehr so niedrig ist wie im vergangenen Jahr, im Verhältnis zum Gesamtmarkt ist sie aber immer noch günstig.  

Dazu kommt: Eine starke Kapitalausstattung und hohe Risikopuffer in Form von Rückstellungen ermöglichen den Banken die Rückkehr zu einer attraktiven Dividendenpolitik. Zahlreiche Institute kaufen gar Aktien zurück oder bereiten das vor.  

Ein Blick auf das Umfeld zeigt eine immer noch robuste Wirtschaftserholung. Die Kapitalanforderungen an die Institute durch Regulierungsvorschriften wie Basel IV sind mittlerweile recht klar umrissen und werden von den Instituten gut erreicht.  

Zudem bieten Zins- und Renditeentwicklung Potenzial. Die steigenden Inflationserwartungen, die der Anleihemarkt derzeit einpreist, lassen höhere Zinsmargen für Banken erwarten. Ausserdem bieten Bankentitel in Zeiten steigender Preise einen gewissen Inflationsschutz.  

Starke Dynamik könnte sich etwas abschwächen  

Dennoch sollte die aktuelle Lage nicht den Blick darauf verstellen, dass die strukturellen Probleme des Sektors noch nicht ganz behoben sind. Ob Zahlungsdienstleistungen, Online-Brokerage oder Online-Banking: Die Banken müssen sich weiterhin gegen agilere Wettbewerber aus der Fintech-Welt behaupten.

Der Blick auf die Kursentwicklung zeigt, dass Lieferkettenprobleme und höhere Inputkosten vor allem andere Branchen betreffen. Die relative Performance der Bankaktien belegt, dass sie kaum betroffen sind. Wir gehen davon aus, dass sich die Lieferengpässe ab dem zweiten Quartal 2022 auflösen werden. Spätestens dann dürfte die Dynamik in den produzierenden Branchen wieder zunehmen und zu entsprechenden Umschichtungen, möglicherweise auch weg von Banktiteln führen.  

Ampeln bleiben auf Grün  

Spannend bleibt zudem, inwieweit die Banken ihre grüne Chance nutzen können. Bauen sie ihre Geschäftsmodelle ESG-konform um, fallen zwar bei vielen Instituten höhere Kosten an.

Das ist der Fall, wenn sie beispielsweise die CO2-Bilanz ihrer Kreditbücher transparent machen. Hierin liegt aber auch Wachstumspotenzial: Aus Investments in eine nachhaltigere Infrastruktur und Wirtschaft resultiert ein gewaltiger Finanzierungsbedarf, den die Banken über Kredite oder Kapitalmarktgeschäfte abdecken können.  

Unterm Strich dürften die Ampeln für die Bankbranche auch in den kommenden Monaten auf Grün stehen – Europas Banken sind wieder da.    

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