Der Markt für festverzinsliche Anlagen ist sehr volatil. So ist der Bloomberg Global Aggregate Total Return Index zwischen Beginn des Jahres 2021 und Ende November um mehr als 4,5 Prozent gefallen. Anleger sollten überlegen, welche Anlageklasse sie präferieren, wie viel Inflationsschutz sie wollen und was er kosten darf. Aktives Management ist gefragt.    

Die Zentralbanken sind nicht zu beneiden. Einerseits sollen sie dafür sorgen, dass die Inflation und entsprechende Ängste nicht überhandnehmen. Doch beide nehmen aktuell zu. Wegen pandemiebedingter Angebotsengpässe, einer aufgestauten Nachfrage und steigender Energiepreise. Anderseits dürfen Zentralbanken das Wachstum nicht abwürgen.

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Ein echtes Dilemma. Die Ausgleichsversuche zwischen beiden Entwicklungen erhöhen die Volatilität. Wie können Anleger auf diese Entwicklung reagieren? Gegen Volatilität hilft vor allem das aktive Management des Obligationen-Depots.    

Verhältnisse werden herausfordernd bleiben    

Das Dilemma von Inflation und Wachstum folgt auf eine lange Zeit, in der die Zentralbanken die Volatilität künstlich niedrig gehalten haben. Doch die pandemiebedingte Unsicherheit wird im Jahr 2022 nachlassen.
 

Über den Autor

Quentin Fitzsimmons ist ein Senior Portfoliomanager im Anleihenbereich von T. Rowe Price und Mitglied des Teams für globale Anleihen. Er ist Co-Portfoliomanager der Global Aggregate Bond Strategy.        

Trotzdem bleiben die Verhältnisse herausfordernd. Einige Zentralbanken wollen die Geldschraube bald anziehen, kleinere Länder sind bereits eingeknickt. So haben die brasilianische und die russische Zentralbank schon die Zinsen erhöht. Grössere Zentralbanken sind dabei, nachzuziehen.    

Märkte reagieren jeweils sofort    

Trotz vorsichtiger Kommunikation reagieren die Märkte in diesen Fällen sofort. Genau dieses Szenario trat vor kurzem ein, als die Bank of Canada (BoC) erklärte, sie werde als Reaktion auf die steigende Inflation «in den mittleren Quartalen des kommenden Jahres» eine Zinserhöhung in Betracht ziehen.

Diese vage Ankündigung mag für viele Anleger wie eine zaudernde Haltung geklungen haben; doch die Märkte reagierten so, als habe die BoC keineswegs als geldpolitische «Taube», sondern als echter «Falke» agiert. Die Folge: Der kanadische Dollar schoss in die Höhe und kanadische Obligationen wurden abgestraft.    

Run auf inflationsgebundene Anleihen    

Besorgte Anleiheinvestoren versuchen nun krampfhaft, inflationsgebundene Wertpapiere als eine Art Versicherung gegen weiter steigende Preise zu kaufen. Doch von diesen Anlagen gibt es nicht genügend. Ein Grund ist, dass Länder, die inflationsgebundene Anleihen ausgeben, mit dem Risiko steigender Zinsen konfrontiert sind.

Steigt die Inflationsrate, steigen natürlich auch die Kosten für die Bedienung dieser Obligationen. Daher zögern einige Länder, insbesondere das Vereinigte Königreich, mehr Inflationsanleihen auszugeben, obwohl es eindeutig einen Markt für sie gibt.    

Verschiedene Strategien zur Risikominderung    

Eine weitere Möglichkeit für Anleger zur Risikominderung wäre die Verringerung des Zinsrisikos durch Senkung der Duration des Portfolios. Man könnte sogar über eine negative Duration nachdenken. Alternativ könnten Anleger auch Strategien zur strukturellen Kurvenpositionierung in Erwägung ziehen. Dann könnten sie von Veränderungen der Renditekurve während der Laufzeit zu profitieren.    

Doch das ist kompliziert. Aktuell herrscht keine Einigkeit beim Thema, ob die Renditekurve flacher oder steiler sein sollte. Die Renditen steigen, wenn ein Aufschwung erwartet wird, aber auch, wenn eine Inflation befürchtet wird; dann wollen Investoren für das Inflationsrisiko entschädigt werden. Aus all dem ergibt sich, dass man unbedingt flexibel auf verschiedene Marktgegebenheiten reagieren können muss.    

Neue Favoriten    

Die Länder bieten verschiedene Möglichkeiten, im Laufe ihres bevorstehenden Zinsanpassungsprozesses zu investieren. Unsere eigene Position bezüglich der Zinsentwicklung neigt jener der «Früh-Erhöher» zu. Diese Länder können flexibler reagieren, sollte sich die Wachstumsdynamik abschwächen. Einige ausgewählte Emerging Markets Bonds, etwa von Russland und Mexiko, fangen an, attraktiv zu werden. Dies sowohl was ihr Zinslevel angeht als auch im Hinblick auf die Zinskurve. Von den Industriestaaten ist vor allem Neuseeland interessant, das frühzeitig Zinsen erhöht hat und dessen Zinskurve bereits einpreist, dass die Geldpolitik die Zügel weiter strafft.      

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