Der neue japanische Premierminister Fumio Kishida hat seine regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) zu einem unerwartet hohen Sieg bei den Unterhauswahlen geführt: Die LDP gewann 261 Sitze und behielt damit ihre Mehrheit im Parlament. Premierminister Kishida hatte Anfang Oktober vor den Wahlen die Nachfolge von Yoshihide Suga angetreten, der für Japans Missmanagement bei der Covid-19-Pandemie und die daraus resultierenden schlechten Umfragewerte verantwortlich gemacht wurde.  

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Die LDP hat zwar mehr als ein Dutzend Sitze der 276 verloren, die sie vor den Wahlen innehatte. Doch die parlamentarische Mehrheit gibt Premierminister Kishida ein klares Mandat für die Verabschiedung eines Konjunkturpakets noch in diesem Monat, um den von der Pandemie am stärksten betroffenen Haushalten und Unternehmen zu helfen. Weitere unterstützende fiskalische Massnahmen werden für den Haushalt des nächsten Jahres erwartet, bevor im Juli die Wahlen ins Oberhaus anstehen.  

Konjunkturentwicklung hinkt nach  

Diese fiskalischen Anreize sind dringend erforderlich, da Japans wirtschaftliche Erholung in diesem Jahr aufgrund der Konjunkturabschwächung in China und der langsameren Verbreitung der Covid-19-Impfung hinter jener anderer westlicher Länder zurückgeblieben ist. Im Juli senkte der IWF Japans BIP-Wachstumsprognose für 2021 auf 2,4 Prozent und damit auf eine der schlechtesten Raten unter den Industrieländern.
 

Über den Autor

Daryl Liew ist Chief Investment Officer für Reyl Singapore. Er ist an der Asset-Allokation beteiligt und hat ferner eine Aufsichtsfunktion, um sicherzustellen, dass die Anlageentscheidungen den Erwartungen der Kunden entsprechen. Von 2002 bis 2010 arbeitete er bei Providend Ltd in Singapur und war zuletzt in der Generaldirektion für die Investments verantwortlich.  

In dieser Eigenschaft war er auch Mitglied des Investitionsausschusses des Unternehmens und verwaltete sowohl die Portfolios von Providend als auch Kundenkonten. Daryl Liew besitzt einen Master in Business Management, Fachgebiet Finanzwesen, des Asia Institute of Management (Philippinen, 2002). Er verfügt ferner über eine Zulassung als CFA (2005).     

Die anhaltenden Unterbrechungen der Lieferkette haben die Probleme noch verschärft – japanische Autohersteller waren gezwungen, ihre Produktion aufgrund von Engpässen bei Halbleiterchips und anderen in China hergestellten Komponenten zu drosseln.  

Hartnäckiges Deflationsproblem  

Neben dem Versuch, das Wachstum anzukurbeln, muss sich Premierminister Kishida auch mit dem Deflationsproblem Japans auseinandersetzen: Im Gegensatz zu vielen anderen Teilen der Welt, die derzeit mit einer rekordverdächtigen Inflation zu kämpfen haben, ist die Konsumentenpreisinflation in Japan nur schwach oder gar nicht vorhanden. Tatsächlich hat die Bank of Japan ihre Inflationsprognose für das Jahr bis März 2022 von 0,6 auf null Prozent gesenkt. Beobachter führen dieses Phänomen auf die tief verwurzelte deflationäre Mentalität in Japan zurück, die durch jahrzehntelang sinkende Verbraucherpreise verursacht wurde.  

Möglich, dass die fiskalischen Unterstützungsmassnahmen von Premierminister Kishida in Verbindung mit der Verknappung von Gütern wegen der Unterbrechungen in der Lieferkette in den nächsten Quartalen einen Anstieg des Konsumentenpreisindexes auslösen und diese Denkweise doch endlich ändern.  

Yen auf Talfahrt  

Wie dem auch sei, sowohl die Finanz- als auch die Geldpolitik in Japan werden das Wachstum weiterhin unterstützen. Der fehlende Inflationsdruck erlaubt es der Zentralbank, eine gemässigte Haltung beizubehalten und die derzeitige Renditekurve auf absehbare Zeit unter Kontrolle zu halten, wodurch die Zinssätze stabil tief bleiben werden.  

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Dies steht im Gegensatz zu anderen Zentralbanken, die bereits mit einer Straffung der Geldpolitik begonnen haben oder diese in Angriff nehmen. Diese Divergenz in der Geldpolitik ist einer der Gründe, warum der Yen in diesem Jahr an Wert verloren hat: Die Währung, die bereits zu Beginn des Jahres recht billig war, ist auf Basis der Kaufkraftparität noch günstiger geworden.  

Der günstigste der grossen Märkte  

Dies macht japanische Vermögenswerte für internationale Anleger recht interessant. Der MSCI Japan wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 15 gehandelt und ist damit der billigste der drei entwickelten Regionen (S&P 500: 20,8x; Eurostoxx 600: 16x), aber mit dem höchsten erwarteten Gewinnwachstum der drei Regionen. Die Sterne stehen also gut, dass japanische Aktien im Jahr 2022 eine überdurchschnittliche Performance erzielen werden.