Das Jahr 2021. Kurz vor Jahresende lässt sich eine erste Bilanz ziehen. Die Wirtschaft hat sich in den meisten Regionen überraschend schnell vom Corona-Einbruch erholt. Dabei haben Lieferengpässe, Energieknappheit und Arbeitskräftemangel einen noch stärkeren Aufschwung gebremst. Nach der rasanten Erholung folgte eine Wachstumsverlangsamung. Dabei machte das Stichwort «Stagflation» die Runde. Für die Notenbanken ein Albtraum.  

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Wir sprechen allerdings von Verlangsamung, nicht von Stagnation oder gar Kontraktion. Deutlich gestiegen ist hingegen die Inflation, in den USA auf über 6 Prozent. Der Anstieg ist stärker ausgefallen als befürchtet und droht länger anzuhalten als erwartet. Dennoch gehen wir davon aus, dass sich die durch Basis- und Sondereffekte angeheizte Teuerung nächstes Jahr zurückbilden wird.  

Märkte sind sehr robust geblieben  

China und Corona sorgten auch 2021 für Aufregung. China aufgrund mehrerer regulatorischer Eingriffe sowie wegen des in Schieflage geratenen Immobilienkonzerns Evergrande. In der Corona-Pandemie wurde Delta die dominierende Virus-Variante und erinnerte uns daran, dass die Pandemie trotz Impfungen und Lockerungen noch nicht vorbei ist.  

Über den Autor

Thomas Heller ist CIO und Leiter Research der Schwyzer Kantonalbank    

Die genannten «Aufreger» an den Märkten haben insgesamt wenig Spuren hinterlassen. Viele Aktienmärkte kannten praktisch nur eine Richtung: nach oben. Einzig im September, als sich einige dieser Faktoren gleichzeitig bemerkbar machten, kam es zu einem vorübergehenden Rücksetzer, der allerdings rasch wieder aufgeholt wurde.

Trotz der hohen Inflation und obwohl die Notenbanken begonnen haben, einen weniger expansiven Kurs einzuschlagen, kam es auch bei den Zinsen nicht zu Verwerfungen. Die Märkte erwiesen sich 2021 über weite Strecken als äusserst robust.  

Unsicherheit ist wieder da  

Nun sind die Spannungen zurück. Wegen Corona. Nicht wegen der höheren Ansteckungszahlen, die sind schon seit längerem zu vermelden. Es ist ein Corona-Comeback an den Märkten. Die neue Virus-Variante Omikron sorgte bei Aktien und Zinsen für einen Taucher. Noch weiss man wenig über sie. Ist Omikron leichter übertragbar? Gefährlicher? Schützen die Impfungen?  

Die divergierenden Aussagen der Chefs von Biontech («Es ist unwahrscheinlich, dass Omikron bei geimpften Personen schwere Erkrankungen hervorruft.») und Moderna («Die bestehenden Impfstoffe werden mit Omikron zu kämpfen haben.») zeigen, dass vieles unklar ist.

Die Unsicherheit ist spürbar. Das mögen die Märkte nicht. Es gibt Comebacks, über die sich die Leute freuen (ABBA) oder die sie herbeisehnen (Roger Federer). Auf dieses Comeback hätte man gerne verzichtet. Es hätte ruhig langweilig bleiben dürfen.  

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