Es gibt schnell wechselnde, meist sehr günstige Mode, die häufig nach kurzer Zeit auf dem Müll landet. Diese sogenannte Fast Fashion ist das Hauptproblem: Für Anlegerinnen und Anleger werden die damit verbundenen sozialen und ökologischen Belastungen immer mehr zum Investitionsrisiko.

Die Modebranche hat bereits reagiert: Bei den Veranstaltungen steht mittlerweile auch nachhaltige Mode auf dem Programm. Diese Entwicklung geht zwar in die richtige Richtung, doch ist nachhaltige Bekleidung aktuell eher ein Thema für urbane Eliten. Im Markt dominieren weiterhin Kleidungsstücke, die in erster Linie preiswert sind.

Hersteller zunehmend für Reputationsrisiken sensibilisiert

In diesem Frühjahr schaute der Kapitalmarkt besonders aufmerksam auf einige börsennotierte Textilunternehmen wie Nike und H&M. Der Grund: In China wurde zum Boykott einiger Hersteller aufgerufen, nachdem sich diese besorgt über mögliche Zwangsarbeit bei der Baumwollproduktion in der chinesischen Provinz Xinjiang geäussert hatten.

Das Beispiel zeigt, wie schwierig für die Unternehmen der Branche der Spagat zwischen Nachhaltigkeit, Geschäftserfolg und politischen Einflüssen sein kann. In Investorengesprächen mit den grossen Firmen ist allerdings festzustellen, dass sie zunehmend für menschenrechtsverletzende Arbeitsbedingungen und unzureichende soziale Standards bei Zulieferern sensibilisiert sind, da damit hohe Reputationsrisiken einhergehen.

Ex-und-Hopp-Mentalität verschärft Umweltprobleme

Für die ökologischen Aspekte der Textilproduktion gilt das leider weniger. Die Modebranche ist einer der grössten Umweltverschmutzer überhaupt. So verursacht die Herstellung von Kleidern und Schuhen rund 8 Prozent der globalen Treibhausgase. Die Branche ist ausserdem für etwa 10 Prozent der industriellen Wassernutzung weltweit verantwortlich. Ein grosser Teil des Wassers wird dadurch verschmutzt,  vor allem in Ländern, in denen sauberes Wasser ohnehin Mangelware ist und durch den Klimawandel noch knapper wird.

Zum Autor

Henrik Pontzen leitet seit Januar 2019 die Abteilung ESG im Portfoliomanagement der Union Investment. Zuvor war er Berater bei Capco sowie zehn Jahre lang in verschiedenen Funktionen für die HSBC tätig; als Leiter der Institutional Client Group verantwortete er hier die produktübergreifende Betreuung deutscher Assetmanager. Seit 2016 ist Pontzen zudem Vorstand der DVFA (Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management).

Pontzen studierte Philosophie, Wirtschaftswissenschaften und Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und an der Universität Kopenhagen und ist seit 2010 Lehrbeauftragter für Risikomanagement und -ethik an verschiedenen deutschen Universitäten (Ludwig-Maximilians-Universität München, Bergische Universität Wuppertal), aktuell für die Universitäten Köln und Witten/Herdecke sowie für die Irebs der Universität Regensburg.

Bei den Umweltthemen geht es anders als bei den sozialen Problemen in der Textilbranche aber weniger um einzelne schwarze Schafe. Denn die ökologischen Belastungen entstehen in der Breite durch die schiere Masse der Textilproduktion bei gleichzeitig unzureichenden Umweltstandards in den Herstellerländern.

Kernproblem: Produktion von immer mehr und mehr

Das Kernproblem ist, dass immer mehr Textilien produziert werden. So wird für die Branche bis 2030 eine Umsatzsteigerung um 5 Prozent pro Jahr prognostiziert. Online-Handel und Billigproduktion sorgen neben stark wachsenden Käuferschichten in Schwellenländern für eine immer höhere Nachfrage. Angeheizt von Influencern kauft der durchschnittliche Konsument, die durchschnittliche Konsumentin heutzutage 60 Prozent mehr Kleidungsstücke als noch vor 15 Jahren.

Dies verursacht neben steigenden Emissionen und einer zunehmenden Wasserverschmutzung ein enormes Müllproblem. Der Anteil von Textilien am weltweiten Abfallaufkommen liegt bei knapp 5 Prozent. In der Summe wird zu viel Kleidung aus umweltschädlichen Materialien gekauft und zu schnell weggeworfen. Nur ein Bruchteil wird Secondhand-Kleidung genutzt oder Kleidung wiederverwertet. Hinzu kommt eine massive Überproduktion.

Investierende fordern von Textilunternehmen Transparenz

Für nachhaltig orientierte Investorinnen und Investoren wird deshalb immer wichtiger, zu wissen, welche Textilunternehmen sich um umweltschonende Produktionsbedingungen und Materialien sowie um Recycling bemühen. Für die Umwelt wären weniger Baumwolle und Polyester ein Segen, da der Baumwollanbau sehr wasserintensiv ist und Polyester aus Erdöl hergestellt wird.

Investoren und Investorinnen erwarten daher von Unternehmen detaillierte Informationen, inwieweit sie künftig auf höherwertige, nachhaltige Materialien setzen und wie viel sie in Forschung und Entwicklung investieren. Eine Rolle spielen hierbei auch kleinere, innovative Unternehmen, wie etwa die österreichische Firma Lenzing, die Kunstfasern aus Zellstoff herstellt.

H&M und Inditex speziell gefordert

Die grossen Modemarken müssen Transparenz schaffen und eine klare, langfristig angelegte Strategie vorweisen, wie sie diese Herausforderungen angehen. Es ist immer ein schlechtes Zeichen, wenn Unternehmen mit Investierenden nicht über Details der Umsetzung sprechen wollen und insgesamt vage bleiben.

In diese Kategorie fällt unserer Einschätzung nach zum Beispiel H&M, einer der wichtigsten europäischen Fast-Fashion-Hersteller. Konkurrent Inditex (Zara) zeigt sich im Dialog mit Investoren und Investorinnen auskunftsfreudiger, setzt aber ebenfalls weiter auf Fast Fashion.

Die Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden

Etwas leichter mit Nachhaltigkeitsthemen tun sich generell Qualitätshersteller, die weniger im Fast-Fashion-Segment unterwegs sind. Einen guten Eindruck machen hier beispielsweise Adidas und Puma. Adidas etwa verfolgt interessante Projekte zur Reduktion von Mikroplastik und zur Erhöhung der Recyclingquote bei Kunstfasern.

Diese Unternehmen haben eine klar formulierte Nachhaltigkeitsstrategie mit konkreten Zielwerten und Zeitplänen. Die Vergütungsregeln ihrer Vorstände enthalten konkrete ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance).

Damit der ökologische Fussabdruck der Textilbranche deutlich kleiner wird, kommt es vor allem auf die Massenhersteller an, die vor einer schwierigen Gratwanderung stehen. Die Hauptrolle spielen aber die Konsumenten und Konsumentinnen: Sie entscheiden darüber, ob Fast Fashion aus der Mode kommt und die Ex-und-Hopp-Mentalität bei Kleidung abgelegt wird.

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