Die nackten Zahlen, die Rivian kurz vor seinem angestrebten Börsengang (IPO) der Öffentlichkeit preisgibt, sind happig: Im Gesamtjahr 2020 häufte der Tesla-Rivale einen Verlust von 1,02 Milliarden Dollar an. In diesem Jahr erreichte das E-Auto-Startup einen fast ebenso grossen Nettoverlust von knapp einer Milliarde Dollar bereits in den ersten sechs Monaten.

Trotzdem wird das US-Unternehmen bereits als Tesla-Jäger gehandelt. Der neu entflammte Hype um Tesla dürfte dem Rivian-IPO kein schlechtes Börsenumfeld bieten. 

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Um Tesla entsteht seit Wochen mal wieder eine Euphorie, die keine Grenzen zu kennen scheint. Schon seit einigen Monaten schlägt sich die Aktie des E-Auto-Pioniers wacker in einem verhältnismässig schwierigen Umfeld für Aktien mit hoher Bewertung. Den jüngsten Turbo zündete die Aktie, nachdem bekannt wurde, dass der US-Autovermieter Hertz 100'000 Tesla-3-Modelle bestellen wolle.

Allein in den letzten 14 Tagen beläuft sich das Kursplus auf rund 40 Prozent. Dass CEO Elon Musk am Dienstag verkündete, der Deal sei noch gar nicht unterschrieben, tat der Euphorie zunächst keinen wirklichen Abbruch. 

Chartverlauf der Tesla-Aktie in den letzten 24 Monaten

Chartverlauf der Tesla-Aktie in den letzten 24 Monaten

Quelle: cash.ch

So gesehen dürfte es für Rivian kein schlechter Zeitpunkt sein, jetzt den Weg an die Börse zu suchen. Rivian will bei seinem Börsengang knapp 10 Milliarden Dollar bei Anlegern einsammeln, wie aus Unterlagen hervorgeht, die am Freitag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht wurden. Inklusive Mehrzuteilung würde der Erlös bei über 11 Milliarden Dollar liegen. 

Dazu muss man wissen, dass Rivian noch keinerlei Umsatz generiert. Das Unternehmen gibt in einem Börsenprospekt an, in den USA und Kanada Vorbestellungen für 48'000 Pickups des Modells R1T sowie des SUV R1S vorliegen zu haben. Die Vorbesteller haben jeweils eine Anzahlung von 1000 Dollar (rückerstattbar) getätigt, was derzeit den einzigen Umsatz von Rivian ausmacht.

Was für Rivian spricht, ist, dass mit Ford und Amazon starke Partner am Unternehmen beteiligt sind. Mit Amazon dürfte gleichzeitig ein erster Grosskunde des Unternehmens feststehen. Der Versand- und Technologie-Riese will innerhalb der nächsten zehn Jahre 100'000 Einheiten eines nach eigenen Vorgaben konzipierten E-Transporters in seine Lieferflotte integrieren. 

Trotzdem sollten Anlegerinnen und Anleger auf der Hut sein. Die beim IPO von Rivian angestrebte Bewertung von bis zu 71 Milliarden Dollar – ohne nennenswerten Umsatz – hat es in sich. Zudem hat die jüngste Vergangenheit gezeigt, dass es meist keine gute Idee war, direkt nach dem IPO einzusteigen. 

Chinas Autobauer drängen nach Europa

Wer als Anlegerin oder Anleger im Segment E-Auto Alternativen zu Tesla sucht, stösst zwangsläufig auf China. Dortige E-Autobauer drängen zunehmend auch auf den europäischen Markt, wie die Markteintritte von Nio, BYD und XPeng im September in Schweden zeigen. 

Nachdem die Aktie von Nio seit dem Frühjahr immer wieder stark abgestraft wurde, zeigt sie zuletzt Anzeichen einer Erholung. Das Unternehmen, das sich auf Produktion und die Vermarktung von hochwertigen Elektroautos fokussiert, hat jüngst mit starken Auslieferungszahlen und positiven Analystensstimmen wieder auf sich aufmerksam gemacht. Ein Umsatzwachstum von 120 Prozent lässt sich sehen, ist aber auch nötig, um nachhaltig profitabel zu werden. Nios Pluspunkte sind eine starke Position im Heimatmarkt China sowie aussichtsreiche Expansionspläne in Europa. Ein Einstieg bei der Aktie ist gerade auf dem jetzigen Niveau durchaus eine Überlegung wert. 

Chartverlauf der Nio-Aktie seit Anfang Jahr, Grafik: cash.ch.

Chartverlauf der Nio-Aktie seit Anfang Jahr

Quelle: cash.ch

Heikler ist da die Lage bei dem bereits etablierten chinesischen Mischkonzern BYD. Die vergangene Woche publizierten Quartalszahlen zeigten einen Rückgang des Gewinns um knapp 30 Prozent. Zugute halten kann man BYD, dass  dieser zum grossen Teil auf fehlende Komponenten bei der Produktion zurückzuführen – ein Problem, unter dem derzeit fast alle Autobauer leiden. Trotzdem dürfte vor allem der gesenkte Ausblick die Aktie bis auf Weiteres belasten – zumal die Titel zuletzt gut gelaufen sind. 

Lucid ist heiss

Eine Aktie, deren Kursverlauf zuletzt mit dem von Tesla mithalten konnte, ist die des US-Unternehmens Lucid. Wobei die Rally hier vor allem letzte Woche so richtig zündete. Allein am vergangenen Donnerstag stieg der Kurs um rund 30 Prozent. Grund für die Euphorie ist die Auslieferung der ersten Fahrzeuge am vergangenen Wochenende. Am Samstag erhielt Kunden ihren Lucid Air Dream, eine E-Limousine, die in direkter Konkurrenz zum Model Tesla S steht. Dass dieser massive Kursanstieg wohl etwas zu viel des Guten war, zeigt sich in den Gewinnmitnahmen von dieser Woche. Ein Einstieg dürfte aktuell zu heiss sein. 

Wem Tesla, Nio und Co als Einzeltitel zu heiss sind, der kann auch auf ETF zugreifen, die breit gestreut in den E-Automarkt investiert sind. Neben E-Auto-Pionieren sind in diesen meist auch traditionelle Autobauer enthalten. Der «iShares Electric Vehicles and Driving Technology UCITS ETF» enthält neben Tesla, Nvidia oder ABB auch HyundaiFiat Chrysler oder Kia. Noch etwas breiter aufgestellt ist der «SPDR S&P Kensho Smart Mobility ETF». Mit 5,95 Prozent macht darin der chinesische Elektroautobauer Nio den grössten Anteil aus, dicht gefolgt von Tesla mit 4,79 Prozent.

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