In den nächsten dreissig Jahren dürften Elektroautos zur dominierenden Form des Individualverkehrs werden und Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ablösen. Auch bei der Entwicklung der Speichersysteme und der Verteilungsinfrastruktur, die für den Umstieg auf Wind- und Solarenergie erforderlich sind, spielen Mineralien eine wichtige Rolle. Die Nachfrage nach Rohstoffen wie Lithium wird mit der zunehmenden Nutzung von Elektrofahrzeugen und der Errichtung von Wind- und Solarinfrastrukturen stark ansteigen. Diese Rohstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen, wird eine zentrale Herausforderung im Rahmen des klimabedingten Wandels darstellen.

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Der Brennstoff bleibt der Schlüssel zu einer Netto-null-Zukunft, auch wenn der Wandel die Art des Brennstoffs verändert. Die Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) verdeutlichen die massive Abhängigkeit sauberer Technologien von mineralischen Rohstoffen. Elektroautos benötigen etwa das Sechsfache an Mineralien im Vergleich zu herkömmlichen Autos, während ein Offshore-Windkraftwerk 13-mal mehr benötigt als ein Gaskraftwerk vergleichbarer Grösse. 

Welche Mineralien werden besonders begehrt sein? Bis 2040 dürfte die Nachfrage nach Batteriematerialien wie Lithium etwa vierzigmal höher sein als im Jahr 2020. Die Nachfrage nach Kupfer könnte bis 2030 um rund 600 Prozent steigen, wobei die Spanne der Prognosen sehr gross ist.
 

Über den Autor

Paul Udall ist Portfoliomanager in der Abteilung Global Equities bei Lombard Odier Investment Managers (Loim). Er ist seit September 2019 bei Lombard Odier Investment Managers beschäftigt und verwaltet seit 18 Jahren globale Nachhaltigkeitsportfolios. Zuvor arbeitete er vier Jahre bei Temporis Capital, wo er seit 2013 als Partner tätig war. Davor war Udall von 2010 bis 2013 Investment Director bei GAM, von 2007 bis 2010 Managing Director von Climate Change Capital, von 2002 bis 2006 Portfoliomanager bei Aviva Investors und von 1998 bis 2002 Aktienanalyst bei AXA Investment Managers. Seit 2002 investiert er in Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien und beschäftigt sich seit nunmehr 18 Jahren mit dem Thema Klimawandel. Von 2010 bis 2018 verwaltete er Gelder für den norwegischen Staatsfonds (Norges). Paul Udall half beim Aufbau der globalen Fonds-Umweltstrategie, die speziell auf den Klimawandel ausgerichtet ist. Er hat einen Master in Investment-Analyse der University of Stirling und einen Bachelor of Science in Rechnungswesen und Finanzen der University of East Anglia.

Nachhaltiger Stahl ist ein weiterer interessanter Sektor, da Stahl rund 20 Prozent der Kosten für die Herstellung einer Windturbine ausmacht. Die Technologie des Elektrolichtbogenofens, bei der der CO2-Fussabdruck zehnmal geringer ist als bei der Stahlproduktion im Hochofen (auf Kohlebasis), könnte eine zukunftsfähige Option sein. Zudem machen die Entwicklungen in der wasserstoffbasierten Stahltechnologie von sich reden.

Herausfordernde Perspektiven auf der Angebotsseite

Der Nachfrageanstieg dürfte auf ein angespanntes Angebot treffen. Der Ausbau der Kupferproduktion braucht Zeit: Die Erweiterung bestehender Minen dauert etwa drei Jahre, ein komplett neues Projekt acht Jahre. Angesichts der aktuellen Produktionsaussichten für Kupfer, Lithium und Kobalt zeichnet sich nach dem IEA-Szenario für nachhaltige Entwicklung ein erhebliches Defizit ab.

Diese Dynamik von Angebot und Nachfrage sollte die strukturelle Performance von Bergbauaktien stark begünstigen, der Sektor ist von Natur aus aber sehr zyklisch und weist eine schlechte Bilanz bei der Kapitalallokation auf. Anleger sollten sich daher auf eine korrekte Grössenverteilung konzentrieren. Mit einer starken Cash-Generierung und sehr attraktiven Multiplikatoren im Vergleich zu den reinen Clean-Technology-Unternehmen können diese entscheidenden Materialien jedoch ein wichtiger Anlagebereich für Klimaportfolios sein. 

Negative Auswirkungen vermeiden 

Natürlich entstehen bei sauberen Technologien auch Umweltkosten. Die Nebenwirkungen des Lithium-Abbaus sind beispielsweise der Verlust von Wasser und biologischer Vielfalt, kontaminierte Böden und giftige Abfälle. Wissenschafter sind besorgt über die möglichen schädlichen Auswirkungen auf die Ozeane, da die Jagd nach Rohstoffen das Interesse am Tiefseebergbau steigert. Da die Nachfrage nach diesen Mineralien steigt, sollten auch die Bemühungen um die Einführung entsprechender Schutzmassnahmen und die Durchführung sogenannter DNSH-Tests («do no significant harm») zur Vermeidung von Schäden für lokale Gemeinschaften und die Natur verstärkt werden.

Mehr Investitionen im Recyclingbereich und die Förderung der Kreislaufwirtschaft werden hier ebenfalls dazu beitragen, sowohl die Umweltschäden zu begrenzen als auch eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten.

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