Der Bund will der Schweizer Wirtschaft in der Corona-Krise unter die Arme greifen. «Wir befinden uns in einer schwierigen Situation, die wir nur gemeinsam bewältigen können», sagt Wirtschaftsminister Guy Parmelin.  

Unterdessen kündigt Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga weitere finanzielle Hilfe an, für den Fall, dass sich die Krise weiter verschärft: «Es ist klar, dass das Problem eine noch grössere Dimension annehmen kann und dass dann weitere Unterstützung nötig wird.»

Soforthilfe für Härtefälle

Bei der Bewältigung der Folgen für die Wirtschaft bemühe sich der Bundesrat «um eine bestmögliche Abfederung», sagt auch Parmelin. Den Unternehmen und Angestellten sichert er rasche Hilfe zu: «Die Kurzarbeitsentschädigung hat sich in der Vergangenheit bewährt. In diesem Bereich stehen derzeit rund acht Milliarden Franken zur Verfügung, um die momentane Situation durchzustehen. Den KMU mit finanziellen Engpässen stehen ab sofort bis zu 580 Millionen Franken an Bankkrediten zur Verfügung.» 

Parallel dazu will der Bundesrat als Soforthilfe für Härtefalllösungen für Unternehmen oder Selbständigerwerbende fürs Erste rund eine Milliarde zur Verfügung stellen. Auch für die Betroffenen in Kultur und Sport werde es spezifische Unterstützungslösungen geben, sagt Parmelin

Sollten die beschlossenen zehn Milliarden Franken nicht reichen, werde der Bund nachlegen. «Wir werden tun, was notwendig ist. Wir stehen erst am Anfang und wissen nicht, wie lange diese Situation andauern wird. Wir müssen schauen, wie hoch der Bedarf ausfällt. Ist dieser höher als derzeit angenommen, ist auch mehr Geld zu sprechen.» 

So ein Szenario scheint nicht unwahrscheinlich. Denn der Geldbedarf in der Schweizer Wirtschaft könnte mit zunehmenden Geschäftsschliessungen und -ausfällen sowie dem Ausfall des Konsums dramatisch steigen. 

Die ersten harten Schliessungen finden bereits statt. Der Euroairport Basel-Mülhausen hat wegen des Coronavirus die Läden und Restaurants auf seinem Terrain geschlossen. Der Schritt auf dem binationalen Flughafen erfolgt im Zuge der verschärften Massnahmen der französischen Regierung.  

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Take-Away-Betriebe sowie Tabak- und Zeitungsläden bleiben aber offen. Der französische Premierminister Edouard Philippe hatte verordnet, dass alle Orte, die für das soziale Leben nicht zwingend notwendig sind, ab Samstag Mitternacht schliessen müssen. 

Tessin macht dicht 

Nicht nur an der Grenze, auch im Landesinneren werden die Geschäftsaktivitäten heruntergefahren. Das Tessin macht nun schrittweise dicht. In mehreren Schweizer Städten kam es deshalb am Samstag zu Hamsterkäufen. Skigebiete kündigten widerwillig die Schliessung an. 

Gemäss einem Beschluss des Tessiner Staatsrates müssen alle öffentlichen Lokale - Restaurants, Pubs, Hotels, Tankstellensnacks - geschlossen werden. Ebenfalls schliessen müssen alle Geschäfte - auch Coiffeur- und Schönheitssalons. 

In diesem Modus geht es weiter. Die Verwaltung wird demnächst auf ein Minimum heruntergefahren. Lebensmittelläden, Apotheken und Tankstellen dürfen geöffnet bleiben. Auch Post- und Bankschalter werden nicht geschlossen. Mensen in Altersheimen können ebenfalls weiterhin Mahlzeiten austeilen. Mit diesen Massnahmen gleicht sich die Situation im Tessin immer weiter derjenigen von Italien an.  

Kanton Jura schliesst Geschäfte und Restaurants

Und nach dem Tessin und Basel-Land schliesst auch der Kanton Jura wegen der Coronavirus-Epidemie seine Geschäfte und Restaurants. Auch die Schalter der Verwaltung sind demnächst weitgehend geschlossen.

Ähnlich wie in den anderen Kantonen ausgenommen von der Schliessung sind Nahrungsmittelgeschäfte, Tankstellen, Kioske, Apotheken, Drogerien, Banken und Poststellen.

Auch Empfangsstrukturen für Kinder werden im Jura geschlossen. Der Kanton könne allerdings über deren Strukturen und das Personal verfügen, um jene Kinder zu betreuen, deren Eltern beispielsweise als Angestellte des Sozial- oder Gesundheitswesens in den Kampf gegen das Coronavirus eingebunden seien, heisst es.

Firmen sollen zudem von ihren krank gemeldeten Angestellten erst ab dem achten Tag ein Arztzeugnis verlangen. Weiter weist der Kanton darauf hin, dass alle öffentlichen Versammlungen mit mehr als 50 Personen im Innern und draussen verboten sind. Auch Kurse mit mehr als fünf Teilnehmern müssten abgesagt werden.

Hamsterkäufe allerorts 

Auch im Detailhandel herrscht der Ausnahmezustand. In Lebensmittelgeschäften mehrerer Städte kam es zu Hamsterkäufen. Die Detailländler versicherten aber, es bestehe kein Engpass an Lebensmitteln. Die Lager seien gefüllt. 

Dennoch kam es in Läden teilweise trotz massiv erhöhten Lieferkapazitäten und riesigem Personaleinsatz zu leeren Regalen.  

Aldi Suisse verzeichnete erste Lieferschwierigkeiten, insbesondere von italienischen Lieferanten. Die einzelnen Ausfälle seien bislang mit Alternativartikeln gut abgedeckt worden.  

Vermehrt gekauft werden den Angaben der Detailhändler zufolge etwa länger haltbare Lebensmittel, Beilagen, Tiefkühl-Produkte, Toilettenpapier, Mehl und Zucker sowie Handreinigungsprodukte. 

Ein derartiges Einkaufsverhalten hat Aldi seit dem Markteintritt in der Schweiz im Jahr 2005 noch nie beobachtet, sagt ein Sprecher. Selbst die üblichen Vor-Feiertagseinkäufe seien nicht vergleichbar. (red)