Der Gesundheitssektor steht vor einer neuen Epoche: Die Zukunft verspricht viele aussichtsreiche Technologien und Forschungsthemen, die das Gesundheitswesen grundlegend verändern werden.

Besonders in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren wird es eine hohe Anzahl von disruptiven Technologien geben, die für Patienten, die Gesellschaft und staatliche Institutionen von Vorteil sein werden. Dabei dürften neue Behandlungsmöglichkeiten den Zugang zum Gesundheitssystem für viele erleichtern. 

Gentechnologie als «Mutter» der Disruptionen

Ein grosser Innovationsbereich der nächsten zehn Jahre ist die Gentechnologie. Wissenschaftler sind schon seit längerer Zeit dabei, herauszufinden, wie Gene gesteuert werden, wie sie zusammenwirken und wie sie Krankheiten verursachen.

Durch den unaufhaltsamen technologischen Wandel sind Ärzte inzwischen in der Lage, diese Informationen zu nutzen, um Krankheiten an der Wurzel – der zugrundeliegenden Genetik – sicher und wirksam zu behandeln.  

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Die Verwendung von Gentechnologien zur Behandlung der Krankheitsursache ist absolut einzigartig in der Geschichte der Pharmaindustrie. So bieten sie beispielsweise die Möglichkeit, eine langfristige chronische Krankheit mit nur einer Dosis eines Medikaments zu behandeln.

Das ist eine Revolution. Denn heutzutage beinhaltet die überwiegende Mehrheit der ärztlichen Behandlungen die Verabreichung von Pillen oder anderen Medikamenten, die typischerweise täglich, dreimal täglich oder einmal pro Woche regelmässig eingenommen werden müssen.

Das wird sich ändern. Gentherapien werden die «Mutter» aller zukünftigen Disruptionen im Zusammenhang mit dem Pharmasektor darstellen. Schon heute laufen mehr als 1’000 klinische Studien in diesem Bereich.

Es gibt schon elf Medikamente, die auf Gen- und Zelltherapien basieren und bereits zugelassen sind. Um die Bedeutung der Gentechnologien zu verdeutlichen, sei daran erinnert, dass auch mehrere der kürzlich entwickelten Impfstoffe gegen Covid-19 auf diesem Ansatz beruhen.

Robotik wird den Gesundheitssektor erobern

Eine weitere Entwicklung, die es zu verfolgen gilt, ist der Bereich der Robotik. Derzeit werden nur bei zwei bis drei Prozent aller chirurgischen Eingriffe Roboter eingesetzt. Dieser Anteil wird sich in den nächsten Jahren deutlich erhöhen.

Die Robotik kann die Genauigkeit der Arbeit der Ärzte markant verbessern. Was geschieht, wenn einem erfahrenen Chirurgen, der immer auf dem neuesten Stand seines Fachgebiets ist, auf einmal die Hände anfangen zu zittern?

Anstatt das Fachgebiet zu wechseln oder in den Ruhestand zu gehen, können solche Spezialisten weiterhin Operationen beaufsichtigen – auch wenn sie das Skalpell nicht mehr direkt in der Hand halten. 

 

Matthew Jenkin ist Co-Portfoliomanager des BNY Mellon Smart Cures Innovation Fund.

Die Robotik eröffnet auch neue Möglichkeiten für Fernoperationen. Wenn zum Beispiel der beste Herzchirurgie-Experte in Zürich sitzt, die Operation jedoch in Boston stattfindet, kann der Eingriff durch Robotik von Zürich aus ausgeführt werden.

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Darüber hinaus macht der Einsatz der Fernchirurgie bestimmte Behandlungen für Menschen zugänglich, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten.

Entweder weil sie es sich nicht leisten können, in eine Klinik zu gehen, oder weil bestimmte Behandlungen in der Region oder dem Land, in dem sie leben, nicht verfügbar sind.

Pharmaregionen im regen Austausch 

Der regionale Aspekt spielt auch beim Austausch innerhalb des Gesundheitssektors eine wichtige Rolle. Zum einen sollte man China im Bereich der Gesundheitsversorgung nicht unterschätzen.

Die chinesische Regierung hat viel Geld in die Forschung investiert und das Land verfügt über erhebliche Ressourcen, sowohl in Bezug auf Forschungsinstitute als auch auf Pharmaunternehmen.

Zum anderen sollten die drei Hauptregionen des Gesundheitswesens – die USA, Europa und Asien – nicht mehr als völlig getrennte Bereiche betrachtet werden.

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Im Gegenteil, noch nie gab es so viel Austausch von Forschung und Daten zwischen den Universitäten wie heute. Die Entwicklung der Impfstoffe gegen das Coronavirus zeigt beispielhaft, wie Unternehmen aus verschiedenen Kontinenten heute zusammenarbeiten.

Das war zum Beispiel der Fall zwischen dem amerikanischen Grosslabor Pfizer und dem deutschen Biotech-Unternehmen Biontech.

Die amerikanische Moderna arbeitet in der Produktion mit Lonza zusammen. Astrazeneca produziert ein von der Universität Oxford entwickeltes Medikament. Als Kooperationspartner können solche Unternehmen mehr erreichen als im Alleingang.

So hat Moderna zum Beispiel keine eigenen Produktionsanlagen und die Universität Oxford kein Netzwerk für die Impfstoffdistribution. Dank starken, sich ergänzenden Partnern können diese Schwächen ausgeglichen werden.

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Erholungsplan ermöglicht Chancen

Die Medizintechnikbranche dürfte eine starke Erholung erleben. Man denke nur an all die Operationen, die wegen der Pandemie im vergangenen Jahr verschoben werden mussten.

Deshalb werden nicht nur die innovativsten Unternehmen, sondern auch die Aktien von bewährten Unternehmen im Gesundheitssektor in den nächsten Jahren von einer Aufholjagd profitieren können.