Indien versucht Kapital aus dem US-chinesischen Handelskonflikt zu schlagen und lockt Grosskonzerne wie Apple und Volkswagen ins Land. Insgesamt neun Branchen hat die Regierung im Visier, wie aus Reuters vorliegenden Plänen hervorgeht und wie Kenner des Vorhabens bestätigen.

Neben der Elektronik-, Telekom- und der Auto-Industrie wird demnach unter anderem auch die Pharma-Branche angesprochen. Noch bis kommende Woche wollten Regierungsvertreter Unternehmen Vorschläge unterbreiten, wie sie ihr Geschäft aus der vom Handelsstreit mit den USA betroffenen Volksrepublik nach Indien verlagern können.

Der Disput zwischen den USA und China hat nicht nur zu höheren Zöllen auf Waren in Milliardenwert geführt, sondern wirkt sich auch negativ auf Zulieferketten aus. «Die Regierung sieht das als eine großartige Gelegenheit», sagte ein Vertreter der Auto-Industrie, der an einem Treffen mit indischen Repräsentanten teilgenommen hat.

Doch einige Experten werfen Indien vor, das Land verschlafe die Chancen, die der Streit der beiden weltgrössten Volkswirtschaften für den Subkontinent biete. So hätten Staaten wie beispielsweise Vietnam schneller reagiert und sich längst Fertigungsaufträge gesichert, die bisher für China bestimmt waren.

Apple und Volkswagen waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

(reuters/mlo)