Der Industriekonzern Sulzer schnallt den Gürtel enger. Der Bestellungseingang im ersten Quartal fiel zwar noch überraschend solid aus, die Aussichten für das zweite Quartal haben sich wegen der Corona-Pandemie aber verdüstert. Nun will das Unternehmen nicht zuletzt wegen des tiefen Ölpreises die Kosten senken und die Kapazitäten im Energiebereich abbauen.

Man gehe davon aus, dass die Covid-19-Pandemie im zweiten Quartal grössere Auswirkungen auf das Geschäft haben wird, teilte Sulzer am Dienstag mit. Ausserdem erwartet das Unternehmen Investitionskürzungen im Ölbereich und allgemein Auswirkungen des gesamtwirtschaftlichen Abschwungs.

Sulzer sieht sich mit einem Auftragsbestand von über 1,9 Milliarden Franken und einem starken Liquiditätspolster zu Beginn des zweiten Quartals zwar «gut gerüstet, um den durch Marktstörungen verursachten Risiken entgegenzutreten». Dennoch werden nun Massnahmen eingeleitet.

Ölpreise dürften bis weit ins Jahr 2021 tief bleiben

Der Investitionsaufwand soll demnach um 60 Millionen Franken gekürzt und auf die notwendigen Ausgaben für die Instandhaltung der Anlagen in der Höhe von 70 Millionen beschränkt werden. Auch den Betriebsaufwand will Sulzer um 60 Millionen reduzieren, namentlich durch «eine Kombination von temporären und strukturellen Massnahmen».

Wegen des Einbruchs der Ölpreise werden auch Kapazitäten abgebaut. Hohe Ölvorräte und eine geringe Nachfrage würden die Ölpreise noch bis weit ins Jahr 2021 hinein drücken und neue Projekte verzögern, heisst es dazu. Dementsprechend werden die Kapazitäten im Energiebereich um einen Drittel heruntergefahren; dies über strukturelle Massnahmen vorwiegend im Bereich Pumpen, aber auch im Bereich der Gruppenfunktionen. Sulzer hatte zwar in den vergangenen Jahren die Abhängigkeit vom Öl- und Gasmarkt verringert, machte damit im Geschäftsjahr 2019 aber noch immer mehr als einen Viertel seines Umsatzes.

Anzeige

Erwartungen der Analysten klar übertroffen

Das erste Quartal verlief aber wie eingangs erwähnt nicht schlecht und hat mit Blick auf den Bestellungseingang die Erwartungen der Analysten klar übertroffen. Konkret nahm der Auftragseingang um 1 Prozent auf 993,8 Millionen Franken zu. Werden Veränderungen im Portfolio sowie die Währungseffekte ausgeklammert lag das Plus gar bei 3,2 Prozent. In drei von vier Divisionen lagen die eingegangenen Bestellungen allerdings unter den Werten des Vorjahres. Für das Plus bei den Bestellungen war vor allem das Service-Geschäft verantwortlich.

Trotz des Covid-19-Lockdowns in China im Februar und einer hohen Vergleichsbasis im ersten Quartal 2019 sei das erste Quartal stark ausgefallen, schreibt Sulzer zum ersten Quartal. Gut lief es demnach im Öl- und Gasgeschäft, im Energiebereich und im Wassergeschäft. Dass die Aufträge nicht stärker zugenommen haben, ist auf den Wegfall zweier ausserordentlicher Grossaufträge im Bereich Wasserinfrastruktur vom Vorjahr zurückzuführen sowie auf negative Währungseffekte.

Prognose für das Gesamtjahr 2020 ausgesetzt

In der mit einem Bestellungseingang von 382 Millionen Franken grössten Sparte Pumpen zogen die Bestellungen organisch um 4,5 Prozent an und in der zweitgrössten Sparte Rotating Equipment Services (RES), welche Servicelösungen für rotierende Maschinen anbietet, um 12,7 Prozent. Rückläufig waren dagegen die Bestellungen in den Divisionen Chemtech und Applicator Systems, welche Geräte zum Auftragen von Flüssigkeiten etwa im Kosmetikbereich oder auch in der Chemie herstellt.

Sulzer stellt sich mit Blick auf die Corona-Krise auf eine schwierigere Zeit ein. Die bisherige Prognose für das Gesamtjahr 2020 wurde denn auch ausgesetzt. Gleichzeitig erwartet Sulzer, «dass sich die meisten unserer Märkte gemeinsam mit der Weltwirtschaft nach Covid-19 erholen werden, da zwei Drittel von Sulzer eine geringfügige Zyklizität aufweisen, darunter fast die Hälfte der Aftermarket-Aktivitäten». Um die Auswirkungen der Pandemie im Jahr 2020 abzuschätzen, sei es aber noch zu früh.

(awp/gku)