Der US-Präsident schrieb am Freitag auf Twitter: «Wir brauchen China nicht und offen gesagt würde es uns ohne sie sehr viel besser gehen. Unseren grossartigen amerikanischen Unternehmen wird hiermit befohlen, sofort nach einer Alternative zu China zu suchen». An die US-Unternehmen gerichtet erklärte Trump, sie sollten «ihre Firmen nach Hause holen und Ihre Produkte in den USA herstellen». Die Regierung in Peking hatte zuvor neue Zölle angekündigt. Trump kündigte an, darauf noch im Laufe des Tages zu antworten. Die Finanzmärkte reagierten mit Verlusten auf Trumps Äußerungen.

Dem Sender CNBC zufolge traf Trump sich nach den China-Tweets mit seinen Wirtschaftsberatern. Zunächst wurden keine Einzelheiten bekannt, wie Trump den Befehl zum Abzug aus China durchsetzen will. Der Präsident kann amerikanische Unternehmen nicht dazu zwingen, China zu verlassen. Experten nannten als mögliche Schritte Änderungen an den Steuervorschriften oder Sanktionen. Allerdings würde es Jahre dauern, die grössten Volkswirtschaften zu entflechten. Zu vielen chinesischen Produkten gibt es in den USA kaum Alternativen. Eine Verlagerung der Fertigung wichtiger Erzeugnisse könnte Jahre dauern und würde teuer werden. Die US-Handelskammer erteilte Trumps Rückzugsforderung eine klare Absage. 

Verwirrung bei Analysten

An der Wall Street drehte der S&P 500 ins Minus und lag im Verlauf 1,7 Prozent tiefer. Die Renditen der US-Staatsanleihen gaben ebenfalls nach, der Dollar büsste im Vergleich zu anderen Währungen an Wert. Auch der DAX rutschte ab. «Er scheint wütend zu sein, dass China auf das Vorgehen der USA reagiert hat, und hat im Prinzip einen Mini-Koller», erklärt David Katz, Investment-Manager bei Matrix Asset Advisors. «Es ist irrsinnig», erklärte Ken Polcari von Butcher Joseph Asset Management. «An einem Tag sagt er dir, alles läuft prima mit China, und heute sagt er, alle raus aus China».

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Die beiden grössten Wirtschaftsmächte der Welt überziehen sich seit Monaten mit Zöllen und Gegenzöllen. Zuletzt hatte Trump Anfang August den Konflikt trotz neuer Gespräche verschärft und angekündigt, auf Importe aus China im Volumen von 300 Milliarden Dollar Sonderzölle zu erheben. Die Einführung der neuen Abgaben verschob er allerdings. Sie sollten eigentlich ab September greifen.

(reuters/stm)