Erstmals seit über drei Jahren bewegt sich die Rendite der zehnjährigen Obligationen der Eidgenossenschaft wieder im positiven Bereich. Verantwortlich für den Renditeanstieg sind die weltweit steigende Inflation und das bevorstehende Ende der ultralockeren Geldpolitik wichtiger Zentralbanken.

Den Weg dafür geebnet hat die US-Notenbank Fed. Denn die Währungshüter der einflussreichsten Notenbank wollen die Inflation, die im November mit 6,8 Prozent den höchsten Stand seit 1982 erreicht hat, wieder in den Griff bekommen.

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Daher hat das Fed bei der jüngsten Sitzung im Dezember nicht nur angekündigt, dass die Anleihenkäufe früher als erwartet abgeschlossen werden sollen, sondern auch gleich für das laufende Jahr drei Zinserhöhungen signalisiert. Zudem drängen einige Mitglieder darauf, schon kurz nach der ersten Zinserhöhung mit der Verringerung der Bilanzsumme der Notenbank zu beginnen, womit auslaufende Anleihen nicht mehr ersetzt würden.

Lange Reihe von Krisen geht zu Ende

All dies hat sich weltweit auf die Kapitalmärkte in Form steigender Zinsen ausgewirkt. Obwohl vorläufig weder die Schweizerische Nationalbank (SNB) noch die Europäische Zentralbank (EZB) die geldpolitischen Zügel in nächster Zeit anziehen dürften, sind die Zinsen auch hier bereits deutlich gestiegen.

Der SNB-Kassazinssatz, der sich aus der Durchschnittsrendite für zehnjährige Bundesanleihen berechnet, notierte am Montag mit +0,066 Prozent erstmals seit dem 26. November 2018 wieder positiv. Und auch die zehnjährige Benchmarkanleihe der Eidgenossenschaft rentiert knapp im Plus. Die Renditen der kürzeren Laufzeiten sind aber zum Teil noch deutlich im Minus.

Ob die Phase negativer Zinsen also bald ganz zu Ende geht, muss sich erst noch weisen. Einiges spricht dafür, denn die negativen Zinsen sind ein Ausdruck der Krisen, die in den vergangenen Jahren immer wieder aufgetreten sind. Auf die Finanzkrise 2008 folgten die Eurokrise, der Handelskrieg der USA mit China und zuletzt nun die nicht enden wollende Coronapandemie.

Der Konjunkturmotor brummt

Inzwischen scheint die Weltwirtschaft aber wieder aus dem Gröbsten hinaus zu sein. Der Konjunkturmotor brummt dank der Lockerung von Pandemiemassnahmen und staatlicher Unterstützungsprogramme so stark wie seit Jahren nicht mehr. Das führt aber auch dazu, dass viele Unternehmen über Nachschub- und Lieferkettenprobleme klagen. Zudem sind die Rohstoff- und Energiepreise stark gestiegen und auch die Löhne ziehen wieder an, was die Inflation anheizt.

Gleichzeitig bleiben für die Konjunktur Gefahrenherde: So könnte die Bekämpfung der Coronapandemie für die Wirtschaft erneut einschränkende Massnahmen nach sich ziehen und so die wirtschaftliche Erholung bremsen. Und sollte die US-Notenbank zu forsch an der Zinsschraube drehen, könnte dies Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen.

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Wäre dies der Fall, dann würde das Fed wohl den Fuss rasch wieder vom Bremspedal nehmen, heisst es am Markt. Zudem halten die EZB und die SNB den Ball weiterhin mit dem Hinweis flach, dass die Inflation nur ein temporäres Phänomen sei. Die Sparer müssen wohl noch länger darauf warten, bis sie wieder etwas für ihr Geld erhalten werden.

(awp/gku)