Beim ersten Besuch eines Apple -Chefs in China stösst der neue Konzernlenker Tim Cook auf kräftigen Gegenwind. Im Streit um die Namensrechte für das iPad in China drohte das südchinesische Unternehmen Proview Shenzhen am Dienstag mit neuen rechtlichen Schritten gegen den Verkauf des beliebten Tablet-Computers in China. Auch überschattet die anhaltende Debatte über die Arbeitsbedingungen bei der Produktion von Apple-Produkten in China die Visite.

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Eine Konzern-Sprecherin gab sich verschlossen und bestätigte nur, dass Cook mit chinesischen Regierungsvertretern zusammengekommen sei. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino erwäge grössere Investitionen und rechne mit einem noch schnelleren Wachstum auf seinem grössten Markt ausserhalb der USA.

Millionenschwere Ansprüche gegen Apple

Proview Shenzhen, das Apple wegen des Markennamens iPad verklagt hat, hofft auf Verhandlungen mit Cook während seines Besuchs. «Wir wollen einen Kompromiss», beteuerte der Proview-Anwalt Xie Xianghui gegenüber der Nachrichtenagentur dpa in Peking. Bisher sei Apple aber nicht an sie herangetreten. Auf die Höhe der finanziellen Forderungen wollte sich der Anwalt nicht einlassen. In Presseberichten war von millionenschweren Ansprüchen die Rede.

«Solange es keinen Kompromiss gibt und eine Gerichtsentscheidung aussteht, werden wir rechtlich gegen jeden vorgehen, der das iPad weiterhin in China verkauft», warnte der Anwalt. Apple hatte 2009 die weltweiten Rechte für den Namen iPad von dem Schwesterunternehmen Proview Eletronics in Taiwan gekauft. Proview Shenzhen gibt aber vor, damit nichts zu tun gehabt zu haben. So ist der Name iPad in China weiter auf Proview angemeldet. Als Folge hatten Gewerbeämter in einigen Städten schon die Tablet-Computer aus den Regalen genommen.

Der neue Apple-Chef war am Freitag bereits in einem Pekinger Apple-Store gesichtet worden. Bislang wurde nur bekannt, dass Cook mit dem Pekinger Bürgermeister Guo Jinglong zusammengetroffen ist. Es sollte angeblich auch Gespräche mit den Telekommunikationsanbietern China Unicom und China Telecom geben.

Suchmaschine Baidu in der Diskussion

Berichte, wonach Apple auf seinen iPhone und iPads künftig die populäre chinesische Suchmaschine Baidu vorinstallieren will, wurden zunächst nicht bestätigt. Bisher werden die Geräte mit einer Google -Suchfunktion ausgeliefert, die ihre Ergebnisse aber nicht selbst zensiert. Dadurch können in China aus politischen oder anderen Gründen gesperrte Seiten nicht aufgerufen werden. Baidu liefert seinen Nutzern hingegen überhaupt nur zensierte Suchergebnisse.

Der Besuch von Cook löste Spekulationen unter chinesischen Apple-Fans aus, ob der Computerkonzern seine Produktpolitik ändern könnte. Es gibt Unmut, dass neue Produkte in China immer erst nach dem Start in den USA und anderen Ländern auf den Markt kommen, was den Schwarzmarkt blühen lässt. Beim Start des neuen iPhone gab es auch Krawalle vor einem Apple Store, als dieser wegen eines Ansturms von Kunden und Schwarzhändlern aus Sicherheitsgründen nicht öffnete.

Foxconn: Nach Selbstmorden in den Schlagzeilen

Der neue Apple-Chef Cook hat die Bedeutung Chinas als Zukunftsmarkt mehrfach hervorgehoben. Apple steht aber wegen der Arbeitsbedingungen, unter denen seine Geräte in China hergestellt werden, unter Druck. Nach Selbstmorden vor einem Jahr bei dem Auftragsfertiger Foxconn kommt das taiwanische Unternehmen nicht aus den Schlagzeilen heraus.

Unter der neuen Leitung von Cook wurde eine Kommission einer Arbeitsrechtsorganisation zu Ermittlungen bei dem weltgrössten Elektronikhersteller entsandt. Cook kennt die Fabriken gut: Er war jahrelang für das operative Geschäft zuständig, baute auch die Zulieferkette neu auf und hatte China in seiner damaligen Funktion schon mehrmals bereist. Sein Vorgänger, der im Oktober gestorbene legendäre Konzernchef Steve Jobs, hatte China nie besucht.

Angesichts der Vorwürfe gibt sich Foxconn verschlossen. Bemühungen der Nachrichtenagentur dpa, eines der Werke besichtigen zu können, blieben bislang ergebnislos. «Unglücklicherweise sind wir nicht in der Lage, ihre Bitte zu diesem Zeitpunkt zu erfüllen», erteilte eine Sprecherin der dpa in Peking eine Absage.

(vst/awp)