Elektromobilität ist auf dem VormarschMittlerweile kann sich jeder zweite Schweizer vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen. Soweit die Grundsatzerklärung. Im Alltag herrschen aber immer noch starke Vorurteile gegenüber der Technologie. Verbreitet ist der Glaube, dass Elektromobilität zu teuer sei, dass die Autos nicht weit genug kommen oder dass es zu wenige Ladestationen gibt.

Doch solche Vorurteile hätten nichts mit der Realität zu tun, sie würden aus einer längst vergangenen Zeit stammen: Dies meldet der Automobil-Verband TCS. Gemeinsam mit dem Verband Swiss eMobility hat er ein Argumentarium für das E-Auto erarbeitet. Demnach sind Elektrofahrzeugen vor allem deshalb so klischeebelastet, weil die Technologie eben neu ist.

Hier sind die gängigsten Vorurteile gegenüber der Elektromobilität und einige Fakten dazu.

1. Zu teuer: «Elektroautos sind ein Spielzeug für Reiche»

Ein Elektroauto kostet nach wie vor meist mehr als ein vergleichbares Modell mit Verbrennungsmotor. Dazu passt, dass Marktführer Tesla im Premium-Sektor aktiv ist – und dass gerade die deutschen Oberklasse-Hersteller wie Mercedes oder BMW mit besonders viel Verve an eigenen E-Modellen arbeiten.

Aber die Preise für Elektroautos purzeln. Vor allem die sinkenden Kosten für Lithium-Ionen-Batterien wirken sich aus. Über die gesamte Nutzungsdauer eines Elektroautos betrachtet ist das Resultat laut TCS eindeutig: Elektroautos sind in der Anschaffung teurer, aber à la longue fährt man billiger als mit einem Benziner. Schon ab 30'000 Kilometer wird es günstiger. 

INDIAN WELLS, CA - MARCH 05:  A Tesla Model X is displayed during the Citi Taste of Tennis at Hyatt Regency Indian Wells Resort & Spa on March 5, 2018 in Indian Wells, California.  (Photo by Rich Fury/Getty Images for AYS Sports Marketing)

Nur etwas für die Reichen? Ein gängiges Klischee über Elektroautos. 

Quelle: Getty Images for Citi
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2. Zu geringe Reichweite: «Ein Elektroauto geht nur in der Stadt oder als Zweitwagen»

In den letzten Jahren hat die Reichweite von Elektroautos stark zugenommen: Ein vollgeladener Tesla kommt inzwischen beinahe 500 Kilometer weit. Auf der anderen Seite legt der Durchschnittsmensch im Alltag 32 Kilometer pro Tag zurück. Da genügt jedes Elektroauto locker.

Auch E-Mittelklassewagen kommen mit einer Stromladung auf über 170 Kilometer. Und selbst wenn einem Gefährt auf der Autobahn die Kraft ausgeht, gibt es hierzulande – laut dem Verband Swiss eMobility – jetzt ein genügend ausgereiftes Schnellladenetz. Dabei kann man mit einem Schnellader sein Auto in rund zehn Minuten für eine Reichweite von rund 100 Kilometer «betanken».

An electric car is being charged at the electric vehicle charging station of the motorway service area Avry-devant-Pont, Switzerland, on April 29, 2019. (KEYSTONE/Christian Beutler)Ein Elektroauto wird aufgeladen am 29. April 2019 an der Raststaette Gruyere in Avry-devant-Pont. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Aufladestation für Elektroautos an einer Stromtankstelle in der Schweiz. 

Quelle: Keystone

3. Ladezeiten und Ladestationen: «Ein Elektroauto braucht für eine volle Batterieaufladung viel zu lange»

Laut dem Verband sind Elektroautos ohnehin nicht dazu ausgelegt, an eine Tankstelle zu fahren: Das sei die Ausnahme. E-Autos werden grundsätzlich dort geladen, wo sie länger stehen, also in der Garage oder vor dem Büro. Zahlreiche Leute laden schliesslich ihr Handy auch über Nacht auf, nicht tagsüber, wenn es gerade leer ist.

Und auch sonst ist es ein Mythos, dass zu wenige Ladestationen existieren, so dass man am Ende mit seinem Gefährt im Nirgendwo stehenbleibt: In der Schweiz gab es schon Ende 2018 über 5000 Ladestationen.

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Zwei Elektroautos werden an einer IWB Ladestation aufgeladen an der Solothurnerstrasse in Basel, am Montag, 3. Juni 2019. Die oeffentlich zugaenglichen Ladestationen sind Teil des europaweiten Ladenetzes von Swisscharge. Die Ladestationen sind mit Parksensoren ausgestattet, damit ueber swisscharge.ch die Verfuegbarkeit eingesehen werden kann. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Zwei Elektroautos werden an einer IWB Ladestation aufgeladen in Basel.

Quelle: Keystone

4. Schwächelnde Batterien: «Die Speicherleistung von Batterien genügen nicht»

Forscher arbeiten mit Hochdruck an leistungsfähigen Lithium-Ionen-Batterien und haben in den letzten Jahren beachtliche Erfolge erzielt. Der ADAC bezeichnet den BMW i3 beispielsweise als «zuverlässig». Nach 84'000 km verfügt das Testfahrzeug noch über 93 Prozent seiner ursprünglichen Reichweite mit derselben Batterie. Beim Nissan Leaf waren es nach 100' 000 Kilometern noch über 85 Prozent.

Die meisten Hersteller gewähren auf Batterien zudem eine lange Garantie. Beim «Leaf» etwa sind es 160'000 Kilometer. Daneben arbeiten die Autohersteller auch an neuen Batterie-Technologien – beispielsweise soll der Kobalt-Anteil künftig abnehmen. 

Photo taken in Zama, Kanagawa Prefecture, eastern Japan, on Sept. 13, 2019, shows an lithium-ion battery for use in electric vehicles. The Royal Swedish Academy of Sciences announced on Oct. 9 that Akira Yoshino, John Goodenough and Stanley Whittingham won this year's Nobel Prize in chemistry for their contribution to the development of lithium-ion batteries. (Photo by Kyodo News via Getty Images)

Lithium-Batterie zur Verwendung in einem Elektroauto. 

Quelle: Kyodo News via Getty Images
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Wie grün sind Elektroautos?

Elektrofahrzeuge fahren leise und stossen keine Abgase aus. Trotzdem sind sie nicht per se ökologisch. Ihre Herstellung und die Rohstoffgewinnung für die Batterie belasten die Umwelt. Grossen Einfluss auf die Ökobilanz hat zudem die Herkunft des Stroms für den Betrieb. Das zeigen ein im September publiziertes Faktenblatt und ein Hintergrundbericht des Bundesamts für Energie (BFE). Laut diesen belastet die Herstellung von Batterie- und Brennstoffzellen-fahrzeugen die Umwelt stärker als die eines Autos mit Verbrennungsmotor. Verantwortlich dafür ist vor allem die Produktion der Lithium-Ionen-Batterie.

Diese Mehrbelastung gleicht sich aber während der Nutzungsdauer aus. Dabei gilt: je umweltfreundlicher der Strom, desto schneller. Wenn mit zertifiziertem Strom – oder beim Brennstoffzellenauto mit Wasserstoff – gefahren wird, kompensiert sich die zusätzliche Umweltbelastung aus der Herstellung bei handelsüblichen Batterien nach 50'000 Kilometern. Die Lebensdauer des Stromspeichers beträgt rund 150'000 Kilometer. Faktenblatt und Hintergrundbericht des BFE zeigen aber auch, dass vor allem bei der Batterieproduktion noch Potenzial besteht, um die Umweltbelastung von Elektroautos zu senken. Einerseits indem bei der Herstellung möglichst Ökostrom verwendet würde, anderseits durch eine grundsätzlich saubere Produktion, effiziente Recyclingverfahren oder die Weiternutzung der Akkus nach der Fahrzeugverschrottung. Hierzu laufen Versuche, Altbatterien als Stromspeicher für Solaranlagen weiterzuverwenden. Damit würde sich die Lebensdauer auf gut 30 Jahre verdoppeln und die Umweltbilanz nochmals wesentlich besser ausfallen.

5. Elektroautos sind gefährlich: «Sie geraten leicht in Brand»

Die Medien berichten engagiert über brennende Teslas. Fakt ist aber, dass Elektroautos seltener in Brand geraten als Autos mit Verbrennungsmotoren – auch prozentual gesehen: Bei Elektroautos mass man zwei Brände pro gefahrene Milliarde Kilometer, bei Verbrennern über 90.

Fahrzeugbrände sind bei Elektroautos zwar möglich, insbesondere durch eine Verformung der Batterie bei einem Unfall. Der deutsche Automobilclub ADAC bezeichnet dieses Risiko aber als «vergleichsweise gering». Der Hochvolt-Betrieb der Batterie werde bei einem Unfall sofort unterbrochen.

Elektroautos sind aber auch so sicherer bei Unfällen: Der Akku auf dem Fahrzeugboden hält das Auto stabiler auf der Strasse, und es kann kein Motorenblock in den Fahrer geschleudert werden.

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CRAWLEY, WEST SUSSEX - MARCH 02: (UK OUT)  Firefighters attend an incident at a Tesla dealership on March 2, 2019 in Crawley, West Sussex, England.  (Photo by Eddie Mitchell/Getty Images)

Brand in einer Tesla-Garage im britischen Sussex. 

Quelle: Getty Images

6. Elektroautos sind gar nicht umweltfreundlich: «Die Batterieherstellung belastet die Umwelt»

Schwedische Wissenschaftlers haben kürzlich die Batterie-Produktion von Elektroautos genauer analysiert. Sei stiessen auf ein überraschendes Ergebnis: Die Belastung der Umwelt war bedeutend geringer als noch zwei Jahre zuvor, so die Forscher des «IVL Swedish Environmental Research Institute».

Eine klare Aussage ist allerdings nach wie vor schwierig. Man kann die Ökobilanz eines Elektroautos nicht einfach so bestimmen, sondern muss sie aufgliedern: Was braucht es für die Herstellung der Komponenten im E-Auto? Wie kann das Fahrzeug mit Energie versorgt werden? Wie wird das Auto schliesslich rezykliert? Der TCS schreibt dazu: Je ökologischer die verwendete Primärenergie eingesetzt wird, desto besser ist die Umweltbilanz des Autos

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Ein Kind spielt mit einem Elektroauto vor der Abgabe von gesammelten 1728 Petitionsunterschriften gegen den geplanten Formel E-Prix im kommenden Jahr am Mittwoch, 14. November 2018, im Erlacherhof in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Ein Kind spielt mit einem Elektroauto vor der Abgabe von gesammelten Petitionsunterschriften gegen den geplanten Formel E-Prix.

Quelle: Keystone
Statista_Autozulassung

Daten von Statista und der Autherstelellervereinigung ACEA zeigen: Der Anteil von Elektroautos an den Gesamtzulassungen ist in Europa nach wie vor gering. Die Schweiz gehört mit über 10 Prozent eher zu den Vorreitern. 

Quelle: Statista
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Daten und Fakten über die E-Mobilität in der Schweiz

Daten und Fakten über die E-Mobilität in der Schweiz.

Quelle: Swissemobility