Er war einer der prägenden Figuren des Schweizer Bankenplatzes im 20. Jahrhundert. Am Sonntag ist Hans Vontobel, ehemaliger Leiter und amtierender Ehrenpräsident des gleichnamigen Zürcher Bankhauses, im hohen Alter von 99 Jahren verstorben.

Geboren 1916 in Zürich, absolvierte Hans Vontobel ein Studium der Rechtswissenschaft und machte anschliessend ein Praktikum bei der Privatbank Pictet & Cie in Genf. Nach seiner Promotion trat er 1943 in die damalige Bank J. Vontobel & Co. ein, die sein Vater Jakob aufgebaut hatte.

Eingespannt und engagiert

Acht Jahre später wurde er zum Juniorpartner ernannt. Daneben war er Verwaltungsrat der Schweizerischen Bankiervereinigung und der «Neuen Zürcher Zeitung» sowie Präsident der Zürcher Börse und der Handelskammer Schweiz-Deutschland.

Hans Vontobel hatte drei Kinder. Sein Sohn Hans-Dieter trat 1972 in die Bank ein, worauf bis zum Tod des Seniors 1976 drei Generationen an der Zürcher Bahnhofstrasse wirkten. 1981 übernahm Hans Vontobel das Präsidium des Verwaltungsrats. Drei Jahre später wurde die Bank in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Humanist und Bankier in Person

Er wirkte auch als Buchautor und Publizist und fiel durch sein soziales Engagement auf. Hans Vontobel gründete die Vontobel-Stiftung zur Unterstützung gemeinnütziger Projekte, die Stiftung für das kreative Alter sowie die Stiftung Lyra zur Förderung junger Musiktalente.

«Hans Vontobel war nicht nur einer der bedeutenden Bankiers unseres Landes. Er war darüber hinaus überzeugter Humanist, der den Menschen ins Zentrum seiner Gedanken setzte. Als unabhängig denkender, weitsichtiger Ratgeber und neugieriger Weltenbürger wird er uns stets Vorbild bleiben», wird der Verwaltungsratspräsident der Vontobel Bank Herbert J. Scheidt in einer Mitteilung am Montag zitiert.

Die Familiennachfolge ist gesichert

Noch im Dezember meldete sich Hans Vontobel anlässlich des Einzugs der vierten Generation der Eigentümerfamilie in den Verwaltungsrat der Bank zu Wort: «Mit Maja Baumann und Björn Wettergren übernimmt die nächste Generation unserer Familien Verantwortung in dem Unternehmen, das auf einem soliden geschäftlichen und personellen Fundament steht», liess sich Hans Vontobel damals zitieren.

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Er sei glücklich über das Engagement der beiden, denn das sei wichtig, wenn Vontobel ein Familienunternehmen bleiben wolle. Mit der Übertragung seiner Anteile an eine Stiftung und an eine Familienholding stellte Hans Vontobel die Unabhängigkeit des Unternehmens frühzeitig sicher. Die Familie hält direkt und über verschiedene Anlagevehikel die Mehrheit an der Bank.

Sein direkter Familienzweig ist bei der Bank nicht mehr unmittelbar involviert. Sohn Hans-Dieter hat 2002 die Bank und zwischenzeitlich auch die Schweiz verlassen. Inzwischen ist der ehemalige Banker zurück und macht sich in einer neuen Branche einen Namen – sein Wein wurde sogar vom Master of Wine, Philipp Schwander, als beeindruckend gelobt.

Die Bank verliert eine wichtige Klammer

Mit Bezug auf die Bank stellt sich nun die Frage, wie es nach dem Tod des Grossaktionärs Hans Vontobel weitergeht. Während für die einen Beobachter klar scheint, dass Strategie und Ausrichtung des Geldhauses auch in Zukunft Bestand haben, glauben andere an weitreichende Veränderungen. Selbst wenn der verstorbene Vontobel zuletzt nur noch als Ehrenpräsident fungierte, hatte er als Oberhaupt der weitverzweigten Familie doch offenbar entscheidenden Anteil daran, die Mitglieder hinter der Bank und ihrer Strategie zu scharen.

«Mit dem Tod des alten Patrons hat die Firma die Klammer verloren, die alles zusammengehalten hat», sagte ein Händler gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Er rechnet damit, dass andere Institute nach der Zürcher Bank oder Teilen davon greifen könnten. Andere glauben indes an keinen Kurswechsel: «Die rund 15 Mitglieder der Familie sind per Aktionärsbindungsvertrag an das Unternehmen gebunden», sagte ein Analyst gegenüber handelszeitung.ch.

(sda/reuters/jfr/me/moh)