In Japan sind sie so allgegenwärtig wie Ampeln: Verkaufsautomaten. Mit fast fünf Millionen «jido hambaiki» ist die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt gepflastert. Auf rund 25 Einwohner kommt ein Automat, womit die fernöstliche Hightech-Nation weltweit die höchste Dichte an Verkaufsautomaten hat.

Rund die Hälfte davon sind Getränkemaschinen. Bis zu 30 verschiedene Getränke haben solche Maschinen im Angebot - Wasser, Softdrinks, grünen Tee, Suppen und heisse Kaffeedosen, von bitter bis süss, mit Milch oder ohne. Alles in ein einem Automaten. Praktischer geht es nicht.

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Boom vorbei

 

Die Boomzeiten der «jido hambaiki» aber scheinen vorüber. Convenience Stores, 24 Stunden-Supermärkte, machen den Automaten zunehmend Konkurrenz. Doch die Hersteller wollen den «kombini» Paroli bieten.

«Früher habe ich Dosenkaffee getrunken», erzählt ein Büroangestellter in Tokio. Doch inzwischen böten die Läden frisch gemahlenen Kaffee an. Und der sei nicht nur günstig, sondern schmecke auch besser als der Dosenkaffee aus den Automaten.

Das bekommen die Getränkehersteller zu spüren: Im vergangenen Jahr sank der Umsatz mit Getränkeautomaten auf zwei Billionen Yen (17,6 Milliarden Franken). 1995, als die «jido hambaiki» ihren vorläufigen Zenit erreicht hatten, waren es noch 3,1 Billionen Yen Umsatz gewesen.

Kauften die Japaner Mitte der 1990er Jahre noch 48 Prozent ihrer Erfrischungsgetränke an Automaten, waren es im vergangenen Jahr nur noch 29 Prozent, wie aus Statistiken des Getränke-Forschungsinstituts Inryo Soken hervorgeht.

Damit liegen die Automaten nur noch knapp vor den Kombini-Märkten, auf die 22 Prozent entfielen. Die Zahl der Getränkeautomaten hat sich von 2015 auf 2016 um 2,9 Prozent auf noch 2,47 Millionen Getränkeautomaten reduziert.

Ähnliche Entwicklung in der Schweiz

Eine ähnliche Entwicklung gibt es auch in der Schweiz. So sind gemäss einer Statistik des Vending Verband Schweiz VVS die Zahl der Automaten von 50'860 im Jahr 2008 auf noch 48'240 im Jahr 2015 gesunken. Den stärksten Rückgang verzeichnete der Verband bei den Instant-Automaten, also den Getränkeautomaten, die mit Pulver und Wasser Heissgetränke herstellen. Die Zahl der Bohnenkaffee- und Snack-Automaten dagegen ist angestiegen.

Ein Grund für diesen Anstieg dürfte sein, dass die Schweizer Automatenbranche Bohnenkaffee- und Snackautomaten vermehrt in Betrieben und in Läden betreiben. Tankstellenshops und Bahnhofläden sind denn auch nicht nur Konkurrenten der Automatenbranche. Sie sind teilweise Partner, wie der VVS auf Anfrage schreibt. Die Verbandsmitglieder streben laut VVS zudem weitere solche Kooperationen an.

In Japan dagegen versuchen die Automatenbetreiber vor allem mit neuen Angeboten den Niedergang zu stoppen. Neben den klassischen Getränkeautomaten gibt es bereits heute noch einmal so viele Maschinen, die die unterschiedlichsten Produkte anbieten: Von Glace, Gemüse und Obst, Taschentüchern, Instant-Nudeln mit gekochtem Wasser, Batterien, Strümpfen bis hin zu Kondomen und Porno-Zeitschriften.

Die Industrie treibt dabei auch die Digitalisierung voran. So gibt es Automaten, die sich mit den Kunden unterhalten und ihnen passende Getränke empfehlen. Kameras mit Gesichtserkennungssoftware "erkennen" dann mit hoher Wahrscheinlichkeit das Geschlecht und Alter der Kunden, der Automat bezieht auch die Tageszeit und Aussentemperatur in seine Empfehlung ein.

Ebenfalls startete die Branche den Versuch mit Automaten Katastrophenhilfe zu leisten. Nach der Tsunami-Katastrophe im März 2011 kamen im Nordosten zum Teil Getränkeautomaten bei der Trinkwasserversorgung zum Einsatz. Andere verbreiten über angebrachte Displays Nachrichten und notfalls auch Anweisungen zur Evakuierung. Selbst an die Installierung von medizinischen Geräten zur Behandlung von Herzrhythmusstörung wird gedacht.

(sda/chb)