Greenpeace reichts mit den Retouren bei Amazon, dem grössten Onlinehändler in Deutschland. Mit dem Aufruf «Sei kein #Retourensohn» will die Umweltschutzorganisation mit mehrdeutigen Worten gegen den Giganten aus den Vereinigten Staaten vorgehen und die Konsumenten wachrütteln.

Die Plakat-Kampagne ist am Dienstag in Hamburg gestartet und soll in ganz Deutschland ausgerollt werden, wie das Branchenmagazin «Horizont» berichtet. Greenpeace wolle damit auf die Umwelt- und Klimafolgen von Retouren aufmerksam machen, aber auch das Geschäftsmodell der grossen Onlinehändler sowie das Konsumverhalten von «Heavy Shoppern» in Frage stellen, heisst es.

Greenpeace-Kampagne

Das Plakat der Greenpeace-Kampagne.

Quelle: Horizont
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Zudem würden Onlinehändler nach wie vor Retouren vernichten, schreibt Greenpeace – ein Problem, auf welches die Organisation seit Jahren aufmerksam macht. Im Sommer 2018 zeigte sie auf, dass Amazon Deutschland eine grosse Menge an retournierter Neuware vernichtet.

Neben der Plakatkampagne hat Greenpeace ein Video auf Youtube lanciert. Dort ist ein Gespräch zwischen einer Frau und Alexa, dem Sprachassistenten von Amazon zu sehen. Die Kernaussage lautet: «Deine Rücksendung ist für dich kostenlos – den Preis zahlt die Umwelt». In bewährter «Adbuster»-Manier verfremdet Greenpeace Deutschland das Amazon Logo: Von «Amazon Prime» zu «Amazon Crime».

Acht Millionen Pakete von Zalando gehen nach Deutschland zurück

Retouren sind aber selbstverständlich nicht nur in Deutschland ein Umwelt-Thema, sondern genauso in der Schweiz. Die E-Commerce-Beratungsfirma Carpathia schätzt, dass der grösste Onlinehändler in der SchweizZalando – im Jahre 2018 rund 13,3 Millionen Pakete in die Schweiz geschickt hat. Davon seien rund 60 Prozent wieder zurückgegangen. Das sind acht Millionen Pakete. 

Yves Zenger, Mediensprecher von Greenpeace Schweiz, begrüsst die Kampagne in Deutschland: «Das ganze Kauf- und Wegwerf-Karussell ist ein riesiges Problem, sozial wie ökologisch», kommentiert er die Retourenpolitik der Onlinehändler.

Für alle Onlinehändler ein Thema

Hierzulande konzentriert sich Greenpeace aber auf ein leicht anderes Thema: «Wir fokussieren uns im Moment darauf, die Lebensmittel- und Konsumgüterbranche zu neuen alternativen Verpackung- und Liefersystemen zu bewegen, die auf Mehrweg statt Einweg basieren», sagt Zenger. Das schliesse aber die Online-Händler mit ein, sagt Zenger. «Deren Umgang mit retournierten Waren könnte darüber hinaus durchaus auch einmal ein Thema sein für uns.»

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Auch wenn Amazon in der Schweiz nicht so eine gewichtige Rolle spielt wie in Deutschland, präzisiert Zenger: «Was für Amazon gilt, gilt auch für Zalando & Co.»

(tdr/ag)