Fussballer sind auch Influencer. Das gilt auch für Kickerinnen. So hat die Nati-Spielerin und Aston-Villa-Legionärin Alisha Lehmann mit derzeit 13,4 Millionen Followern eine grössere Instagram-Anhängerschaft als der wohl bekannteste Schweizer Sportler «ever»: Roger Federer.

Der «Goat», «the greatest of all time» der «Kickfluencer» ist aber ein anderer, nämlich Cristiano Ronaldo. Der portugiesische Stürmer – derzeit bei Al-Nassr in Saudi-Arabien unter Vertrag – kommt mit seinen Kanälen auf Facebook, Instagram und Twitter auf 852 Millionen Follower. Auf Platz zwei folgt Dauerrivale Lionel Messi, der nun in die USA zu Inter Miami wechselt. Er hat einen Rückstand von über 250 Millionen virtuellen Fans.

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Die Königlichen führen vor Barcelona

Mit der Social-Media-Wucht der beiden Langzeitgegner um die Krone des besten Fussballers können die bekanntesten Fussballclubs der Welt nicht mithalten, wie aus einer Auswertung des CIES Football Observatory hervorgeht. Das Internationale Zentrum für Sportstudien (CIES), eine unabhängige Forschungs- und Bildungsorganisation aus Neuchâtel, analysierte die Kanäle der Clubs auf Twitter, Instagram, Facebook und Tiktok, um dann ein Ranking der hundert Vereine mit der grössten Anhängerschaft auf diesen Plattformen zu erstellen.

Das Ergebnis: Die beiden spanischen Konkurrenten Real Madrid und FC Barcelona liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Und der Sieger ist:  Real Madrid. Die Königlichen aus der Hauptstadt vereinen laut CIES insgesamt 363 Millionen Follower auf sich. Dahinter folgt mit dem FC Barcelona der Champions-League-Sieger bei den Frauen und Meister bei beiden Fanionteams mit 342 Millionen. 

Der einzige andere Club, der die 200-Millionen-Grenze ebenfalls geknackt hat, ist der englische Traditionsverein Manchester United mit einer Follower-Zahl von 206 Millionen. Erst auf Platz sieben kommt der Stadtrivale Manchester City, der unter anderem dank grossen Finanzspritzen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten diese Saison das Triple aus Meisterschaft, Cup und Champions League gewonnen hat. 

Den vierten Platz belegt mit Paris Saint-Germain ein Club, der im Vergleich zu den Fussballclubs vor ihm auf weniger Tradition zurückgreifen kann – ein Wert, der im oftmals konservativen Fussball eine grosse Bedeutung hat. Jedoch hat der erst 1970 gegründete Pariser Nobelclub mit dem Geld der katarischen Besitzer immer wieder Topstars wie Zlatan Ibrahimović, Neymar, Kylian Mbappé und Lionel Messi in die französische Metropole geholt, was ihn zu einem Edel-Brand der Strasse gemacht hat. Rapper tragen in ihren Bling-Bling-Musikvideos PSG-Trikots, Influencer präsentieren sich ihrer Gefolgschaft im dunkelblauen PSG-Trainer.

Generell dominieren Clubs aus den fünf grossen Ligen Europas die Spitzenpositionen. In den Top Ten finden sich fünf Teams aus England, zwei aus Spanien sowie je ein Club aus Frankreich, Italien und Deutschland. Der erste nichteuropäische Verein ist Flamengo auf Platz 14 mit 49,7 Millionen Followern. Der Club aus Rio de Janeiro, bei dem Legenden des Sports wie Zico (der weisse Pelé), der Fussballphilosoph Sócrates und der Ballakrobat Ronaldinho gespielt haben, ist einer der beliebtesten Vereine im fussballverrückten Brasilien. 

Auf den 17. Platz hat es Afrikas Topclub geschafft: Al Ahly. Der Club aus Kairo hat vor Kurzem die afrikanische Champions League gewonnen – unter der Führung des Zürcher Trainers Marcel Koller. Generell ist Al Ahly ein gutes Pflaster für Schweizer Übungsleiter. Der Winterthurer René Weiler gewann während seiner 14-monatigen Amtszeit bei den Ägyptern die Meisterschaft, bevor er im Sommer 2020 seinen Rücktritt verkündete. 

Fussball ist ein globaler Sport

Das CIES-Ranking ist ein guter Beleg dafür, welche globale Kraft der Fussball geworden ist. Unter den Top 100 sind auch Clubs aus Saudi-Arabien, Indonesien, Argentinien, den Niederlanden, Mexiko, Portugal, Iran, Tansania, Südafrika, Marokko, Kolumbien, Ecuador, Indien, den USA, Chile, Russland und Schottland. 

Die meisten Clubs in der Rangliste – insgesamt sind es sechzehn –  stellt das Fussball-Powerhaus Premier League, das die Strahlkraft der englischen Liga mit ihren steinreichen Vertretern widerspiegelt. Dahinter folgt mit dreizehn Vereinen die spanische La Liga, knapp vor Brasiliens Série A mit zwölf Repräsentanten. Von den total sieben Ligen, die mit mindestens fünf Clubs im Ranking vertreten sind, stammen fünf aus Europa. Neben der brasilianischen hat es die mexikanische Liga in diese elitäre Auswahl geschafft.

Aus den USA führt das Centre International d'Etude du Sport nur Los Angeles Galaxy in seiner Liste. Diese ist aber nicht mehr ganz aktuell, hat doch Inter Miami jüngst vom Lionel-Messi-Effekt profitiert. Seit der argentinische Megastar zur Franchise aus Florida gewechselt ist, hat das MLS-Team auf seinen Social-Media-Kanälen stark zugelegt – und zwar um satte 564 Prozent. Vor dem Transfer Messis am 8. Juni hatte der Club Internacional de Fútbol Miami, wie der Club offiziell heisst, auf seinen Accounts bei Facebook, Instagram, Twitter und Tiktok insgesamt knapp 2,4 Millionen Follower. Jetzt sind es bereits rund 13,5 Millionen. Das spült ihn gleich in die Top 40 der Fussballvereine mit den grössten Anhängerschaften auf Social Media. 

Auf den Meta-Plattformen hat Inter Miami auch die lokale Sportkonkurrenz aus dem Basketball überholt. Miami Heat kommt – Facebook und Instagram zusammengenommen – auf rund 7 Millionen Follower. Der Fussballclub, der einer Investorengruppe um den früheren Superstar David Beckham gehört, hat bereits über 9 Millionen Fans auf den zwei Social-Media-Diensten.

Aus der Schweiz hat nur der FC Basel internationales Flair

Im CIES-Ranking gar nicht vertreten sind Schweizer Fussballclubs. Der FC Basel, der hiesige Club mit der grössten internationalen Ausstrahlung, kommt auf den vier Social-Media-Plattformen zusammengenommen immerhin auf eine Gefolgschaft von rund 2,3 Millionen Fans, wie eine eigene Recherche ergeben hat. Der aktuelle Meister YB aus Bern vereint bloss 650’000 Follower auf sich, was ihn aber dennoch zum zweitbeliebtesten Super-League-Club in den sozialen Medien macht.

Die graue Social-Media-Maus der höchsten Schweizer Fussballliga ist der FC Winterthur. Der Club aus der Eulachstadt, der letztes Jahr aufgestiegen ist, hat auf Facebook und Instagram insgesamt knapp 30’000 Follower. Gleich fünf Vereine, die die letzte Saison in der Challenge League verbracht haben, sind auf den digitalen Plattformen erfolgreicher. So vereint etwa der Aufsteiger Lausanne-Sport über 100’000 Follower auf sich.

Neuchâtel Xamax, das nur knapp den Ligaerhalt geschafft hat, kommt auf rund 54’000 Fans auf Social Media. Hingegen haben die beiden weiteren Aufsteiger Yverdon-Sport und Stade Lausanne Ouchy keine grosse Anhängerschaft auf Facebook, Twitter und Co.

Michael Hotz
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