▶︎ Endlich wieder in die Ferne reisen: Travel-Boom ab Sommer

Nach all den Monaten in den heimischen vier Wänden und nachdem wir die nähere Umgebung nun wirklich ausreichend kennengelernt haben, lässt sich die Sehnsucht nicht länger bändigen. Sobald das Virus mit Impfungen und besseren Wetterbedingungen in die Schranken gewiesen ist, explodiert die aufgestaute Reisenachfrage.

Impfnachweise und umfangreiche Tests machen es möglich: Endlich rekeln wir uns wieder im heissen Mittelmeersand, stürzen uns in salzige Wellen, spülen bei Sonnenuntergang am Strand von Pampelonne frische Meeresfrüchte mit kühlem Rosé hinunter oder schaukeln auf Bali in der Hängematte. Und bei aller Liebe für die Familie: Ein Businesstrip mit schickem Hotel und gutem Essen auf Firmenkosten ist auch nicht zu verachten. Zoom ist out, Reisen sind wieder in. Florian Fels

▶︎ Dieses Jahr kommt das Fleisch aus dem Labor auf den Markt

Fleisch, für das kein Tier sterben muss: Das dürfte dieses Jahr auf unseren Tellern Wirklichkeit werden. Mehrere Startups wie das niederländische Mosa Meat (mit Investor Bell), das israelische Aleph (mit Migros) und weitere Tüftler wie der ehemalige Migros-Mann David Brandes von Peace of Meat in Genf liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das erste im Bioreaktor hergestellte, schlachtfreie Fleisch.

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Fleisch aus dem Bioreaktor

Im Labor kultiviertes Fleisch zählt zu den vielversprechendsten Zukunftstrends in der Nahrungsmittelindustrie. 

Quelle: Getty Images/iStockphoto

Grosses Plus des unblutigen Fleischgenusses: Kultiviertes Fleisch ist keine Fleischalternative wie die pflanzlichen Burger, das Geschnetzelte und Gehackte, mit dem uns Nestlé, Hilcona und andere beglücken, sondern Fleisch-Fleisch. Ein Nachteil ist der grosse Energieverbrauch. Zudem haben die pflanzlichen Alternativen ein potenziell besseres Ernährungsprofil. Wer das Rennen machen wird? On verra.

Seraina Gross

▶︎ Wohneigentum abseits der Agglomerationen wird teurer

Noch gibt es zwar das günstige Häuschen auf dem Land. Ausserhalb der Agglomerationen bekommt man für den gleichen Preis doppelt bis dreimal so viel Wohneigentum wie in den Zentren. Doch Corona treibt die Leute aus den Städten. Weil sie im Homeoffice sind und darum viel weniger an ihren Arbeitsort pendeln müssen, können sie ihren Lebensmittelpunkt weit draussen im Grünen wählen. Und die Heimarbeit wird mit dem Ende der Pandemie nicht vorbei sein.

Dank Telekommunikation wird die tägliche Reise ins Büro seltener als zuvor nötig werden. Gemäss dem Wohnimmobilienpreisindex des Bundes stiegen die Preise für Einfamilienhäuser auf dem Land im dritten Quartal 2020 bereits um 2,2 Prozent. Zentrumsnähe wird künftig wohl nur noch einer unter mehreren Faktoren sein, die Wohneigentum teuer machen.

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Alex Reichmuth

▶︎ Das Warenhaus aufersteht von den Totgesagten

Kaum ein Handelsformat wurde schon so oft abgeschrieben wie das Warenhaus. Zu beliebig im Sortiment, digital nicht sattelfest, mit zu grossen Flächen aus der Zeit gefallen – so die gängigen Urteile. Tatsächlich litten einige Konsum-Supertanker in der Pandemie. Viele davon nutzten aber die Zeit, ihre Abläufe schlanker zu gestalten, online aufzuholen – und zu investieren.

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Die neuen Globus-Besitzer Signa und Central Group versprechen, in den nächsten Jahren 300 Millionen Franken in die zehn Globus-Warenhäuser zu stecken. Dies führt in der ganzen Kategorie zu einem Beauty-Contest. Will heissen: Auch die Globus-Rivalen hübschen ihre Warenhäuser so auf, dass sie dem neuen Einkaufsverhalten ihrer Kundinnen und Kunden genügen – und deren Erwartungen übertreffen. Analog wie digital.

Andreas Güntert

▶︎ Massenentlassungen und eine Bankrottwelle bei kleinen Firmen

Der Shutdown kontaktintensiver Branchen wie Gastronomie, Non-Food, Event, Reisen und Fitness wird bis in den Mai anhalten. Mit einer wirtschaftlichen Erholung ist ab Juni zu rechnen. Erst dann werden höhere Aussentemperaturen die Infektionswelle bremsen. Der kumulierte Umsatzeinbruch der Monate November bis Mai wird Zehntausende Kleinunternehmen in den Ruin treiben.

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Siegel-Kleber des Konkursamtes Zuerich (Altstadt) lagern in einer Schublade, fotografiert am 25. November 2020 auf dem Notariat, Grundbuch- und Konkursamt Zuerich (Altstadt) in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Zehntausende KMUs stehen seit der Pandemie vor dem Ruin. 

Quelle: Keystone

Es wird vor allem Kleine treffen, den mittelgrosse und grosse Firmen finden einen Ausweg, sei es mittels betrieblicher Querfinanzierung, mittels Massenentlassungen oder mittels Staatsrettungen. Oder mittels eines Bluffs: Rund vier Dutzend Fussball- und Hockey-Proficlubs haben sich 175 Millionen Franken Staatsgelder gesichert. Der Bluff: Man sei unentbehrlich für die Förderung von 200'000 Kindern.

Andreas Valda

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▶︎ Schweizer Chefs bekommen erstmals nicht mehr Geld

Die Lohnanstiege der Schweizer Kader gehen seit dem Jahr 2010 zurück. Während vor zehn Jahren noch 3 Prozent pro Jahr normal waren, dümpeln die Anstiege seit 2015 bei maximal 1,2 Prozent. Das zeigt die Analyse von jährlich etwa 15'000 Lohndaten, welche die «Handelszeitung» und die Beratungsfirma Kienbaum durchführen. Jetzt könnten die Anstiege zum ersten Mal seit Beginn der Lohnanalysen den Nullpunkt erreichen.

Geldbuendel mit Schweizer Franken liegen auf einem Tisch, am 22. August 2019 in Colderio . (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Lohnanalysten prognostizieren ein Rekordtief für Boni.

Quelle: keystone-sda.ch
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Empfindlich treffen dürfte viele Kader auch, dass sie durch die Wirtschaftskrise kaum in der Lage sind, ihre Boni wie üblich zu kassieren. Dadurch rutscht das Lohnniveau kurzfristig deutlich ab. Bei Branchen, die nicht von der Krise getroffen wurden, erwarten die Experten und Expertinnen eine durchschnittliche Salärrunde von 0,4 Prozent. Auch das wäre ein Rekordtief.

Stefan Mair

▶︎ Dieses Jahr kommt die wirklich smarte Schweizer Luxusuhr

Smartwatches gibt es wie Sand am Meer: Die meisten sind billige Gadgets, einige sind teure Versionen derselben Gadgets. Das Problem: Die teuren Ausführungen überzeugen nicht durch mehr Smartness, sondern beschränken sich auf Armbänder von Hermès wie im Fall von Apple oder auf aufwendiges Marketing wie im Fall von TAG Heuer. Doch 2021 wird eine Uhrenmarke die erste wirklich smarte Luxus-Smartwatch lancieren.

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Uhrgestell mit Luxus-Smartwatch

2021 wird die erste wirkliche Luxus-Smartwatch erwartet.

Quelle: ZVG

Vielleicht Audemars Piguet mit einer limitierten Royal Oak. Sie hat die smarten Funktionen im Armband integriert, ist aber zusätzlich smart. Vielleicht, indem sie den Käufern und Käuferinnen auf Lebenszeit und global Zugang zu Flughafen-Lounges ermöglicht oder jährlich zwei Einladungen zu VIP-Events garantiert. Oder den Eintritt in die zwei heissen Clubs in den wichtigsten Städten der Welt.

Marcel Speiser

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▶︎ Handy-Banking wird zur Norm

Startups wie Revolut, Neon und Yapeal haben gezeigt, dass Bankkunden und -kundinnen von ihrer Bank vor allem eines wollen: no bullshit – und eine einfach zu bedienende App. Als erste Grossbank reagierte die Credit Suisse darauf und lancierte im Herbst mit viel Tamtam ihr Handy-Konto CSX. Revolutionär? Nein. Aber wegweisend. Andere werden folgen.

Die UBS Mobile Banking App, eine E-Banking Applikation, aufgenommen auf einem Smartphone am 5. Januar 2016 in Zurich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Die App als neue Filiale: Die Zukunft des Bankings ist auf dem Smartphone.

Quelle: Keystone

Etwa das Joint Venture von Postfinance und Swissquote, das zumindest in der Anlage sehr vielversprechend ist und dieses Jahr livegehen will. Oder die Baselbieter BLKB mit ihren Plänen für eine digitale Bank für Vermögende. Auch die UBS wird wohl bald nachziehen, hat man Chef Ralph Hamers doch nicht zuletzt wegen seiner Digitalerfahrungen geholt. 2021 könnte das Jahr werden, in dem Handy-Banking endlich für viele Bankkunden besser wird. Und normal.

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Michael Heim

▶︎ Die Batterie der Zukunft wird in der Schweiz entwickelt

Wenn es einen Bereich gibt, in dem brauchbare Ergebnisse bislang selten waren, dann ist es die Batterieforschung. Lithium-Ionen-Batterien wurden vor gut zwei Dekaden erfunden. Seither wird dieselbe Technologie in Smartphones, E-Autos und Energiespeichern verbaut – mit nur mässigen Kapazitäten. Sehr zum Frust von Konsumenten, die ohne die nächstgelegene Steckdose oder anderweitige Energiespender nicht über den Tag oder den nächsten Kilometer kommen.

Empa- und ETH-Forscherinnen und -Forscher wollen das ändern. Und die Aussichten dafür stehen gut. Sie sind nah dran, die ersten Graphit-Elektroden zu bauen, die länger halten als Lithium-Ionen-Quellen und den Strom stabil übertragen können. Die Schweiz wird für die Entwicklung erneuerbarer Energien zu einem unverzichtbaren Player.

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Bernhard Fischer

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