Der Frauenanteil in Schweizer Verwaltungsräten liegt nur bei 14 Prozent. Insbesondere Grossunternehmen tun sich schwerer damit, Frauen in Spitzenpositionen zu bringen. Esther-Mirjam de Boer, Geschäftsführerin der Personalberatungsfirma Get Diversity, sagt, das Top-Management sei in diesen Unternehmen männlich. Dadurch entstehe ein «Bias» – eine Art Filter bei Beförderungen und der Rekrutierung

Hingegen wird fast die Hälfte der Einzelunternehmen in der Schweiz von Frauen geführt. Je kleiner ein Unternehmen, desto grösser ist der Frauenanteil in der Führung, auch etwa in Startups. Die Lust am Risiko sei bei Frauen ähnlich ausgeprägt wie bei Männern, man lasse sie nur nicht ran an die Top-Jobs, je grösser das Unternehmen ist.

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Laut Diversity Report Schweiz haben zwei Drittel aller Aktiengesellschaften mit mehr als 50 Mitarbeitenden keine einzige Frau im Verwaltungrat. De Boer hält Quoten daher für sinnvoll, nur so könne sich etwas ändern, das zeigten Studien aus der Verhaltensökonomie. 

Mit der jüngsten Reform des Aktienrechts wird eine Frauenquote von 30 Prozent in Verwaltungsräten und 20 Prozent in Geschäftsleitungen ab 2022 eingeführt. Eine «weiche Quote», denn Unternehmen müssen sich nur erklären, falls sie die Regeln nicht einhalten, Sanktionen sind nicht vorgesehen. De Boer hält das Gesetz dennoch für einen Erfolg, vor allem mit der Quote in Geschäftsleitungen gehe die Schweiz einen Schritt weiter als viele andere europäische Länder.

Als Headhunterin weiss Esther de Boer, dass es genügend qualifizierte Frauen für die Jobs auf oberster Führungsebene gibt. «Man muss sie aber finden wollen. Es kommt darauf an, wie man sucht.» Häufig werden Menschen mit grosser Fachexpertise in Kaderpositionen gebracht, obwohl sie nicht geeignet sind zu führen. De Boer rät Unternehmen genauer hinzuschauen, wer sich für Führung eignet.