Die Covid-19-Impfstoffe werden in den nächsten Wochen und Monaten den Menschen auf der ganzen Welt – nicht nur in den reichsten Ländern – etwa zur gleichen Zeit zur Ver­fügung stehen. Die Geschwindigkeit und das Ausmass der Bereitstellung der Impfstoffe sind sowohl ausser­gewöhnlich als auch notwendig, um die Pandemie zu ­beenden.

Und sie sind nur möglich dank einer beispiellosen Demonstration globaler Solidarität und multilateraler Unterstützung für Covax, den zentralen Mechanismus der globalen Covid-19-Impfkampagne, die letztes Jahr von der Weltgesundheitsorganisation und der Impfallianz Gavi ins Leben gerufen wurde.

Covax wird die Verteilung von zwei Milliarden Impfstoffdosen in diesem Jahr ermöglichen und damit Menschen in 190 teilnehmenden Ländern und Volkswirtschaften erreichen, unabhängig von ihren finan­ziellen Möglichkeiten. Bis Mitte 2021 sollten genügend Dosen zur Verfügung stehen, um alle Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen weltweit zu schützen. Und obwohl das Programm auf viele Neinsager gestossen ist, hat es immer mehr Regierungen, Wirtschaftspolitiker und Impfstoffhersteller angezogen.

Die Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen ist lediglich ein erster Schritt. Solange das Coronavirus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, werden weiterhin viele infiziert werden – und einige werden sterben. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu normalem Wirtschaften und Reisen wird unerreichbar bleiben.

Anzeige

Über die Autorin

Ngozi Okonjo-Iweala ist Ex-Vorstandsvorsitzende der Impfallianz Gavi.

Um den Kreislauf zu beenden, können wir nicht nur einige Menschen in einigen Ländern impfen. Wir müssen alle Menschen überall schützen. Doch seit die Impfstoffe auf den Markt kommen, übersteigt die Nachfrage das immer noch begrenzte Angebot. Unter diesen Bedingungen wird die Zuteilung von Impfstoffen an den Meistbietenden die Krise nur verlängern, selbst wenn Impfdosen für den Rest der Welt in Aussicht gestellt werden. Impfstoffnationalismus ist genau das Problem, zu dessen Lösung Covax geschaffen wurde.

Die Regierungen sollten nicht bloss für die eigene Bevölkerung schauen

Da jede Regierung in erster Linie die Pflicht hat, ihre eigenen Bürger zu schützen, ist es nicht verwunderlich, dass etwa 35 Länder bereits bilaterale Verträge mit Pharmaherstellern für Covid-19-Impfstoffe abgeschlossen haben. Diese Vereinbarungen sind nicht ideal, wenn es um den weltweiten Impfschutz geht. Leider beobachten wir bereits, dass einige Regierungen weit mehr Dosen kaufen, als sie benötigen, was den Druck auf die weltweite Versorgung erhöht.

Bislang hat Covax rund eine Milliarde Dosen für die Menschen in rund neunzig ärmeren Ländern gesichert, indem es mit den Herstellern einiger der vielversprechendsten Impfstoffkandidaten Vereinbarungen getroffen hat. Aber es werden noch viel mehr Dosen benötigt. Alle Hersteller müssen ihre Impfstoffe Covax zur Ver­fügung stellen und bezahlbar machen, damit eine rechtzeitige globale Einführung erfolgen kann.

Einige Hersteller haben dies bereits getan – und internationale ­Geber haben die 2 Milliarden Dollar beigesteuert, die Covax für 2020 benötigte. Für 2021 benötigt das Programm jedoch weitere 5 Milliarden Dollar. 4 Milliarden davon haben die USA bereits gesprochen. Alles, was ­Covax jetzt braucht, ist genügend internationale Unterstützung, um den Impfjob zu beenden.

Anzeige

HZ+ Digital-Abos

Hintergründe, Fakten und fundierte Einschätzungen zu den Auswirkungen der aktuellen Ereignisse auf die lokale und globale Wirtschaft.

Jetzt abonnieren.