Die Sanktionen gegen Russland und die russische Notenbank könnten indirekt auch Schweizer Banken in Mitleidenschaft ziehen, die in der Vermögensverwaltung tätig sind. Der Risiko-Chef einer Genfer Privatbank berichtet von Problemen seiner nicht russischen und nicht sanktionierten Kundinnen und Kunden, Rubel-Positionen zu verkaufen. «Ich war dieses Wochenende damit beschäftigt, dass jemand diese Rubel kauft». 

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Der Grund: Behalten seine Kunden die Rubel, droht ein Wertverlust auf diesen Beständen. Dienen sie gleichzeitig als Sicherheit für Kredite, sind diese Kredite nicht mehr genügend gedeckt.

Problematische Positionen 

Dies löst bankintern sogenannte Margin Calls aus, also Forderungen der Bank an solche Kunden und Kundinnen, ihre Kreditpositionen mit neuen Werten zu unterlegen. Können sie diese nicht innert nützlicher Zeit einbringen, muss die Bank die Kredite mitsamt den Sicherheiten verwerten. Sie muss also entweder einen Käufer für die Sicherheiten finden oder diese aufs eigene Buch nehmen. Letzteres wiederum erhöht den Bedarf an Eigenkapital, der die Bank teurer zu stehen kommt. In extremis könnte es dazu führen, dass die Eigentümer zusätzliche Eigenmittel in die Bank einschiessen müssen.

Ein Zürcher Bankier bestätigte den Zusammenhang. Aber er meinte, dass die Betroffenheit beziehungsweise Exposition von Schweizer Banken derzeit «wohl eher klein sein dürfte». Er ergänzte, dass seine Bank die Privatkundschaft letzten Freitag darüber informiert hatte, dass Rubel-basierte Aktien bis Freitag zehn Uhr verkauft sein müssen. Danach wurde das Clearing in Rubel-Währung blockiert – also lange bevor die offiziellen Sanktionen in Kraft getreten sind.

Wer kauft heute Rubel? Der erwähnte Genfer Risikomanager sagte, es gebe Käufer in der ganzen Welt. Es sind dies Investmentfirmen, die darauf wetten, dass der Rubel nach Ende des Krieges wieder steigt. Der Zürcher Banker sagt, dass zwar Rubel etwa nach Asien oder Arabien verkauft werden dürfen, dass aber das Clearing kompliziert sei. Voraussetzung ist, dass eine russische Korrespondenzbank das Clearing in Rubel macht. Wenn nun aber eine solche Bank von Swift abgehängt ist, dann ist das Rubel-Clearing aus der Schweiz nicht mehr möglich.

«Derzeit hat noch die Credit Suisse ein Rubel-Clearing mit einer russischen Korrespondenzbank offen», sagt der erwähnte Banker. Doch der Rubel werde jetzt, um 13 Uhr 50, mit einem Abschlag von 60 Prozent gehandelt. «Dieser offene Kanal über die CS könne stündlich wegfallen», so der Spezialist.