Nur zehn Tage nach der Wahl geht der designierte US-Präsident Joe Biden an die Arbeit und stellt sein Regierungsteam zusammen. Schliesslich gibt es keine Zeit zu verlieren im Kampf gegen die Corona-PandemieBidens oberste Priorität, wie er noch im Wahlkampf verkündete. 

Das Expertenteam zur Eindämmung des Virus steht bereits, nun werden die Schlüsselpositionen in seinem künftigen Kabinett besetzt. Eine aussichtsreiche Kandidatin für das Spitzenamt im Finanzministerium ist Lael Brainard – sie wäre die erste Frau in der Geschichte des bisher immer von Männern geführten Schatzamtes.

Die 58-Jährige ist seit 2014 Gouverneurin der US-Notenbank, zuerst an der Seite von Ex-Fed-Chefin Janet Yellen, heute neben Jerome Powell. Sie ist derzeit die einzige Demokratin im Fed-Direktorium. Auch im Finanzministerium war Brainard bereits einmal tätig: Als Staatssekretärin für Internationales und als Beraterin von Barack Obamas Finanzminister Timothy Geithner.

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Als Tochter eines Diplomaten wurde Brainard in Hamburg geboren und wuchs teilweise in Deutschland und Polen auf. Ihre berufliche Laufbahn startete die promovierte Harvard-Ökonomin bei der internationalen Beratungsfirma McKinsey, danach arbeitete sie als Wirtschaftsberaterin in der Regierung von Bill Clinton und später als Vizepräsidentin der renommierten Brookings Institution.

International erfahren

Lael Brainard gilt als Expertin für Fiskal- und Geldpolitik und ist für ihre internationale Erfahrung bekannt. In der Regierung von Barack Obama drängte sie Europa zur Lösung der Schuldenkrise und war auch für die Beziehungen zu China zuständig. Als Fed-Gouverneurin hat sich Brainard für eine lockere Geldpolitik, eine strengere Finanzregulierung und höhere Eigenkapitalstandards für Banken ausgesprochen, wie die «Financial Times» schreibt.

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Wird sie Finanzministerin unter Joe Biden, wäre ihre erste Aufgabe die Umsetzung eines Hilfspakets zur Stimulierung der amerikanischen Wirtschaft. Im Ringen um ein Konjunkturpaket zwischen Republikanern und Demokraten warnte die Fed-Gouverneurin den Kongress jüngst, dass ein Ausbleiben weiterer Konjunkturhilfen das grösste Risiko für die US-Wirtschaft sei.

Weitere Kandidaten

Doch der Wettbewerb um den Posten ist hart: Als mögliche Kandidaten werden laut dem amerikanischen Politikportal «Politico» unter anderem Sarah Bloom Raskin, ehemalige Fed-Gouverneurin und einst stellvertretende Finanzministerin unter Obama, und die frühere Fed-Chefin Janet Yellen sowie Senatorin Elizabeth Warren gehandelt. 

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Anders als etwa Elizabeth Warren wird Lael Brainard den Demokraten der Mitte zugeordnet, das könnte ihr die Zustimmung der Republikaner einbringen, sofern sie die Mehrheit im Senat behalten sollten. Andererseits könnte der künftige Präsident Brainard aber auch in der Hinterhand als Nachfolgerin für Jerome Powell halten, wenn dieser 2022 den Fed-Vorsitz abgibt.