Die italienische Politikerin Giorgia Meloni hat mit einer ungewöhnlichen Videobotschaft versucht, Sorgen im Ausland vor einer Regierungsübernahme der Rechtsparteien bei den Wahlen zu zerstreuen. Die Chefin der postfaschistischen Partei Fratelli d’Italia klagte am Mittwoch in drei Reden auf Englisch, Französisch und Spanisch, dass sie in der internationalen Presse als Gefahr für Demokratie, Italien, Europa und die internationale Gemeinschaft dargestellt werde.

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«Ich lese, dass ein Sieg der Fratelli d’Italia bei den Wahlen im September ein Desaster sei, zu einer autoritären Wende, dem Austritt Italiens aus dem Euro und anderem Unsinn dieser Art führen würde», sagte sie. Nichts davon sei wahr, ergänzte die in den Umfragen derzeit führende Populistin und behauptete, «ein mächtiger Medienzirkel der Linken» würde derartige Berichte fördern.

Zudem warf sie der «Linken» vor, in den vergangenen zehn Jahren den sozialen und wirtschaftlichen Niedergang des Landes herbeigeführt zu haben. Eine klare Distanzierung vom Faschismus umschiffte sie.

Europafeindlich und stockkonservativ

 

Die Chefin der rechtsextremen Partei ist die italienische Antwort auf Marine Le Pen – europafeindlich und stockkonservativ. Und gleichzeitig gilt Meloni als die zurzeit schillerndste Figur in der Politik unseres südlichen Nachbarlandes.

Die 45-Jährige hat Matteo Salvini, der lange Zeit der grösste Held im rechtspopulistischen Milieu war, den Rang abgelaufen. Mehr lesen Sie hier.

Das Gesagte passt ins Muster. Meloni behauptete zwar: «Die italienische Rechte hat den Faschismus seit Jahrzehnten der Geschichte übergeben.» Gleichzeitig verurteilte sie nur die Unterdrückung der Demokratie und die antijüdischen Gesetze von damals.

Der Chef der Sozialdemokraten, Enrico Letta, sagte zu den zuletzt oft eher moderateren Aussagen und Beschwichtigungen seiner Rivalin: «Meloni versucht, ihr Erscheinungsbild zu ändern, sich zu pudern.»

In den Umfragen liegen die Parteien der beiden fast gleichauf an der Spitze. Allerdings hat Meloni zusammen mit den zwei anderen Parteien des Mitte-Rechts-Blocks – Lega und Forza Italia – einen grossen Vorsprung vor der fragilen Mitte-Links-Allianz Lettas. (sda/ise)