Ein Triebwerk der Raketenfirma Blue Origin des Amazon-Gründers Jeff Bezos steht vor der ersten, richtigen Bewährungsprobe. Nach Jahren der Verzögerung scheint endlich der Moment gekommen, an dem es schwere Nutzlasten für das Pentagon ins All befördern kann. Damit endet für die USA eine politisch brisante Abhängigkeit von einem Modell russischer Herkunft.

Die Bezos-Firma Blue Origin stellte 2014 in Aussicht, dass ihr BE-4-Triebwerk bis 2017 bereit sein würde, um die neue Vulcan-Rakete zu starten, die zu einem Joint Venture der führenden Pentagon-Auftragnehmer Boeing und Lockheed Martin gehört. Noch im Juni wies die Regierung aber auf «anhaltende technische Herausforderungen bei der Entwicklung» hin.

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Jetzt gibt sich die US-Raumfahrtbehörde optimistisch und erklärt, dass die Entwicklungsaktivitäten für das Vulcan-Trägersystem «Fortschritte» machen würden Im Dezember soll ein erster Teststart stattfinden. Die ursprünglich geplanten BE-4-Entwicklungstests seien abgeschlossen und die volle Leistung des Triebwerks nachgewiesen. 

Triebwerk mit Flüssigerdgas

Bislang kam das russische RD-180-Triebwerk zum Einsatz. Er wurde seit dem Jahr 2000 bei rund 80 zivilen, kommerziellen und sicherheitspolitischen Starts erfolgreich eingesetzt. Der US-Kongress forderte jedoch einen Ersatz für die russischen Triebwerke, nachdem Russland 2014 die Krim annektiert hatte, und dieses Argument hat seit dem Einmarsch des Militärs von Präsident Wladimir Putin in die Ukraine im Februar nur an Kraft gewonnen.

Für Bezos ist die positive Einschätzung der US-Raumfahrtbehörde eine gute Nachricht, nachdem das Unternehmen Blue Origin im September gezwungen war, den Start seiner suborbitalen Rakete New Shepard abzubrechen. Es war der erste grössere Misserfolg für das Unternehmen seit der Umstellung auf kommerzielle Routineflüge. Die New Shepard wird von einem anderen Triebwerk als dem BE-4 angetrieben. 

Das erste BE-4-Flugtriebwerk wird derzeit in den Einrichtungen von Blue Origin in Texas abgenommen. Sobald die Abnahmetests abgeschlossen sind, werden die Flugtriebwerke abgeliefert, wobei die BE-4-Produktion bereits in vollem Umfang angelaufen sei, wie es aus den USA heisst.

Das BE-4-Triebwerk ist das grösste mit Flüssigerdgas betriebene Triebwerk, das je entwickelt wurde. Es verwendet einen Hochleistungsbetriebszyklus. Diese Neuerungen erfordern ein rigoroses Entwicklungstestprogramm. (bloomberg/ise)