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Geldwäscherei
Usbekische Diktatoren-Tochter: 800 Millionen gesperrt

Gulnara Karimova: Wenig Ruhe in Genf.   Keystone

Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gegen usbekische Personen führten zur Präsidententochter Gulnara Karimova und einer Ausweitung auf Schweden und Frankreich. Es geht um Telekom-Deals.

Veröffentlicht am 12.03.2014

Die älteste Tochter des usbekischen Staatspräsidenten Islam Karimow ist ins Visier der Schweizer Justiz geraten. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt Gulnara Karimowa der Geldwäsche, wie die Behörde mitteilte. Vermögen von über 800 Millionen Franken seien beschlagnahmt worden. Die Untersuchung stehe im Zusammenhang mit mutmasslich unrechtmässigen Vorgängen im usbekischen Telekommunikationsmarkt.

Ermittlungen seit längerer Zeit

Im Juli 2012 habe die Bundesanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen vier Usbeken mit persönlichen und wirtschaftlichen Verbindungen zur Präsidententochter eröffnet. Zwei von ihnen seien im Sommer 2012 verhaftet und Mitte Oktober 2012 gegen Kaution wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Ende August 2013 habe die Behörde zusammen mit der Polizei die Villa Karimowas in Genf durchsucht, um weitere Beweise zu sammeln. Im September 2013 sei die Strafuntersuchung dann auf die Präsidententochter ausgedehnt worden. Bis im vergangenen Sommer besass Karimowa als ständige Vertreterin Usbekistans bei der UNO in Genf diplomatische Immunität.

Die Schweizer Erkenntnisse hätten auch in Frankreich und Schweden Ermittlungen ausgelöst. Die schwedischen Strafverfolger gehen Hinweisen nach, dass der schwedische Telekomkonzern TeliaSonera rund 350 Millionen Dollar für eine Lizenz in Usbekistan an eine Gesellschaft bezahlte, hinter der Karimowa steht.

Rücktritt von Telia-Chef

Die Untersuchung hatte zum Rücktritt des Telia-Chefs Lars Nyberg und grossen Teilen des Aufsichtsrates geführt. Auch für andere ausländische Telekomkonzerne haben sich die Investitionen in der früheren Sowjetrepublik als problematisch erwiesen. Die Vermögenswerte des russischen Mobiltelefonanbieters MTS in Usbekistan wurden konfisziert. Am Mittwoch meldete der Konkurrent Vimpelcom zudem, dass die US-Börsenaufsicht SEC und die niederländischen Behörden Ermittlungen eingeleitet haben, die in Zusammenhang mit dem Land stehen dürften.

(reuters/chb)

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