Die Menschheit hat momentan eine Krise zu bewältigen, die im Rückblick als eine der grössten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit gelten wird – eine Herausforderung, die unser Leben auf Jahre hinaus verändern wird.

Die Covid-19-Pandemie ist eine schwere Belastung für Gesundheitssysteme, Volkswirtschaften und für jeden Einzelnen von uns. Gleichzeitig sehen wir eine starke Solidarität, wenn Staat, Wissenschaft, Privatwirtschaft und gemeinnützige Orga­nisationen zusammenarbeiten, um auf jede erdenkliche Weise zur Beendigung dieser Pandemie beizutragen.

Die Mobilisierung der Wissenschaft gegen Covid-19 ist wohl bei weitem die grösste und schnellste in der Geschichte. In der näheren Zukunft besteht die Hoffnung darin, schnell wirksame Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Dabei testet die Industrie zuerst, ob wir bestehende Arzneimittel einsetzen können, um das Virus zu töten oder die Überreaktion des Immunsystems auf das Virus zu behandeln.

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Klinische Studien mit Malariamitteln und immunmodulierenden Wirkstoffen

Im Moment laufen weltweit mehr als 500 klinische Studien in diesem Zusammenhang und wir erwarten im Sommer eine grössere Anzahl von Resultaten. In einer zweiten Phase wird es dann um neue Therapien gegen Covid-19 gehen. Zurzeit werden Dutzende von Arzneimittelkandidaten evaluiert, aber Resultate werden wohl erst gegen Ende dieses Jahres oder Anfang des nächsten Jahres vorliegen.

Novartis ist am weltweiten Kampf gegen Covid-19 intensiv beteiligt. In einer zentralen und vielversprechenden Kooperation gehören wir einem Konsortium von Life-Science-Unternehmen an, das die Bill & Melinda Gates Foundation zusammenbringt, um zur Beendigung dieser Pandemie beizutragen.

Ich habe das grosse Privileg, diese Gruppe gemeinsam mit Bill Gates zu leiten. Alle beteiligten Unternehmen arbeiten daran, ihre Innovationskraft und ihre globale Präsenz zusammenzubringen, um rasch Lösungen zu finden – sei es durch den Austausch von Forschungsergebnissen und Wirkstoffbibliotheken oder durch die Bündelung von Fer­tigungskapazitäten, damit wir im Erfolgsfall die Produktion weltweit schneller hochfahren können.

Novartis unterstützt zudem verschiedene klinische Studien zu mehreren Medikamenten von Novartis, bei denen es frühe Anzeichen für einen Nutzen bei Covid-19-Patientinnen und -Patienten gab, darunter unsere Malariamittel und Virostatika sowie immunmodulierende Wirkstoffe.

Auf bestehenden Medikamenten wie diesen ruht die Hoffnung, dass sie zur Behandlung von Symptomen beitragen oder sogar das Virus töten könnten, solange sich neuartige Arzneimittel und schliesslich auch ein Impfstoff noch in der Entwicklung befinden.

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So könnten etwa immunmodulierende Wirkstoffe möglicherweise dazu beitragen, die schweren Immunüberreaktionen bei Coronavirus-Infektionen zu behandeln, was wiederum die Zahl der Patientinnen und ­Patienten senken könnte, die auf Intensivpflege und Beatmung angewiesen sind.

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Ein Impfstoff könnte in der zweiten Hälfte von 2021 zur Verfügung stehen

Was unsere bestehenden Malariamedikamente anbelangt, so haben wir zugesagt, 130 Millionen Dosen weltweit zu spenden. Die Schweiz war nach den USA das zweite Land, in das wir gespendete Malariamittel geschickt haben.

Der rasche Einsatz des Medikaments in Spitälern wurde durch die hervorragende Zusammenarbeit mit Swissmedic ermöglicht, welche die Verwendung für die Behandlung von Covid-19-Patienten und -Patienten unter sorgfältig kontrollierter ärztlicher Aufsicht und Verantwortung nach gründlicher und schneller Prüfung zugelassen hat.

Das endgültige Mittel zur Bewältigung dieser Pandemie wird wohl ein Impfstoff gegen Covid-19 sein. Dafür wird es aber mehr Zeit brauchen – meiner Schätzung nach etwa eineinhalb bis zwei Jahre. Die Entwicklung eines sicheren und hoch immunogenen Impfstoffs gegen ein RNA-Virus wie das Covid-19-Virus ist möglich, aber nicht einfach.

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Es gibt bereits etwa neunzig Impfstoffkandidaten, die in der klinischen Erprobung oder auf dem Weg dahin sind. Wenn sich einer dieser Impfstoffe als wirksam erweist, wird er wohl in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 zur Verfügung stehen.

Gesundheitskatastrophe in Ländern mit niedrigen Einkommen

Wir sollten aber eines nicht vergessen: Auch wenn diese Pandemie unser Leben stark beeinträchtigt, verblassen unsere derzeitigen Nöte, wenn man sie mit der Gesundheitskatastrophe vergleicht, die Covid-19 möglicherweise in Ländern mit niedrigen bis mittleren Einkommen, hauptsächlich in Afrika, verursachen könnte.

Als Arzt, der die Region aus eigener Erfahrung kennt, bin ich mir bewusst, welche verheerenden Auswirkungen das Virus insbesondere in der Region südlich der Sahara aufgrund der dort bereits bestehenden massiven Herausforderungen im Gesundheitswesen haben kann.

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Novartis unterstützt deshalb rund vierzig Länder in dieser Region, um die Ausbreitung von Covid-19 möglichst einzudämmen. Dazu gehört der Kauf von Seife, Desinfektionsmitteln und Bleichmitteln sowie von wichtigen Pflegegeräten wie persönlichen Schutzausrüstungen oder Thermometern.

Darüber hinaus haben wir gerade erst einen Beitrag von 1 Million US-Dollar zur Unterstützung der Covid-19-Massnahmen des International Rescue Committee (IRC) in Uganda, Kenia und Somalia angekündigt. Diese Mittel werden dem IRC helfen, die Ausbreitung der Krankheit in einigen der am stärksten gefährdeten Gemeinden Ostafrikas einzudämmen und sicherzustellen, dass die lebensrettende Arbeit des IRC weiterhin die Bedürftigen erreichen kann.

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Wir können Lehren ziehen, um unsere Gesundheitssysteme zu verbessern

Solange die Welt den Kampf gegen Covid-19 führt, wird Novartis mit Partnern aus der Industrie und der Wissenschaft zusammenarbeiten, um entscheidend zu einem Erfolg beizutragen. Mein Optimismus für unsere gemeinsame Zukunft bleibt unerschütterlich.

Wir leben nicht nur in einem Zeitalter, in dem die Menschen gesünder sind und eine höhere Lebenserwartung haben als je zuvor. Mit den leistungsstarken digitalen Plattformen, die uns heute zur Verfügung stehen, sind wir auch enger vernetzt.

Wenn wir uns auf die Wissenschaft konzentrieren, uns an die Regelungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit halten und weiterhin über Unternehmens-, Branchen- und Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten, bin ich zuversichtlich, dass wir diese Krise nicht nur überstehen, sondern dank ihr auch wesentlich besser auf zukünftige Pandemien vorbereitet sein werden. Zudem können wir wichtige Lehren ziehen, um unsere Gesundheitssysteme weltweit zu verbessern.

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