Die Zeiten werden turbulenter. Dies wurde Investoren in den letzten Wochen des Jahres 2018 und im noch jungen Jahr 2019 weltweit verdeutlicht. Europa war verstrickt in das innenpolitische Chaos rund um Grossbritanniens Austritt aus der EU. Gleichzeitig lähmte auf der anderen Seite des Atlantiks der längste Government Shutdown aller Zeiten, initiiert von Präsident Donald Trump, das öffentliche Leben in den USA. Ökonomen bieten unterschiedlichste Einschätzungen der genauen Konsequenzen des Government Shutdown auf das Wirtschaftswachstum an, aber sie sind sich alle in einem einig: Die Auswirkungen werden definitiv negativ sein.

Angesichts solch dramatischer Schlagzeilen wurden die in anderen Ländern ebenso entmutigenden Entwicklungen von der breiten Öffentlichkeit schon fast ignoriert. Im vierten Quartal 2018 verzeichnete China mit 6,4 Prozent das niedrigste annualisierte Wachstum seit der globalen Finanzkrise. Und während Deutschland 2018 ein Wachstum von 1,5 Prozent verzeichnen konnte, was einer leicht positiven annualisierten Wachstumsrate im vierten Quartal entspricht, war im Vergleich zum dritten Quartal ein Rückgang der Wirtschaftstätigkeit zu verzeichnen. Im neuen Jahr setzte sich die Serie von Hiobsbotschaften fort – unter anderem mit Medienberichten über Steuerausfälle in Milliardenhöhe im Bundeshaushalt und mit einem Einbruch des ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland, aber auch für die Eurozone insgesamt.

Natürlich waren und werden auch die Anleger von diesen Entwicklungen betroffen sein. Die Federal Reserve hat die Straffung der Geldpolitik bereits gebremst, und es wird wahrscheinlich weniger Zinserhöhungen in den USA geben, als bisher erwartet. Auch wenn die Geldpolitik wieder akkommodierender werden könnte, könnten sich die konjunkturelle Verlangsamung und steigende geopolitische Risiken auch negativ auf die Unternehmensgewinne auswirken, die schliesslich die wichtigsten fundamentalen Treiber für Aktienrenditen sind. Als die diesbezüglichen Erwartungen im letzten Quartal 2018 stark nachgaben, brachen die Märkte zusammen.

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Investoren sollten sich auf Qualität konzentrieren

Durchaus ist es für Investoren wichtig, an steigenden Aktienmärkten zu partizipieren – doch der Schutz von Vermögenswerten bei fallenden Märkten ist ebenso wichtig. Die Herausforderung für Investoren besteht darin, eine Strategie zu finden, die diese oft konkurrierenden Ziele erfüllen kann – Investitionen in ein qualitatives Ertragswachstum, aber mit einem geringeren Risiko als die Benchmark, um dadurch eine langfristig angelegte, nachhaltige Investmentstrategie zu gewährleisten.

Ein möglicher Ansatz zur Bewältigung dieser Herausforderung ist Factor Investing. Faktorbasierte Strategien können Anlegern einen kostengünstigen und transparenten Weg zur Verbesserung des Risiko-Rendite-Profils bieten, indem sie spezifische grundlegende Merkmale wie Ertragsqualität oder Value sowie Volatilität und Momentum (der Aktienkursentwicklung) messen und erfassen. Factor Investing kann effizient und kostengünstig sein und bietet Anlegern ein diversifiziertes Engagement an den Aktienmärkten. Wichtig ist, dass einzelne Faktoren unterschiedliche Risiko- und Renditemuster aufweisen können, so dass Investoren den Ansatz nutzen können, um spezifische Anlageziele besser zu erreichen. Die Anleger können sich dafür entscheiden, nur einen Faktor zu berücksichtigen oder Faktoren so zu mischen, dass sie ihren Anlagebedürfnissen am besten entsprechen – zum Beispiel die Notwendigkeit, attraktive Renditen bei geringerer Volatilität zu erzielen.

Um eine Anlagestrategie darüber hinaus wirklich zukunftssicher zu gestalten, müssen Anleger zudem über traditionelle Risikokennzahlen wie Volatilität und auch über rein finanzielle Kennzahlen der Aktienbewertung hinausblicken. Es wird immer wichtiger, gesellschaftliche, Umwelt- und Governance-Aspekte (ESG) zu verstehen, die ein Unternehmen betreffen, da sie wirtschaftlicher Natur sind und damit auch in die fundamentale Bewertung durch Investoren einfliessen sollten. ESG-Daten beziehen sich zudem in der Regel auf längere Zeithorizonte als klassische Finanzmetriken, so dass Investoren eine ganzheitlichere Sicht auf die langfristigen Perspektiven eines Unternehmens gewinnen können. Letztlich sind nachhaltige Investments eine wirtschaftliche Notwendigkeit, um zukünftige und aktuelle globale Entwicklungen vollständig zu berücksichtigen. Ökologische und soziale Fragen sind zunehmend treibende Kräfte hinter politischen und damit auch wirtschaftlichen Entscheidungen. Die Regulierung gesundheitsschädlicher Produkte, Bussgelder für das Verursachen von Umweltschäden und der Druck zur Erreichung der Klimaschutzziele haben wirtschaftliche Auswirkungen auf Unternehmen. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass in Bereichen wie Diversity führende Unternehmen ihre Gewinne besser gegen äussere Einflüsse schützen können. Die Berücksichtigung von ESG-Kriterien ist daher für eine langfristige, zukunftsorientierte Anlagestrategie unerlässlich.

*Gideon Smith, CIO Rosenberg Equities, AXA Investment Managers

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