Künstliche Intelligenz (KI) breitet sich in rasendem Tempo aus – auch in der Medizin. Das Universitätsspital Zürich geht mit gutem Beispiel voran. In der Neurochirurgieabteilung setzen Ärztinnen und Ärzte bereits aktiv KI ein: «Dank KI kann im Operationssaal Tumorgewebe viel schneller analysiert werden als zuvor», sagt Luca Regli, Klinikchef der Neurochirurgie am Unispital Zürich. 

Er und sein Team können mithilfe von KI bereits während der Operation genauere Hinweise bezüglich des Tumortyps erhalten. Diese Informationen erlauben dann, die chirurgische Strategie – zum Beispiel, wie radikal der Tumor entfernt werden soll – schon während der Operation auf jeden individuellen Patienten anzupassen. «Früher lagen uns solche Informationen erst zwei bis drei Tage nach der Operation vor», sagt Luca Regli.

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Grund für die Topplatzierung der Neurochirurgie des  Zürcher Unispitals ist die sehr gute Reputation unter medizinischen Expertinnen und Experten – es erreichte den höchsten Reputation-Score. Mit einem Gesamtscore von 90,58 Prozent liegt Zürich 5 Prozentpunkte weiter vorne als die zweitplatzierte Klinik Hirslanden.

Vieles unterscheidet die zwei Spitzenreiter – der Score ist dabei nur der Anfang.

Während das Universitätsspital Zürich für die Forschung Drittmittel von Stiftungen, von der Universität, vom Kanton und vom Bund erhält, sieht die Situation bei der zweitplatzierten Klinik Hirslanden anders aus: «Da wir ein privater Healthcare-Provider sind, müssen wir selbsttragend sein. Wir erhalten keine Subventionen von der öffentlichen Hand, die uns bei der Finanzierung helfen», sagt Dominique Kuhlen, Chief Clinical Officer der Hirslanden-Gruppe. Einzige Ausnahme sei die Aus- und Weiterbildung von Assistenzärztinnen und -ärzten: Dort gebe es auch für Hirslanden einen kleinen Beitrag der Kantone. 

Ein anderer Unterschied zeigt sich in der Struktur: Unispitäler oder grössere öffentliche Spitäler sind nach einem klaren Chefarztmodell aufgebaut – was heisst, dass es eine klare Hierarchie gibt. Das ist bei Hirslanden anders. «Wir haben abgesehen von einigen Abteilungen kein Chefarztmodell, sondern Partnerärztinnen und Partnerärzte, die selbstständig sind. Sie sind zum Teil in Teams organisiert, aber nicht hierarchisch», sagt Dominique Kuhlen.

Das bedeutet auch, dass die Hirslanden eine andere Stellung auf dem Arbeitsmarkt hat: «Als Ärztin oder Arzt muss man bei Hirslanden einen unternehmerischen Geist haben und Verantwortung übernehmen können», sagt Dominique Kuhlen. Das sei für den Partnerarzt oder die Partnerärztin auch ein gewisses Risiko. Er oder sie sei nicht mehr wie in einem öffentlichen Haus angestellt, wo man ungeachtet davon, wie viel man leistet und wie gut man es leistet, einfach den Lohn bekommt. Die Hirslanden-Ärzte und -Ärztinnen sind dagegen ihre eigenen Arbeitgeber, «sie führen ihr eigenes Unternehmen in einem partnerschaftlichen Austausch mit uns», sagt die Hirslanden-Kaderfrau.

Das Modell scheint zu funktionieren. Die Hirslanden ist attraktiv als Arbeitgeber; immer wieder gelingt es der Gruppe, Topshots zu sich zu holen. So hat etwa der ehemalige Chefarzt der Neurochirurgie des Universitätsspitals Zürich, René Bernays, zur Hirslanden-Gruppe gewechselt. Und auch der ehemalige Chefarzt der Neurochirurgie des Kantonsspitals Aarau, Javier Fandino, wechselte zur Privatklinik, nachdem er zwanzig Jahre lang in der öffentlichen Einrichtung gearbeitet hatte. 

Doch auch bei all den Unterschieden haben die beiden Institutionen eines gemeinsam: Sie legen grossen Wert auf die Forschung. 

«Wenn ich täglich einen Patienten operiere, habe ich im Laufe meines Lebens die Möglichkeit, Tausenden von Patienten und Patientinnen zu helfen. Wenn ich jedoch an der Forschung zur Verbesserung und Fortentwicklung arbeite, kann ich das Leben von Zehntausenden von Patientinnen und Patienten nachhaltig verbessern», sagt Luca Regli vom USZ. 

Luca Regli: Klinikchef der Neurochirurgie am Unispital Zürich.
Luca Regli

Klinikchef der Neurochirurgie am Unispital Zürich. 

Für die Hirslanden ist die Forschung eng mit Investitionen in neue Technologien verbunden: «Wir investieren jährlich einen hochstelligen Millionenbetrag in den Unterhalt und den Ausbau der Infrastruktur sowie in neue Technologien», sagt Kuhlen. 

Häufig hätten neue Technologien einen unmittelbaren Einfluss auf die Verbesserung der Behandlungsqualität, so Kuhlen. Die Entscheide über das jährliche Budget fällen jedoch
nicht wie in öffentlichen Institutionen üblich die Direktionen der Kliniken allein, sondern in Zusammenarbeit mit den beteiligten Facharztgruppen und dem Management der Hirslanden-Gruppe.

Neurochirurgie

Der Unterschied zwischen Neurologie und Neurochirurgie findet sich im Wort «Chirurgie»: Während Neurologinnen Erkrankungen des Nervensystems diagnostizieren, machen Neurochirurgen die operativen Eingriffe und kümmern sich um die Rehabilitation der Patientinnen und Patienten. Bandscheibenvorfälle, Schädel-Hirn-Traumata und Hirntumore sind typische Erkrankungen, die Neurochirurginnen und Neurochirurgen behandeln. 

2019 gab es laut der FMH-Ärztestatistik in der Schweiz 222 Neurochirurginnen und -chirurgen, mit einem Frauenanteil von 15 Prozent. Diese führen etwa am Universitätsspital Zürich jährlich 1200 neurochirurgische Operationen durch. 

Im Ranking «Beste Fachkliniken der Schweiz» kommt die Kategorie Neurochirurgie dieses Jahr erstmals vor. Statista untersuchte dreissig Schweizer Kliniken, die auf diesem Therapiegebiet tätig sind, und ermittelte daraus die Top 7 des Landes. Die durchschnittlichen Werte der medizinischen Kennzahlen lagen bei der Neurochirurgie bei 87 Prozent, während die Patientenzufriedenheit der ausgezeichneten Spitäler einen durchschnittlichen Score von 80 Prozent aufweist. 

Bei der Auswertung der neurochirurgischen Kliniken wurden vier fachgebietsspezifische Indikatoren des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) berücksichtigt. Dazu gehören die Fallzahlen und die Mortalität von Hirntumor-OPs sowie die Fallzahlen von Erweiterungen des Wirbelkanals, Rückenmark-OPs und Wirbelsäulen-OPs.

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