Seit der Emission der ersten grünen Anleihe vor etwas mehr als zehn Jahren ist der Green-Bond-Markt kontinuierlich gewachsen. Allein im vergangenen Jahr wurden Anleihen in einem Rekordvolumen von 255 Milliarden Dollar verkauft, um umweltfreundliche Projekte zu finanzieren. Damit ist das Emissionsvolumen um mehr als 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr und um mehr als das Dreifache gegenüber 2016 gestiegen. Dass der Umweltschutz zu den entscheidenden Herausforderungen unserer Zeit geworden ist, hat am Green-Bond-Markt für schnelles Wachstum gesorgt. Die starke Dynamik des Marktes (siehe obere Grafik) dürfte sich fortsetzen, da immer mehr Unternehmen und Länder ihre Anstrengungen in Sachen Umweltschutz verstärken.

Mehrere Länder wollen in diesem Jahr erstmals grüne Anleihen begeben, darunter Italien und Schweden. Weitere Staaten könnten folgen, falls die fiskal- und haushaltspolitischen Vorgaben zur Finanzierung umweltfreundlicher Projekte gelockert werden. Viele wichtige Zentralbanken haben ihre Möglichkeiten zur Ankurbelung des Wachstums durch eine geldpolitische Lockerung mittlerweile ausgeschöpft; daher dürften die Regierungen der Industrieländer mit fiskalpolitischen Hilfsprogrammen nachziehen. Green-Bond-Emissionen könnten ein Teil davon sein.

Überschaubarer Marktanteil

Indes sehen manche Regierungen die Emission grüner Staatsbonds kritisch. So hat etwa das britische Debt Management Office, das die Schulden im Vereinigten Königreich verwaltet, Bedenken über die Kosten für die Implementierung eines Angebots grüner Staatsobligationen entlang der Zinsstrukturkurve geäussert.

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Im Bereich der Unternehmensanleihen könnten Green Bonds bald attraktiver sein als ihre traditionellen Pendants. Einige Unternehmen sind sehr daran interessiert, ihr Engagement für den Umweltschutz zu verstärken. Damit können sie ihre Einnahmeströme diversifizieren und letztlich bei den Anlegern mit einem besseren ESG-Profil punkten. Trotz dem enormen Wachstum in den vergangenen Jahren ist der Markt für Green Bonds im Vergleich zur Gesamtgrösse des Anleihemarktes nach wie vor klein. Ein Faktor, der das weitere Wachstum bislang gehemmt hat, war die mangelnde Liquidität. Doch gibt es hier Anzeichen für eine Verbesserung: Der Boom bei grünen Anleihen trägt zur höheren Liquidität bei.

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Stolperstein mangelnde Transparenz

Im vergangenen Jahr ist die Liquidität am Sekundärmarkt dank den Jumbo-Deals in Frankreich und der Einführung liquider «grüner» Benchmarks in Ländern wie Irland gestiegen. Daher ist nun ein guter Zeitpunkt, das Anleiheportfolio mit Green Bonds zu ergänzen. Wenn eine grüne Anleihe dieselben Bewertungsmerkmale aufweist wie eine vergleichbare konventionelle Anleihe, stehen die Chancen gut, dass zukünftig in den Portfolios der ökologische Titel bevorzugt wird.

Steigt das Emissionsvolumen bei grünen Anleihen, müsste auch die Nachfrage entsprechend zunehmen. Doch zeigen sich viele Anleger derzeit offenbar noch zurückhaltend – obgleich sich der Markt in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt hat. Das liegt auch daran, dass es bislang keine weltweit akzeptierten Standards gibt. Zudem mangelt es bisweilen auch an Transparenz, wie die Emissionserlöse verwendet werden – vor allem, wie sie künftig refinanziert oder getilgt werden. Wenn man das Vertrauen in grüne Anleihen festigen will, muss man den Anlegern genauer darlegen, wie die Emissionserlöse verwendet werden.

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Quentin Fitzsimmons, Portfolio Manager, T. Rowe Price, Baltimore.