Manchmal dauert es sehr lange, bis ein Gerät wirklich zum Testen bereitsteht. Samsung hatte sein Galaxy Fold bereits im Februar in San Francisco vorgestellt. Einige Monate später entliess der Konzern das Smartphone für kurze Zeit in die Freiheit, um es dann schnell wieder einzusammeln.

Einige Tester hatten eklatante Mängel festgestellt, vor allem am Display. Dabei war ausgerechnet der Bildschirm der Star des Gerätes. Denn er lässt sich falten. Das Fold ging zurück ins Labor, und die Ingenieure mussten noch einmal ran.

Der Verkaufsstart wurde verschoben – bis jetzt. Nun startet Samsung einen neuen Anlauf. Wir waren zwei Wochen mit dem Fold unterwegs, um das Gerät zu testen.

Gleich fünf Warnhinweise

Man merkt sofort, dass das Galaxy Fold kein normales Smartphone ist. Bei der Lieferung ist es in eine Schutzfolie eingewickelt, auf der gleich fünf Warnungen stehen: Nicht zu heftig auf das Display drücken. Beim Zusammenklappen keine Gegenstände wie Kreditkarten oder Münzen mit einklemmen. Vor Feuchtigkeit und Staub schützen. Keine Schutzfolie auf das Display kleben. Fernhalten von Kreditkarten und elektronischen Implantaten, weil am Gerät starke Magneten verbaut sind.

Das sind ungewöhnlich viele Vorgaben. Aber das Fold ist auch ein ungewöhnliches Smartphone.

Aufgeklappt wird das Fold zum kleinen Tablet

Kurz zur Technik: Das Fold hat gleich sechs Kameras – drei Hauptkameras auf der Rückseite, eine zwölf Megapixel-Kamera, gepaart mit einem Tiefensensor auf der Innenseite, und eine Zehn-Megapixel-Selfie-Kamera auf der Vorderseite.

Alle Kameras lieferten im Test gute Resultate, sie sind etwa auf dem Niveau des Samsung Galaxy S10. Auf der Vorderseite ist auch ein 4,6 Zoll kleines Display untergebracht. Ist das Gerät zusammengeklappt, erscheinen dort die Nachrichten oder Anrufe.

Tatsächlich ist es ein vollwertiges Display, auf dem man alles machen kann, was man eben so auf einem Android-Smartphone anstellt. Aber wer will das schon, wenn er die Möglichkeit hat, das Fold aufzuklappen? Dann fängt das Smartphone an, richtig Spass zu machen.

Innen steht dem Nutzer ein 7,3 Zoll grosses Display zur Verfügung – also im Grunde ein kleines Tablet, das sich in eine handliche Grösse verstauen lässt.

Das Falthandy von Samsung mal aufgeklappt

Wird das Galaxy Fold aufgeklappt, steht dem Nutzer ein 7,3 Zoll grosses Display zur Verfügung.

Quelle: Samsung
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Der Akku macht einiges mit

Im Test wollten wir fast nur dieses Display nutzen. Weil dort schlichtweg alles besser geht als auf dem Aussendisplay. E-Mails, Web-Seiten aufrufen, Zeitung lesen. Eigentlich will man das Gerät nur zum Telefonieren zusammengeklappt nutzen.

Die Furcht, zu schnell den Akku zu leeren, war unbegründet. Selbst nach einem Tag mit einer vierstündigen Zugfahrt, während der das Fold pausenlos im Einsatz war, gab es um Mitternacht noch mehr als 20 Prozent Reserve.

Wer genau hinschaut, erkennt in der Mitte die Stelle, an der das Display gefaltet wird. Insbesondere wenn der Bildschirm dunkel ist. Aber beim normalen Gebrauch sieht man schnell darüber hinweg. Es stört dann schlichtweg nicht mehr. Weil das Display aus Kunststoff ist, fühlt man die Faltstelle auch, wenn man mit dem Finger darüberstreicht.

Drei Anwendungen gleichzeitig

Samsung hat sich augenscheinlich einige Gedanken gemacht, was Nutzer auf dem grossen Display so alles anstellen wollen. Daher gibt es auch die Möglichkeit, gleich drei Anwendungen oder Fenster parallel laufen zu lassen.

Allerdings werden die Fenster dann ziemlich klein, sodass sie nicht wirklich gut zu bedienen sind. Wir haben immer eine Anwendung formatfüllend verwendet. Dafür eignet sich das Display sehr gut.

Nur bei Filmen sind aufgrund des 4,2:3-Formats oben und unten schwarze Balken zu sehen. Aber trotzdem: Für Filme ist das Galaxy Fold wie geschaffen – und auch für Spiele wie beispielsweise den Renntitel «Asphalt 9». Gut funktioniert auch die Übergabe einiger Apps vom Aussen- auf das Innen-Display, wenn das Gerät aufgeklappt wird. Das gilt beispielsweise für Google Maps. Die Anwendung ist auf 7,3 Zoll einfach besser zu nutzen als auf 4,6 Zoll.

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Smartphone-Hersteller setzen weiterhin auf Faltdisplays

Samsung setzt trotz Startschwierigkeiten weiterhin auf faltbare Smartphones. Andere Hersteller ziehen mit. Wird «Falten» bald zum Standard? Mehr hier.

Auch wenn es uns – nach etwas Übung – gelungen ist, das Fold mit einer Hand auf- und zuzuklappen. Üblicherweise nimmt man beide Hände dafür. Aber das ist man auch von Smartphones gewohnt, die ein Display jenseits der Sechs-Zoll-Grösse haben. Im Test haben wir beim Aufklappen einige Male für Staunen in der Umgebung gesorgt. Allerdings hatten wir erwartet, häufiger darauf angesprochen zu werden.

Fazit

Mit dem Galaxy Fold hat Samsung eine neue Gerätekategorie begründet. Das Fold fühlt sich hochwertig verarbeitet an. Und doch ist es noch ein Experiment, eine erste Generation, mit der sich Samsung etwas traut.

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Es erinnert ein wenig an den Communicator von Nokia, der auch am Anfang eines grossen Smartphone-Trends stand. Hier ist die Technik natürlich deutlich weiter entwickelt. Das Fold hat einen blitzschnellen Prozessor eingebaut, kann wie eine Powerbank andere Geräte drahtlos aufladen und hat grosszügige 512 Gigabyte Speicher.

Zum Lieferumfang gehören eine Schutzhülle und die drahtlosen Ohrhörer Galaxy Buds. Allerdings ist das Gerät mit 276 Gramm sehr schwer und so dick wie zwei Smartphones, die aufeinanderliegen.

Wer bei diesem Experiment dabei sein will, zahlt 2100 Franken. Dafür kann das Fold aber auch über die fünfte Technologiegeneration 5G funken – vorausgesetzt, man findet eine Antenne dafür.

Dieser Artikel ist unter dem Titel «Dieses faltbare Smartphone könnte der Anfang von etwas Grossem sein» zuerst in der Welt erschienen.

Motorola bringt Retro-Smartphone mit Faltdisplay

Die Neuauflage des vor 15 Jahren populären Modells Razr ist ein Smartphone, das sich auf halbe Grösse zusammenklappen lässt. Mehr hier.

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